Das Büroschiff des Neckar-Käpt’n war noch nie als Fahrgastschiff unterwegs – dabei bleibt es auch. Foto: KS-Images / Karsten Schmalz

Genießen, entspannen, abschalten! Das sollen Gäste auf den Ausflugsschiffen des Neckar-Käpt’n. Doch hinter den Kulissen tobt eine Auseinandersetzung vor mehreren Gerichten.

So eine Fahrt auf dem Wasser hat was von Urlaub. Wenn die Wellen am Bug plätschern, können viele Menschen gut die Seele baumeln lassen. Und es muss auch nicht gleich auf dem Bodensee oder gar am Mittelmeer sein, schon auf dem Neckar zwischen Stuttgart und zum Beispiel Marbach lässt sich bestens entspannen – etwa auf den Schiffen der Flotte des Neckar-Käpt’n.

 

Risse in der schönen Welt der Neckar-Schifffahrt tun sich derzeit allerdings ein paar Kilometer weiter den Nesenbach hoch vor dem Landgericht oder jüngst gar vor dem Oberlandesgericht auf. Der Grund dafür ist ein Tauziehen um den Verkauf des hinter dem Etikett Neckar-Käpt’n stehenden Unternehmens Neckar-Personen-Schifffahrt Berta Epple GmbH & Co. KG.

1,25 Millionen Euro für drei Schiffe und 17 Anlegestelle des Neckar-Käpt’n

Da war die Welt des Neckar-Käpt’n schon nicht mehr in Ordnung: Wolfgang Thie, Ehefrau Susanne Thie, der neue Neckar-Käpt’n-Geschäftsführer Björn Demuth und Jens Caspar (v. li., ohne Masken) im Juni 2020 beim Eröffnungsempfang nach der Firmenübernahme. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Dieses hat der langjährige Kapitän Wolfgang Thie im Dezember 2019 an den bekannten Stuttgarter Gastronomen Jens Caspar verkauft. Die beiden kannten und schätzten sich offenbar, Caspar hatte seine Maultaschen der Marke Herr Kächele schon Jahre an Bord geliefert und auch einige Gesellschaften ebendort bewirtet. Ihm gefiel offenbar die Arbeit an Bord und Thie gefiel Caspars Interesse, da der heute 70-Jährige Käpt’n langsam am Rentenalter anlangte. Sie wurden sich einig, Caspar erwarb mit einem Partner die drei Schiffe und 17 Anlegestellen entlang des Neckars, die Hauptstelle mit Kassenhäuschen gegenüber der Wilhelma eingeschlossen.

Allerdings hielt die Einigkeit nicht lange. Ende Mai 2020 eröffneten die neuen Besitzer Thie, dass sie von den ersten 550 000 Euro der insgesamt 1,25 Millionen Euro Kaufpreis 225 000 Euro nicht bezahlen würden. Als Grund nannten sie den Zustand der Flotte. Unter anderem habe sich herausgestellt, so die Erklärung der Käufer, dass eines der drei Schiffe, das bisher als Büro an den Leinen gelegen hatte, gar nicht für die Personenschifffahrt geeignet sei. Spätestens da war die schöne Urlaubsstimmung dahin.

Die Auseinandersetzung eskalierte, bis Wolfgang Thie sie im Herbst 2021 vor Gericht brachte, wo sie seither unbemerkt von der Öffentlichkeit in mehreren Runden nicht gelöst werden konnte. Im Gegenteil: Auch die Beklagten fordern inzwischen Geld von Thie für ihrer Ansicht nach überraschend notwendig gewordene, umfassende Reparaturen an den gekauften Schiffen.

Streit auch um das Honorar als Berater des Neckar-Käpt’n

In einem Teilverfahren ging es jüngst zudem um die Tätigkeit von Wolfgang Thie für den Neckar-Käpt’n nach dem Verkauf. Der Schifffahrtsingenieur sollte in den Jahren 2020 und 2021 als Berater für Caspar und Demuth fungieren und dafür gemäß Vertrag in monatlichen Raten insgesamt 30 000 Euro Honorar bekommen. Allerdings stellten die neuen Besitzer die Zahlungen nach 12 000 Euro ein. Thie ging auch hiergegen vor und erwirkte im vergangenen Jahr einen Vollstreckungsbescheid, dessen Rechtmäßigkeit Caspar und sein Partner bezweifelten und deshalb in Berufung ans Oberlandesgericht gingen.

Angesichts des relativ geringen Streitwertes in diesem Fall im Vergleich zum Hauptprozess machte sich der für Wirtschaftssachen zuständige Commercial Court des Oberlandesgerichts erst einmal ein grobes Bild. In Abwesenheit von Jens Caspar vertrat sein Geschäftspartner, Mitbesitzer und Rechtsanwalt Björn Demuth die Position der neuen Besitzer. „Die Beratungsleistung wurde schlecht erbracht“, begründete Demuth, weshalb das Honorar nicht mehr floss. Die Genehmigung der Anlegestelle Wilhelma sei Ende 2020 ausgelaufen und die von Thie beantragte Verlängerung laufe auch bald aus. Früher seien solche Genehmigungen für 20 Jahre erteilt worden, jetzt wolle die Stadt dort – wo die Bahnstrecken und die Straßen neu sortiert werden – alles anders machen. „Da ist die Geschäftsgrundlage weggebrochen“, sagte der Anwalt.

Auseinandersetzung um Status des Büroschiffes an der Wilhelma

Thies Rechtsanwalt Hansjürgen Sachsenmaier hielt dagegen, dass klar gewesen sei, dass die Stadt Stuttgart wegen des Umbaus keine Genehmigung auf Jahrzehnte mehr ausstellen würde, dass aber weitere kurzfristige Genehmigungen in Aussicht standen.

Demuth streifte auch, dass das Büroschiff MS Bad Cannstatt nach einem Besuch des Tüv im Frühjahr 2020 nur noch als Mehrzweckschiff und nicht mehr als Fahrgastschiff eingestuft war, das würde den Verwendungszweck erheblich einschränken. Demuth meinte, Thie habe seine Pflicht zur Aufklärung dadurch verletzt. Die Gegenseite verwies auf den langen Einsatz als reines Büroschiff und dass immer klar gewesen sei, dass es sich nicht für Rundfahrten mit Gästen eignen würde.

Der Kammer unter Vorsitz von Richterin Martina Vels schlug schließlich angesichts des Streitwertes von 18 000 Euro einen Vergleich vor, den beide Parteien nach einigem Hin und Her annahmen: Demnach bekommt Wolfgang Thie weitere 6000 Euro und mithin also insgesamt knapp die Hälfte des avisierten Beratungshonorars.

Die Hauptschlacht um den Kaufpreis des Neckar-Käpt’n und dessen Zustand aber wird erst noch vor dem Landgericht geschlagen. Die neuen Besitzer äußern sich wie der alte auch gegenüber unserer Redaktion zuversichtlich, die Richter von ihrer Sache überzeugen zu können. Der Termin ist noch unklar, derzeit sind nach Angaben des Gerichtssprechers Kai Hermes die Sachverständigen am Werk.