Dichter Verkehr am Stuttgarter Flughafen – und Frust bei den Taxifahrern. Weil die Flughafengesellschaft den Wettbewerb öffnen will, überlegen sich die Fahrer zu streiken Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Auf dem Wasen entspannt sich zurzeit der Streit zwischen Veranstalter und Taxifahrern – am Flughafen zeichnet sich dagegen ein massiver Konflikt ab. Die Flughafengesellschaft will die Monopolstellung der Stuttgarter Taxi-Zentrale kippen. Die droht mit Streik.

Stuttgart - Die geballte Macht auf Rädern kann durchaus beeindruckend sein. So wie im vergangenen Herbst während des Cannstatter Volksfests. Weil die Taxifahrer seit Jahren mit den Standflächen am Wasen unzufrieden gewesen sind, haben sie das Fest für einen Tag bestreikt.

Im Corso zogen mehr als 300 Taxis zum Marktplatz, wo die Fahrer heftig mit Oberbürgermeister Fritz Kuhn diskutierten. Als Folge gibt es derzeit während des Frühlingsfests einen neuen Taxistand direkt auf dem Wasengelände.

Ein ähnliches Szenario droht jetzt auch dem Stuttgarter Flughafen. Denn kaum hat sich die Lage in Bad Cannstatt etwas beruhigt, kochen die Emotionen auf den Fildern hoch. Dort ist allein die Stuttgarter Taxi-Auto-Zentrale (TAZ) für die Vermittlung von Fahrten zuständig. Rund 700 Fahrzeuge sind ihr angeschlossen.

Heftige Vorwürfe und Drohungen

Taxis aus benachbarten Landkreisen dürfen zwar Gäste ausladen, nicht aber aufnehmen oder die Taxiplätze nutzen. Doch schon seit längerem ist die Atmosphäre zwischen TAZ und der Flughafengesellschaft nicht mehr die beste. Jetzt werden heftige gegenseitige Vorwürfe und Drohungen laut.

„Die Zusammenarbeit mit der Polizei und dem Flughafen ist schwierig“, sagt Murat Arslan. Der TAZ-Vorstandsvorsitzende beklagt die Verkehrssituation und die Gängelung vieler Taxifahrer durch die Polizei. Seit einiger Zeit gebe es immer mehr Strafzettel.

Dieses Thema hat jüngst auch das TAZ-eigene Magazin behandelt. Man sei immer häufiger gezwungen, am Flughafen in zweiter Reihe zu halten, was auch erlaubt sei, heißt es da. Dennoch gebe es reihenweise Verwarnungsgelder wegen Parkens im absoluten Halteverbot. Bereits seit Monaten, klagt Arslan, versuche man ein Gespräch mit der Flughafenführung und Polizeivertretern zu bekommen. Ein Termin im Januar sei ersatzlos gestrichen worden.

Droht ein Streik der Taxi-Zentrale?

Die Konsequenzen sind für die Taxi-Zentrale klar: „Sollte sich die Situation nicht ändern, werden wir den Fahrern die Empfehlung geben, weder Kunden zum Flughafen zu fahren noch welche dort abzuholen“, sagt Arslan. Im Klartext bedeutet das Streik. Man könne sich auch weitere Schritte wie eine Taxi-Demonstration am Flughafen vorstellen. In der Innenstadt war dabei im vergangenen Herbst der Verkehr komplett zusammengebrochen.

Bei der Polizei weist man die Vorwürfe scharf zurück. „Sie entbehren jeder Grundlage“, sagt Sprecher Christian Wörner. Es werde zwar deutlich mehr am Flughafen kontrolliert, das richte sich jedoch nicht gegen die Taxifahrer.

Auslöser war ein Vorfall im vergangenen Oktober, als ein Rettungswagen im Verkehrschaos blockiert worden war. Seither schaue man genauer hin. „Wir versuchen, die katastrophalen Verkehrsverhältnisse am Flughafen in geordnete Bahnen zu lenken.

