Im Vorjahr waren sie noch Zweite, diesmal siegten die Restlers aus Mannholz. Foto: Edgar Layher

Beim beliebten Tauziehfest der Tauziehfreunde Pfahlbronn wird um jeden Zentimeter gerungen. Beim Hobbyturnier am Samstag sind sieben Teams angetreten – am Ende haben sich die „Restler“ aus Mannholz als die stärksten Zugtiere erwiesen.

Tauziehen ist ein Sport mit einfachen Mitteln und vielen Regeln. Profis in dem zugkräftigen Metier sind die Tauziehfreunde Pfahlbronn, die seit rund 40 Jahren regelmäßig in den Seilen hängen. Am Wochenende hat der 1986 gegründete Verein sein traditionelles Tauziehfest veranstaltet. Es gab ein Nachwuchs- und Hobbyturnier am Samstag und einen Landesliga-Wettkampftag am Sonntag – mit den Pfahlbronnern gegen Teams aus ganz Baden-Württemberg und Bayern. Und in dem großen Festzelt feierten am Freitag 800 Menschen den 5:1-Sieg der deutschen Fußballer bei der Europameisterschaft gegen Schottland.

 

Das traditionelle Tauziehfest in Pfahlbronn hat Zugkraft, und für das Publikum ist es eine Mordsgaudi. Das liegt auch an den Coaches, die ihre Teams anfeuern und anschreien, neben ihnen herrennen oder sogar auf dem Boden mitkrabbeln. „Die sind hinterher immer total heiser“, sagt Bärbel Kramer von den Tauziehfreunden Pfahlbronn.

Rund 200 Mitglieder zählt der Verein aktuell

Das Schöne am Tauziehen sei, dass es ein echter Mannschaftssport ist, erzählt die 42-Jährige, die früher mit sieben weiteren Pfahlbronnerinnen in der Frauen-Landesliga aktiv war. „Man funktioniert nur im Team und kann nur gemeinsam gewinnen“, sagt Bärbel Kramer. Ihr Vater Heinz Hinderer war einer der ersten Pfahlbronner Tauzieher. Mit Brüdern und Freunden, die ansonsten gemeinsam für das Maibaumaufstellen per Muskelkraft im Alfdorfer Teilort zuständig waren, machte er bei einem Hobbyturnier in Wetzgau mit – und war begeistert. Seitdem sind die Pfahlbronner dem Seil verbunden, und die Bewegung wächst. Rund 200 Mitglieder habe der Verein aktuell, erzählt der stellvertretende Vorsitzende Kay Roesler, und seine Besten ziehen in der Landesliga gegen Mannschaften wie die Doibacher Löwen aus der Nähe von Schwäbisch Gmünd oder den Tauziehclub Affalterried. „Tauziehhochburg ist aber Südbaden“, sagt Bärbel Kramer. „Warum, weiß ich allerdings nicht.“

Es braucht nicht viel fürs Tauziehen. Acht starke Frauen und Männer. Wobei die Muskelkraft nicht alles ist, sondern auch die Technik eine Rolle spielt. „Vor allem, das Zusammenspiel beim Ziehen. Alle müssen gleichzeitig Druck aufbauen und losziehen“, sagt Bärbel Kramer. Dazu ein Seil aus Hanf, Sisal oder Kunstfaser, mindestens 33,5 Meter lang und bis zu zwölf Zentimeter dick. Aber es gibt Regeln, und die Kampfrichter achten darauf, dass sie eingehalten werden. Wenn sich zum Beispiel einer oder eine beim Ziehen auf den Boden setzt, gibt es eine Verwarnung, und bei der dritten Verwarnung hat das Team den Zweikampf verloren. Stehversuche allerdings sind erlaubt. „Ich glaube, der längste Zug, den es in der Geschichte des Tauziehsports gab, dauerte fast 50 Minuten, das war, so viel ich mich erinnern kann, bei einer Weltmeisterschaft“, sagt Bärbel Kramer. Die findet übrigens dieses Jahr am 5. September in Mannheim statt.

„Seil auf, spannen, fertig, pull!“

Die Zug-Duelle in Pfahlbronn dauern meist nur wenig mehr als eine Minute. Das reine Frauenteam namens „Neba dr Schbur“, alles Reiterinnen von der Alfdorfer Strübelmühle, zog erfolgreich an einem Strang. Am Ende wurden sie Vierte. Es gewannen die Restlers aus Mannholz, die Organisatoren der Mannholzer Festtage mit dem berühmt-berüchtigten Kuhfladen-Roulette, vor Jürgens Jungs und dem Vorjahres-Siegerteam vom Ständle am Eisenbach.

Kampfrichter Achim Schönleber gibt das Kommando zum Ziehen. /Edgar Layher

Unzählige Male erklang am Wochenende das laute Kommando auf dem Sportgelände in dem Alfdorfer Teilort. Jeder trat gegen jeden an, und aufgrund der Fairness gab es jeweils zwei Duelle mit Seitenwechsel. „Der Platz ist ja auch nicht ganz eben“, sagt Bärberl Kramer. Wenn das Seil ausgerichtet ist, die rote Markierung, die die Mitte anzeigt, auf der angezeichneten Linie liegt, beginnt Kampfrichter Achim Schönleber von den Tauziehfreunden Pfahlbronn mit dem Countdown. „Seil auf, spannen, fertig, pull.“ Sieger ist, wem es gelingt, den Gegner bis zur weißen Markierung, die vier Meter entfernt von der roten Marke auf beiden Seiten angebracht ist, auf seine Seite zu ziehen.

Das Outfit: Eishockey-Stiefel mit abmontierten Kufen

Achim Schönleber ist in der Landesliga aktiv und steht dort in einer der vorderen Positionen. Am Ende haben Anker- oder Ankerfrau ihren Platz. Sie sind diejenigen, die das Ende des Taus um den Körper herumschlingen. In der Liga geht es noch härter zu als beim Gaudi-Ziehen am Samstag. Während dort die Teilnehmerinnen und Teilnehmer vornehmlich mit stabilen Wanderstiefeln antreten, stehen die ernsten Tauzieher in Eishockey-Stiefeln mit abmontierten Kufen und glatten Sohlen am Seil. Handschuhe sind nicht erlaubt. „Aber wir dürfen harzen“, sagt Achim Schönleber. Um den Nachwuchs brauchen sich die Pfahlbronner keine Sorgen machen. Die „Tauziehfreunde Next Generation 2“ gewannen das Nachwuchsturnier, und „Next Generation 1“ wurden Dritte.