Im Clublabyrinth: Kosmo (Aaron Altaras) wollte eigentlich nüchtern bleiben. Foto: Telos Pictures

Techno-Filme sind peinlich! Zumindest meistens. Das sagt Schauspieler Aaron Altaras – und verrät, was der Film „Rave On“, der am 31. Juli ins Kinos kommt, besser macht.

So roh, direkt und unverkrampft, so verstörend zartbitter hat bisher selten ein Film von der Clubkultur und der Technoszene erzählt: „Rave On“ von Nikias Chryssos und Viktor Jakovleski kommt am 31. Juli in die Kinos. In „Rave On“ spielt Aaron Altaras („Unorthodox“, „Die Zweiflers“) einen Musiker in der Krise, der eine Nacht lang bei einem Selbstfindungstrip voller Techno, Drogen und Halluzinationen durch einen Club irrt. Wir haben mit dem Schauspieler und DJ über das Rauschhafte von Techno, die Berliner Clubszene, Drogen und seinen Bart gesprochen.

 

Herr Altaras, stimmt es, dass „Rave On“ nicht nur in einem Club spielt, sondern auch dort gedreht wurde?

Ja, es liefen ganz normale Partys während des Drehs. Die Leute, die man sieht, sind keine Statisten oder so, sondern Menschen, die zum Feiern da sind. Das ist ziemlich anstrengend: Wir sind nüchtern, wir sind am Arbeiten, und alle um uns herum sind die ganze Nacht von 10 Uhr abends bis 9 Uhr morgens am Feiern. Doch obwohl es mühsam ist, unter solchen Bedingungen zu spielen, gibt es einem auch viel Energie.

Sonst hätte der Film so nicht funktioniert?

Ja, ich finde der Film ist sehr intensiv, unterhaltsam, authentisch und irgendwie auch rührend geworden. Alle anderen Clubfilme, die ich kenne, sind peinlich.

Wirklich alle?

Ne, stimmt, „120 BPM“ und „Berlin Calling“ sind gut.

Clubgänger beim Feiern in „Rave On“ Foto: Telos Pictures

Und Sie waren von Anfang an zuversichtlich, dass die Regisseure Nikias Chryssos und Viktor Jakovleski das auch so gut hinbekommen?

Ja, es war klar, dass die einen besonderen Film und keinen normalen Ballerfilm machen wollen. Ich war mir ziemlich sicher, dass wir es hinkriegen. Wir sind auch gute Freunde geworden, und ich gehe mit ihnen in den Club. Es gibt zwar bestimmt Leute, für die der Film nicht die Wahrheit ist, für die Club nicht so aussieht. Aber „Rave On“ erzählt ja nur die Geschichte eines Mannes in einem Club. Und das ist natürlich nicht die Wahrheit für jeden.

Und mussten Sie sich intensiv auf den Film vorbereitet?

Ich habe mir zwei Monate einen Bart wachsen lassen, um älter auszusehen.

Sie haben als DJ selbst schon in Clubs wie dem Berghain aufgelegt. War das hilfreich für die Rolle?

Klar, aber vor allem war ich sehr oft als Gast in Clubs. Ich gehe immer noch gerne in Clubs. Ich habe viele Erfahrungen da gemacht – kathartische genauso wie schlechte. Das ist ein wichtiger Ort für mich.

Ein Ort, dem „Rave On“ ein Denkmal setzt.

Der Film ist auf jeden Fall eine Liebeserklärung an die Musik und an die Räume, in denen Menschen träumen, lieben, sich frei fühlen, aber auch scheitern dürfen. Leute gehen in den Club, um sich miteinander zu verbinden, denn das ist manchmal im Leben sehr schwer, und dort ist es möglich.

Kosmo befindet sich in „Rave On“ auf einer Art Irrfahrt durch ein labyrinthisches Techno-Wunderland, stürzt ab, landet beim Awareness-Team, feiert weiter.

Ja, es ist eine Schocktherapie. Er ist einer, der sich selbst verloren hat. Er hat den Anschluss verloren, sein Licht ist ausgegangen. Im Club versucht er jetzt, es wieder anzuknipsen, erst klappt es nicht, und er verliert sich noch mehr. Aber am Ende schafft er es doch.

Der Film ist auch eine Art Drogentrip. Kosmo will eigentlich nüchtern bleiben, weil er aber fünf Stunden warten muss, bis der legendäre DJ Troy Porter auflegt, fängt er an, alles mögliche Zeug einzuwerfen. Gehört der Drogenrausch zum Techno-Erlebnis dazu?

Dieses Gefühl des Rauschs, kann die Musik auch selbst auslösen. Ich finde es aber tatsächlich anstrengend, im Club nüchtern zu sein. Ich finde, das ist ein Gesamterlebnis. Nüchtern würde ich lieber etwas anderes machen – außerhalb des Clubs. Aber das sollte jeder für sich selbst entscheiden. Das kann man niemandem vorschreiben.

Aaron Altaras als Kosmo und Clemens Schick als Klaus Foto: Mustafah Abdulaziz

Es machen immer mehr Clubs zu – in Berlin zuletzt zum Beispiel das Watergate, und Ende des Jahres schließt die Renate. Machen Sie sich Sorgen, um die Clubkultur?

Ich fürchte zwar nicht, dass sie verloren geht, aber man muss trotzdem hart für sie kämpfen. Denn es werden ihr viele Steine in den Weg gelegt. Man muss die Clubkultur mit aller Macht schützen, denn sie ist ein integraler Teil von Berlin. Das ist, warum viele Leute in die Stadt gekommen sind: Techno und Klubs sind ein ganz, ganz wichtiger Backbone Berlins.

Wahrscheinlich gehört zur Clubkultur aber auch dazu, dass man irgendwann mal an der Tür abgewiesen wird. Haben Sie wie Kosmo auch schon einmal vom Türsteher den Satz gehört „Heute nicht!“?

Ja, leider ist das auch schon passiert.

Aaron Altaras und der Film „Rave On“

Person
Aaron Altaras (29) ist der Sohn der Schauspielerin Adriana Altaras und des Komponisten Wolfgang Böhmer. Er stammt aus Berlin. Seine erste Hauptrolle spielte er als Zehnjähriger in dem Fernsehfilm „Nicht alle waren Mörder“. Zudem war er zum Beispiel in den Serien „Unorthodox“, „Deutsches Haus“ und „Die Zweiflers“ zu sehen.

Film
„Rave On“ stammt von Nikias Chryssos und Viktor Jakovleski. Chryssos ist Absolvent der Filmakademie Baden-Württemberg und sorgte vor allem mit dem Film „Der Bunker“ (2015) für Aufsehen. „Rave On“ erzählt, was der Techno-Produzent und DJ Kosmo (Aaron Altaras) in einer Clubnacht bei dem Versuch erlebt, der Rave-Legende Troy Porter eine Vinylplatte mit seinen Tracks zu geben. Der Film startet am 31. Juli in den Kinos.