Das Technikum Laubholz weiht weltweit einzigartige Pilotanlage zur Herstellung von Carbonfasern aus nachwachsenden Rohstoffen ein.
Überall, wo hohe mechanische Festigkeit bei geringem Gewicht gefragt ist, finden Carbonfasern Verwendung. Die Anwendungsgebiete erstrecken sich von der Luft- und Raumfahrt über den Fahrzeugbau bis hin zu Sportgeräten. Carbonfasern werden bisher ausgehend von Erdöl in einem energieintensiven und mit giftigen Nebenprodukten belasteten Prozess hergestellt. Am „Deutschen Institut für Textil und Faserforschung“ in Denkendorf wurden bereits die wissenschaftlichen Grundlagen für die Verwendung nachwachsender Rohstoffe, insbesondere von Laubholz für die Carbonfaser-Herstellung, erarbeitet. Um den Weg zu einer industriellen Nutzung zu ebnen, wurde im Frühjahr 2020 auf Initiative des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg das „Technikum Laubholz“ (TLH) als außeruniversitäre Einrichtung der Spitzenforschung gegründet. Seine Heimat hat es inzwischen in Göppingen im historischen Verwaltungsgebäude und in einer großen Montagehalle der Firma Schuler gefunden.
Im Oktober 2024 ist ein wichtiger Meilenstein erreicht, die weltweit erste und einzigartige Pilotanlage für die Gewinnung von Carbonfasern aus Holz ist betriebsbereit. Peter Hauk, Minister für Ernährung, den Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, nahm im Beisein von etwa 50 Gästen aus Politik und Wirtschaft die symbolische Inbetriebnahme vor. Mit Hilfe der Anlage können die vielen Einflussfaktoren auf die Eigenschaften und die Qualität der hergestellten Carbonfasern untersucht und die Prozessschritte in Richtung Qualität und Wirtschaftlichkeit optimiert werden. Dies ist eine Voraussetzung, um das Interesse industrieller Partner zu wecken. Enttäuscht zeigte sich der Minister vom bisher nicht vorhandenen Interesse der deutschen Industrie. Dabei seien die Vorteile evident, Klimaschutz durch die Nutzung nachwachsender Rohstoffe, lokale Verfügbarkeit des Ausgangsstoffes und ein geringerer Ressourcenverbrauch.