Kurt Rauschnabel zeigt im Technikforum verblüffende Experimente. Foto: Gottfried Stoppel

Der Backnanger Förderverein Technikforum bemüht sich seit zehn Jahren um die Ingenieure von (über)morgen. Er betreibt im Kooperation mit der Volkshochschule eine Technikwerkstatt für Kinder und holt Referenten zu Vorträgen.

Backnang - Alle paar Minuten knallt es an diesem Mittag im Technikforum Backnang – mitunter ohrenbetäubend laut. Kurt Rauschnabel grinst breit. Er springt von einem verblüffenden Experiment zum nächsten. Er lässt leere Büchsen in die Höhe schnellen und Menschen die Haare zu Berge stehen. Der Referent, Professor für Experimentalphysik an der Fachhochschule Heilbronn, steht vor gut einhundert Backnanger Schülern.

Gleich zu Beginn seines Gastspiels in der Murrstadt sagt Rauschnabel: „Ich erkläre nicht alles.“ Denn das wäre für viele seiner Zuschauer womöglich zu langweilig. Der Professor empfiehlt augenzwinkernd: „Fragt eure Physiklehrer.“

Und gleich das nächste Experiment: eine Holzdiele liegt auf zwei Trinkgläsern. Ein beherzter Schlag mit einer Latte auf die Diele zeitigt das verblüffende Resultat: die Diele bricht in zwei Teile, die filigranen Trinkgefäße indes bleiben unversehrt. Für dieses Phänomen liefert Rauschnabel ausnahmsweise mal die Erklärung, er sagt kurz und knapp: „Die Masseträgheit.“

„Wir haben keine seltenen Erden, wir brauchen also seltene Hirne.“

Später legt sich der grauhaarige Mann dann auf der Bühne auf ein Nagelbrett. Er hantiert mit flüssigem Stickstoff, lässt einen Wasserball in der Luft schweben. Und immer wieder macht es „puff“ und „peng“. Physik, sagt der Wissenschaftler, „muss knallen“. Er ist überzeugt: nur dann zeigen mehr Schüler Interesse an den Naturwissenschaften.

Nach Backnang geholt worden ist Kurt Rauschnabel vom Förderverein Technikforum Backnang. Jürgen Beer, 74 Jahre, ist Beiratsmitglied des vor genau zehn Jahren gegründeten Vereins. Der ehemalige Chef der Backnanger Firma Marconi sagt: „Wir müssen die Ingenieure von morgen schaffen“, sprich: dafür sorgen, dass sich mehr Schüler für Fächer wie Physik, Mathematik und Informatik interessieren. Denn Deutschland habe „keine seltenen Erden, wir brauchen also seltene Hirne.“ Der Vereinsvorsitzende Rüdiger Kieninger – er war bis 1999 Bürgermeister von Allmersbach im Tal – und seine Mitstreiter hoffen, dass sich Kinder und Jugendliche von enthusiastischen Akteuren wie Kurt Rauschnabel anstecken lassen.

Knapp ein Dutzend Kinder in der Technikwerkstatt

Die Physik-Experimente sind beendet. Im oberen Stockwerk des Technikforums macht sich Wolf-Dieter Usinger bereit, gleich kommt ein knappes Dutzend Buben und Mädchen zu ihm in die Technikwerkstatt für Kinder. In Kooperation mit der Volkshochschule bietet der Förderverein Kurse an. In der Werkstatt werden die verschiedensten technischen Gerätschaften gebaut, etwa kleine Solarautos. Usinger ist Informatiker und 66 Jahre alt. Der (Un)Ruheständler ist einer der jüngeren Aktiven des Fördervereins. Er erzählt von Wiederholungstätern, von Kindern, die oft in die Werkstatt im Technikforum kommen. Alles Ingenieure von (über)morgen? Vermutlich nicht. Aber, sagt Wolf-Dieter Usinger, es sei doch auch ganz schön, wenn diese Kinder später, wenn sie erwachsen sind, nicht für alle Arbeiten im Haus gleich einen Handwerker holen müssten. Jürgen Beer sagt sinngemäß: stimmt. Aber er wünsche sich schon, dass ein paar der Kinder eines Tages Technikforum-Vorträge halten.

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