Kante zeigen finden(v. li.): Johannes Seule, Sarah Schindler, Katharina Schmutz, René Böckle, Stefanie Heimann, Nicolai Opifanti Foto: Stadtkante

„Wir treffen Stuttgart“ heißt eine Plattform für junge Erwachsene der Gruppe Stadtkante. Sie soll gerade in Krisenzeiten wie diesen Menschen zusammenbringen.

Stuttgart - Eigentlich steht die Kirche für die persönliche Begegnung. Doch weil Gottesdienste nun untersagt sind, müssen andere Kommunikationswege her. Pfarrerin Sarah Schindler aus Zuffenhausen und ihr Kollege Nicolai Opifanti, Pfarrer in Degerloch, haben daher am vergangenen Sonntag den ersten Instagram-Gottesdienst gefeiert.

Zuvor riefen sie die Nutzer dazu auf, Vorschläge für Lieder und Fürbittengebete zu schicken. Der am häufigsten genannte Liedwunsch war „Von guten Mächten wunderbar geborgen“. Der Text stammt von Dietrich Bonhoeffer und spendet Hoffnung und Mut. „Die Kirche ist ein guter Ansprechpartner, um in Zeiten wie diesen Hoffnung zu geben“, erklärt Schindler. Die Resonanz auf den digitalen Gottesdienst, der rund 15 Minuten dauerte, fiel positiv aus. Rund 1000 Menschen verfolgten ihn auf Opifantis Instagram-Account „Pfarrerausplastik“ live. „Wir wissen natürlich, dass wir damit in erster Linie die junge Zielgruppe erreichen“, sagt Schindler. Derzeit suchen ihre Kollegen und sie noch nach anderen Wegen, aufgezeichnete Gottesdienste zu verbreiten. Das Angebot an Telefonandachten und Telefonseelsorge wurde schon aufgestockt. „Außerdem überlegen wir uns Aktionen, die ein Zeichen setzen und das Gemeinschaftsgefühl stärken“, erklärt die 32-jährige Pfarrerin. Zum Beispiel: jeden Abend um 19 Uhr eine brennende Kerze ins Fenster stellen.

Für alle, die eine gute Zeit verbringen wollen

Ein Zeichen setzen wollen Schindler, Opifanti und vier weitere Mitstreiterinnen und Mitstreiter auch mit ihrem Angebot Stadtkante. Die Idee dazu hatten sie bereits im November 2018. Unter dem Motto „Wir treffen Stuttgart“ bieten sie eine Plattform für junge Erwachsene von 25 bis 40 Jahren. Stadtkante richtet sich laut Schindler nicht nur an „Kirchgänger“, sondern an alle, die zusammen eine gute Zeit verbringen, Leute kennenlernen und sich engagieren wollen. „Probleme wahrnehmen und uns dafür einsetzen, sie zu lösen“, erklärt Schindler die Intention des Projekts. Daher auch der Name „Stadtkante“: „Kante zeigen“, laute die Devise. Ende März war der Besuch eines Poetry Slams zum Thema Heimat geplant. Im April die alternative Stadtführung „Im Blickpunkt“, bei der Verkäufer der Straßenzeitung Trottwar den Teilnehmenden soziale Brennpunkte in Stuttgart zeigen. Beide Events wurden wegen der Corona-Krise abgesagt. Doch auch hier zieht die digitale Alternative. „Auf Instagram und Facebook hatten wir schon vor der Krise eine größere Reichweite“, sagt Katharina Schmutz, pädagogische Mitarbeiterin im evangelischen Bildungszentrum Hospitalhof.

Diese Reichweite wollen sie jetzt nutzen. Am Montag lief zum ersten Mal der sogenannte Stadtkanten-Gedanke über Instagram-TV. Jeden Montagmorgen sendet ein Stadtkante-Mitglied einen Mutmacher. Den Anfang machte Pfarrer Johannes Seule zum Thema Selbstlosigkeit. Nächste Woche ist Jugendreferent und Diakon René Böckle, auch bekannt als DJ Faith, dran.

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