Bei der Deutschen Bahn fallen wegen des Streiks der Lokführer viele Züge aus. Ein Profiteur ist der private Bus- und Bahn-Anbieter Flix. Foto: dpa/Sven Hoppe

Wenn ein riesiger Transporteur wie die Deutsche Bahn über sechs Tage bestreikt wird, müssen Kunden ausweichen. Verschiedene Branchen spüren Rückenwind.

Der sechstägige Streik der Lokführergewerkschaft GDL bei der Deutschen Bahn stellt nicht nur Fahrgäste auf eine harte Geduldsprobe, sondern wirkt sich auch erheblich auf andere Branchen aus. Reisende und Pendler suchen – und finden – neue Wege, um in eine andere Stadt zu kommen. Und so profitieren vom Bahnstreik eine Reihe anderer Anbieter im Fernverkehr.

 

Fernverkehr

„Wir sehen wie meistens, wenn Wettbewerber bestreikt werden, eine deutlich gestiegene Nachfrage“, sagte eine Sprecherin des Verkehrsunternehmens Flix, das die Fernbusse Flixbus und das private Zugangebot Flixtrain betreibt. So hätten sich die Buchungszahlen im Zuge des GDL-Ausstands verdoppelt: „Vermutlich wegen der Länge des angekündigten Streiks.“

Das Verhalten der Fahrgäste kurbelt den Umsatz kräftig an, denn parallel zur gestiegenen Nachfrage steigen auch die Ticketpreise bei Flixbus und Co. „Besonders beliebt sind die Verbindungen zwischen und über Metropolen wie Berlin, Hamburg, München oder Stuttgart“, sagt die Sprecherin. Sofern notwendig, setze man zusätzliche Busse ein. Flixbus begründet den Preisanstieg damit, dass das Unternehmen mit einem dynamischen Preissystem arbeite. Je voller der Bus schon ist und je höher die Nachfrage, desto teurer werde es.

Mitfahrgelegenheit

Sobald die Bahn als Transportmittel ausfällt, profitieren auch Anbieter wie die Mobilitätsplattform Blablacar, über die sich Mitfahrgelegenheiten und Busfahrten buchen lassen. „Die Zahl der angebotenen Plätze für Mitfahrten auf der Plattform ist so hoch wie seit vier Jahren nicht mehr“, sagte ein Sprecher. Zahlreiche Reisende würden sich als Alternative zum Zug für die Angebote der Plattform entscheiden. Diese verdient durch eine Servicegebühr ihr Geld. Der Sprecher von Blablacar, das zum französischen Unternehmen Comuto gehört, rechnet mit einem weiteren Anstieg der Buchungen.

Autovermieter

Der Bahnstreik lässt darüber hinaus die Kassen bei Autovermietern wie Europcar oder Sixt klingeln. „Aktuell beobachten wir für diese Woche bundesweit eine deutlich erhöhte Nachfrage“, sagte ein Sprecher von Deutschlands größtem Autovermieter Sixt. Bereits in der Vergangenheit hätten sich Bahnstreiks in einer erhöhten Nachfrage nach Vermietfahrzeugen nieder geschlagen. Wie der Automobilclub ADAC mitteilte, beeinträchtigt der Bahnstreik den Verkehr auf den Straßen erheblich.

Bereits vor dem sechstägigen Lokführer-Streik waren die Preise für Mietautos kräftig gestiegen. Dem Vergleichsportal billiger-mietwagen.de zufolge konnte ein Auto für Donnerstag zur Fahrt von Köln nach Berlin am Montag noch für 89 Euro gebucht werden, am Dienstag kostete es schon fast das Doppelte, nämlich 160 Euro. Ähnliche Preissprünge gab es auch für andere Strecken.

Luftverkehr

Der Bahnstreik treibt auch bei Fluglinien die Buchungen deutlich nach oben – vor allem für innerdeutsche Flüge. Es gebe für den Streikzeitraum „einige zusätzliche Buchungen“, hieß es bei der Lufthansa-Kerngesellschaft in Frankfurt. Man setze auch größere Flugzeuge ein, um möglichst vielen Kunden eine Reisemöglichkeit anzubieten. Die Tochtergesellschaft Eurowings stellte ebenfalls eine sprunghaft gestiegene Nachfrage auf ihren innerdeutschen Strecken fest. In diesen Tagen verzeichne man die höchsten Buchungseingänge der vergangenen vier Jahre, erklärte ein Sprecher. Als Marktführer an Flughäfen wie Düsseldorf, Hamburg, Berlin, Köln/Bonn oder Stuttgart verfüge man aber noch über freie Kapazitäten. Auch Eurowings will größere Flugzeuge an den Start bringen.

Taxis

Der Bundesverband Taxi berichtet von guten Geschäften in diesen Tagen. „Wir spüren den Streik. Die Nachfrage nach Taxis ist mancherorts um 25 Prozent gestiegen“, berichtet Verbandschef Michael Oppermann. Dass kaum noch Züge fahren, mache sich vor allem in der Metropole Berlin oder etwa auch in Nordrein-Westfalen bemerkbar, wo sich Großstädte ballen und das Taxi eine Alternative zur Bahn darstelle.

Im Südwesten fällt das Plus dagegen nicht so deutlich aus. Nuri Altun, Vorsitzender des Taxiverbands Baden-Württemberg, rechnet streikbedingt mit etwa zehn Prozent mehr Fahrgästen. Gefragt seien vor allem Fahrten entlang betroffener S-Bahn-Strecken, wo keine Stadtbahnen unterwegs seien. „Wenn Messen oder Großveranstaltungen in Stuttgart sind, merken wir die Umsatzsteigerungen viel deutlicher“, so Altun.

Weil die Taxis an den örtlichen Tarif gebunden sind, dürfen Betreiber ihre Preise während des Streiks nicht erhöhen. Anders sieht es aus beim Dienstleister Uber, der seine Preise dynamisch setzt. Hier gilt wie bei Flixbus: je höher die Nachfrage, desto höher der Preis.