Ein Bild aus besseren Tagen – der Taxistand vor dem Hauptbahnhof Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Dem Taxigewerbe brechen in der Coronakrise große Teile des Umsatzes weg. Krankenfahrten sind noch möglich – doch auch in diesem Bereich gibt es jetzt Ärger.

Stuttgart - Dem Taxigewerbe ist mit Einsetzen der Coronakrise ein großer Teil der Fahrten weggebrochen. „Die Umsatzrückgänge betragen bis zu 85 Prozent. Trotzdem sind wir da. Das ist Daseinsvorsorge für die Bevölkerung. In der Krise beweist sich der Charakter“, sagt Iordanis Georgiadis von der Stuttgarter Taxizentrale (Taz) mit einem Seitenhieb auf neue Mobilitätsanbieter, die vorwiegend zu lukrativen Zeiten und an bestimmten Orten unterwegs sind.

Die Taxler versuchen, sich zu behelfen, so gut es geht. Dabei beschreiten sie auch neue Wege. „Wir bieten Einkaufsfahrten und Essensauslieferungen zu sehr schmalen Preisen an“, so Georgiadis. Diese Fahrten werfen zwar keinen Gewinn ab, sollen aber zumindest kostendeckend sein und der Aufrechterhaltung des Systems dienen.

Auch Krankenfahrten können und müssen weiter stattfinden. Vor allem die vielen Dialysepatienten können nicht einfach zu Hause bleiben. Doch gerade in diesem Bereich gibt es jetzt großen Ärger im Taxigewerbe. Grund ist ein Schreiben der AOK an viele Versicherte im ganzen Land. „Aufgrund des Coronavirus verzichten wir bis 15. Juni auf Gemeinschaftsfahrten. Somit können Sie einzeln zu Ihrer Dialysebehandlung gefahren werden“, heißt es da. Was zunächst wie eine frohe Botschaft für manche Taxler klingt, die nun vermeintlich statt Sammel- viele Einzelfahrten machen können, verkehrt sich im nächsten Absatz aber ins Gegenteil. „Eine Alternative ist, dass Sie sich mit einem privaten Pkw fahren lassen“, steht da. Man erstatte nun auch Fahrtkosten für Angehörige, Bekannte oder Nachbarn – wenn der Arzt einverstanden ist.

Manchem bricht das letzte Geschäft weg

Ein betroffener Taxifahrer, dem dadurch Fahrten weggebrochen sind, fährt schwere Geschütze auf. „Jetzt können wir den Laden vollends zumachen. Die ziehen einem das letzte Hemd auch noch aus“, schimpft er. Er mutmaßt, die AOK wolle wohl in der Krise Kosten sparen. Auch Taz-Sprecher Georgiadis spricht von „einer Frechheit“. Die Bundespolitik habe die Patienten aufgefordert, aus Sicherheitsgründen verstärkt mit dem Taxi zu fahren, und jetzt torpediere die AOK diese Bemühungen. Von anderen Kassen seien ähnliche Briefe bisher nicht bekannt.

Die Verärgerung ist angesichts der Zahlen nachvollziehbar. Jährlich vergütet die AOK Baden-Württemberg etwa 1,7 Millionen Fahrten zur Dialysebehandlung mit den unterschiedlichsten Beförderungsmitteln vom öffentlichen Nahverkehr bis hin zum Krankentransportwagen. „Die Auswahl des Beförderungsmittels erfolgt nicht durch die Krankenkassen, sondern durch Entscheidung des behandelnden Arztes unter Berücksichtigung des Gesundheitszustandes des Versicherten“, sagt ein AOK-Sprecher.

Kasse betont Verantwortung für ihre Versicherten

Die Kasse beteuert, mit den aktuellen Änderungen keine Kosten zu sparen und auch das Taxigewerbe nicht verärgern zu wollen. „Um das Infektionsrisiko von dialysepflichtigen Versicherten insbesondere bei Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei Gemeinschaftsfahrten im Rahmen der Corona-Pandemie zu minimieren, sind seit Mitte März 2020 in vielen Fällen alternative Beförderungsarten sinnvoll oder auch notwendig“, so der Sprecher. Die AOK Baden-Württemberg berate dabei sowohl die Versicherten als auch die Dialysepraxen.

Fahrten mit privaten Fahrzeugen würden derzeit tatsächlich besonders häufig nachgefragt. Der Sprecher weist allerdings darauf hin, dass natürlich auch dabei die Corona-Verordnung des Landes gelte. Demnach ist der Aufenthalt im öffentlichen Raum nur noch mit einer weiteren nicht im selben Haushalt lebenden Person gestattet.

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