Senioren, die ihren Führerschein zurückgeben, können im Kreis Ludwigsburg eine solche VVS-Jahreskarte bekommen. Foto: Michael Steinert

Ein Ludwigsburger Modellprojekt, bei dem Senioren ihren Führerschein gegen ein Jahresticket des VVS eintauschen können, birgt einen Mitnahmeeffekt.

Stuttgart - Wer seinem Alter Tribut zollen muss und bemerkt, dass es im alltäglichen Straßenverkehr allmählich brenzlig wird, weil vielleicht die Augen oder die Ohren nicht mehr so gut funktionieren wie früher, der kann sich zumindest im Landkreis Ludwigsburg über ein Trostpflaster freuen. Er kann seinen Führerschein zurückgeben und bekommt dafür ein VVS-Seniorenticket, das ein Jahr lang in Bussen und Bahnen im gesamten Netz gilt und 560,40 Euro wert ist. 2013 Menschen haben dieses Angebot, das im Gebiet des VVS einmalig ist, bis jetzt dankend angenommen.

Auch wenn das Ludwigsburger Landratsamt sein Projekt als Erfolg wertet und als Beitrag zur Sicherheit im Straßenverkehr feiert, kann man es nicht automatisch den anderen VVS-Landkreisen und der Landeshauptstadt zur Nachahmung empfehlen. Der Verdacht liegt nahe, dass unter den Nutznießern viele Senioren sind, die aus gesundheitlichen Gründen sowieso nicht mehr Autofahren und denen angesichts dieses Schnäppchens endlich einfällt, was sie mit dem alten Führerschein in der Schublade noch anfangen können. In diesem Fall ist von Mitnahmeeffekten auszugehen, die von der öffentlichen Hand nicht gewollt sein können.

Dennoch sollte man nicht den Stab über den Ludwigsburgern brechen. Ihr Projekt rückt eine wichtige Frage in den Fokus, über die niemand gerne nachdenkt: Wann ist es für einen persönlich an der Zeit, das Auto endgültig stehen zu lassen? Dieses Thema in die Öffentlichkeit zu bringen, darf einem Landratsamt zumindest in Zeiten sprudelnder Steuerquellen etwas wert sein. Ansonsten ist festzuhalten: Das Seniorenticket, das für 46,70 Euro monatlich im gesamten VVS-Netz gilt, enthält auch so schon einen fetten Rabatt.

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