Seite 2Technikmesse CES Wie uns die erweiterte Realität nutzen kann

Von Eva Wolfangel 

Die Augmented-Reality-Anbieter hingegen nutzen ihre Chance erstaunlich wenig. Was auf der CES gezeigt wird, ist nicht besonders kreativ. Viele der dargebotenen Headsets, insbesondere jene der chinesischen Hersteller, erinnern stark an die Google-Brille – nur, dass fast alle so schwer sind, dass das meist großgedruckte Versprechen „Hands free“ auf den Tafeln der Stände eher wie eine Parodie wirkt: Die Hände sind nicht frei, sie halten die klobige Brille auf der Nase.

Die drängendste Frage ist freilich die nach der konkreten Anwendung. Schließlich ist zumindest die Google-Brille auf dem Privatkundenmarkt phänomenal gescheitert: Nachdem Google 2012/2013 ein großes Trara um sie gemacht hatte, zeigte sich irgendwann, dass kaum jemand sie haben wollte.

Das Gerät funktioniert mittels Sprachsteuerung

Während Google mit seiner Brille derzeit ein Comebackin der Industrie plant, scheint das auch bei den aktuellen Anbietern der vielversprechendste Nutzungsfall zu sein. Realwear beispielsweise zeigt ein Headset, das entweder als Brille getragen oder auch an einem Baustellenhelm befestigt werden kann. Es sei das weltweit erste „Hands free“-Android-Tablet, scherzt Feroz Mohummed von Realwear. Er sei zuvor in der Öl- und Gas-Industrie tätig gewesen und wisse, dass die Menschen dort die Hände frei haben wollen und auch ein freies Blickfeld brauchen. Der Bildschirm befindet sich vor dem rechten Auge, das Gerät funktioniert mittels Sprachsteuerung.

Der zweite Anwendungsfall, der als vielversprechend für die erweiterte Realität angesehen wird, ist der Bildungssektor: So zeigt der Anbieter Dreamworld eine Brille ähnlich der Microsoft Hololens, deren Gläser zwar über das Blickfeld reichen, aber transparent sind. Mithilfe entsprechender Apps können Nutzer beispielsweise virtuell die verschiedenen Bereiche des menschlichen Gehirns kennenlernen.

„Technologie sollte immer dafür da sein, Probleme zu lösen“, sagt Vinay Narayan von HTC Vive, „doch daran scheitert die Industrie manchmal.“ Seine Vision für Virtual Reality ist ebenfalls Bildung: So üben bereits heute Feuerwehrleute mittels einer virtuellen Nachbildung eines Gebäudes, wie sie dort im Notfall vorgehen müssen. „Das spart Kosten im Vergleich zum klassischen Vorgehen“, sagt Narayan. Ein gutes Argument für den Weg in den Massenmarkt.

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