Brigitte Über und Erwin Mack vom Nordpool tauschen mit den anderen Mitgliedern Dienstleistungen aus: Foto: Fritzsche

Der Tauschring Nordpool wird zehn Jahre alt und sucht weiter neue Mitglieder. Die Idee besteht darin, eigene Fähigkeiten in Form von Dienstleistungen in der Nachbarschaft untereinander anzubieten.

S-Nord - Angefangen hat alles im Jahr 2003: Als Initiative aus zwei Gemeinden im Bezirk Nord – der evangelischen und der katholischen – wurde der Tauschring Nordpool gegründet. „Die Idee war, eine erweiterte Nachbarschaftshilfe mit Dienstleistungen zu schaffen“, erinnert sich das Gründungsmitglied Brigitte Über. In der Broschüre des Tauschrings wird das so erklärt: „Frau Maier spricht fließend Englisch, ab und zu benötigt sie einen Babysitter. Frau Rosario betreut gerne Kinder, Rasenmähen jedoch fällt ihr schwer. Der 17-jährige Sven braucht Nachhilfe in Englisch, dafür arbeitet er gerne im Garten.“ Diese drei können ihre Leistungen untereinander tauschen: wer eine Leistung erbringt, dem werden Eiswürfel – die Währung, mit der gearbeitet wird – gutgeschrieben. Wer eine Leistung in Anspruch nimmt, dem werden dafür Eiswürfel abgezogen. Je Arbeitsstunde werden acht Eiswürfel verrechnet.

Eigene Fähigkeiten werden angeboten

„Es geht darum, die eigenen Fähigkeiten anzubieten“, sagt Über, „und die Fähigkeiten von anderen zu nutzen.“ Man müsse dabei aber Geduld haben und flexibel sein: „Es ist natürlich etwas anderes, in ein Geschäft oder zu einem Handwerker zu gehen und eine Leistung anzufordern.“ Über steht aber voll hinter dem Konzept: „Ich bin gerne aktiv und bringe meine Kreativität ein.“ Brigitte Über näht gern; erst neulich hat sie in Tauschleistung ein Polster genäht. „Die Dame war ganz überrascht, was für schöne Dinge dabei herauskommen können.“ Dafür backt Über kaum noch Weihnachtsplätzchen, sondern sie ertauscht sich die Gutsle.

Tauschrat als Verwaltung- und Organisationsorgan

Für Erwin Mack, der seit 2009 Mitglied im Nordpool ist, spielt die soziale Komponente des Tauschrings eine wichtige Rolle. „Ich wollte mich nach meiner Pensionierung neu orientieren“, sagt er. „Man hat im Nordpool die Möglichkeit, im Alter seinen Bekanntenkreis zu erweitern.“ Mack und Über sind Teil des Tauschrats, dem Verwaltungs- und Organisationsorgan des Tauschrings. Dieser stellt Termine wie Tauschmärkte und Stammtische auf die Beine und verrechnet erbrachte Leistungen auf den Konten der Mitglieder. „Es geht uns aber auch darum, die Leute besser zu integrieren“, erklärt Brigitte Über. Gerade bei den älteren Mitgliedern seien die Dienstleistungen, die sie anbieten können, oft sehr eingeschränkt, etwa aus gesundheitlichen Gründen. „Wir versuchen dann, Möglichkeiten für sie zu finden, anderweitig tätig zu werden“, sagt Über, etwa bei den Tauschmärkten als Helfer, oder indem sie daheim Kuchen backen oder Marmelade kochen und diese zum Tausch anbieten.

„Wir überlegen eigentlich immer, wie die Leute die Eiswürfel nicht nur ausgeben, sondern auch einnehmen können.“ Gerade die Tauschmärkte sind ein beliebter Treffpunkt: „Es ist immer gut, die Mitglieder, gerade die neuen, persönlich kennenzulernen“, erklärt Erwin Mack. Wenn jemand für die Dauer seines Urlaubes seine Katze betreuen lassen will, sei es sehr wichtig, die Person vorher zu kennen.

Durchschnittalter liegt bei 50 bis 55 Jahren

Die Mitgliederzahl ist von anfangs 20 deutlich angestiegen: zwischen 90 und 100 Mitglieder hat der Nordpool derzeit. Mit den Mitgliedern ist auch die Verwaltung gewachsen: „Die ist heute deutlich professioneller als am Anfang“, sagt Brigitte Über. „Das Durchschnittsalter liegt bei 50 bis 55 Jahren; wir hätten gern mehr jüngere Leute dabei“, sagt Erwin Mack. Zwar ist der Tauschring nach wie vor fest in Nord etabliert, allerdings kommen mittlerweile auch viele Mitglieder aus den anderen nördlichen Bezirken, etwa Feuerbach, Weilimdorf oder Stammheim.

Neben den Dienstleistungen kommt es manchmal auch vor, dass Sachgegenstände angeboten werden. „Manchmal hat jemand ein gut erhaltenes Regal oder einen Staubsauger, den er gegen Eiswürfel verkauft“, sagt Erwin Mack. Das sei aber nicht die Norm, und das solle sie auch nicht werden. Der Fokus des Nordpools liegt auch im zehnten Jahr auf dem gegenseitigen Aushelfen, dem Rasenmähen, Lampen installieren und Kuchenbacken.

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