Polizei will mit Taxi-Zentrale reden

„Das trifft normale Autofahrer genauso wie Taxifahrer“, sagt Wörner. Taxler dürften auch nur in zweiter Reihe halten, wenn es die Verkehrslage erlaube und sie nicht lange stehen blieben. Die Polizei will demnächst ein Gespräch mit der Taxi-Zentrale über die Vorwürfe führen.

Dabei wird die Flughafengesellschaft fehlen. „Wir sind ohnehin immer wieder im Gespräch“, sagt Geschäftsführer Georg Fundel. Er wertet die Beschwerden der TAZ als „reines Ablenkungsmanöver. Da wird das Klagelied über die schlimme Lage angestimmt, um davon abzulenken, dass im Taximarkt am Flughafen grade richtig Bewegung ist“. Er hält die Vorwürfe gegen Polizei und Flughafen GmbH für vorgeschoben.

„Tatsächlich geht es darum, dass die TAZ ihre Monopolstellung erhalten will“, so Fundel. Die aber wackle derzeit: „Wir wollen mehr Wettbewerb. Das ist gut für die Fluggäste. Wir überlegen, die Lizenz für die Vermittlung am Flughafen jemand anderem zu geben.“ Darüber werde man auch Gespräche mit den beteiligten Gemeinden Stuttgart und Leinfelden-Echterdingen führen. Die Stuttgarter Taxi-Zentrale könnte also das Geschäft am Flughafen verlieren.

Unzufrieden mit der Qualität mancher Taxis und Fahrer

Hintergrund ist, dass man sich auch am Flughafen alles andere als zufrieden zeigt mit der Qualität mancher Taxis und Fahrer, die über die TAZ kommen. „Das Taxi ist oft der erste und der letzte Eindruck, den ein Reisender von einer Stadt hat“, sagt Fundel. Deshalb brauche man saubere Autos und freundliche Chauffeure. Das sei bei der TAZ „in mindestens 20 Prozent der Fälle nicht so“.

Deshalb wirbt der Flughafen bereits offen mit großen Plakaten für den Service MyTaxi. Dabei können Fahrgäste unter Umgehung der Taxi-Zentrale über eine Smartphone-App ein konzessioniertes Taxi bestellen. „Wenn sich bei der TAZ nichts ändert, schreiben wir die Lizenz für den Flughafen neu aus“, droht Fundel.

Bei so viel Zwist gibt es immerhin eine gute Nachricht aus der Branche. Der neue Standplatz am Cannstatter Wasen ist vernünftig angelaufen. „Er wird gut angenommen“, freut sich Arslan. Und Jörg Klopfer von der Veranstaltungsgesellschaft in.Stuttgart bestätigt: „Bisher funktioniert’s, es sind genug Taxis da. Wir können uns diese Lösung auch für das Volksfest vorstellen.“ Solche versöhnlichen Töne gibt es derzeit am Flughafen nicht.

Hintergrund: Klage gegen Fahrdienst Uber

Hintergrund: Klage gegen Fahrdienst Uber

Das Frankfurter Landgericht hat vor kurzem den umstrittenen Fahrdienst Uber Pop bundesweit verboten. Bei diesem Dienst vermittelt das US-Unternehmen über eine App auf dem Smartphone private Fahrer, die keine Genehmigung zur Fahrgastbeförderung haben. Die Taxibranche war gegen die Konkurrenz Sturm gelaufen. Uber will nun ein neues Angebot entwickeln.

Auch die Stadt Stuttgart hatte zuvor angekündigt, bei einem Auftauchen des Dienstes sofort einzuschreiten. Zwar hat ein Uber-Sprecher vor kurzem gegenüber den Stuttgarter Nachrichten bestritten, Pläne für die Landeshauptstadt zu haben, doch die Taxi-Branche traut diesen Aussagen nicht.

Die Taxi-Zentrale hat deshalb eine Unterlassungserklärung von Uber gefordert, nicht in Stuttgart tätig zu werden. Die US-Firma hat das zurückgewiesen. Deshalb sehen sich beide Parteien am 30. April vor dem Stuttgarter Landgericht.

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