30 Tauben und mehr bevölkern die Anlage neben der Rosensteinstraße in Leinfelden. Nachbarn beklagen deren verwahrlosten Zustand. Foto: Norbert J. Leven

Anwohner im Osten von Leinfelden haben Ärger mit einem verwahrlosten Taubenschlag. Das Veterinäramt sieht keine Gefahr im Verzug.

Leinfelden - Stefanie Dahmen, eine Anwohnerin der Rosensteinstraße in Leinfelden, ist verärgert. „Wir können kein Fenster mehr auflassen, die Tauben fliegen uns in die Wohnungen hinein.“ Woher die Tiere stammen, haben Dahmen und ihre Nachbarn schon lange ausmachen können. Sie gehören zu einem Verschlag in unmittelbarer Nähe. Nur wenige Meter von den Wohnhäusern entfernt befindet sich der zurechtgezimmerte Taubenverschlag zwischen Äckern auf einem Wiesengrundstück.

Die Anwohner sprechen von einer regelrechten Taubenplage, von der sie seit rund einem Jahr heimgesucht werden – und erheben Vorwürfe gegen den Besitzer der Tiere. Die Tauben würden „selten gefüttert und nicht getränkt“, hat Dahmen beobachtet. Die circa 30 Tiere befänden sich ständig auf Futtersuche und machten dabei auch nicht vor den Wohnungen entlang der Rosensteinstraße Halt.

Auf Beschwerde „nicht reagiert“

Wegen der Zustände habe man sich bereits vor Monaten an das Kreisveterinäramt in Esslingen gewandt, sagt Dahmen. Diese zum Landratsamt gehörende Behörde ist nach dem Tierschutzgesetz zuständig. Dort aber habe man auf die Beschwerde aus Leinfelden „nicht reagiert“. Stefanie Dahmen und eine weitere Nachbarin haben sich daraufhin am 28. Mai an das Ordnungsamt der Stadt Leinfelden-Echterdingen gewandt. Bereits einen Tag später, erläutert dessen Leiter Gerd Maier auf Nachfrage unserer Zeitung, „haben wir den Zustand dokumentiert und einen Bericht mit Bildern und Kontaktdaten an das Veterinäramt geschickt“.

Den Vorwurf der Untätigkeit weist das Landratsamt zurück. „Veterinärkontrolleure waren mehrfach vor Ort und haben die Tauben unter tierschutzrechtlichen Gesichtspunkten in Augenschein genommen“, sagt Wolf-Dieter Roser, der stellvertretende Pressesprecher. Das Ergebnis des Augenscheins: Laut Veterinäramt hätten die Tiere einen „gesunden und wohlgenährten Eindruck“ auf die Kontrolleure gemacht, so Roser. Es sei keine Gefahr im Verzug gewesen, einen Anlass zum Eingreifen habe es nicht gegeben.

Taubenschlag steht unter Beobachtung

Worin die Behörde mit den Anwohnern übereinstimmt, ist der Zustand der Anlage: Für die Tauben sei er zwar „nicht bedenklich“, es könnte jedoch „sauberer sein“, sagt Roser. Die Behörde werde es mit diesen Feststellungen nicht bewenden lassen, kündigt er an. Der Taubenschlag stehe weiter unter Beobachtung. Außerdem seien die Recherchen nach dem Besitzer der Tiere noch nicht beendet. Die Suche gestalte sich als schwierig.

Die Anwohner, die den Taubenhalter „seit Wochen nicht mehr gesehen“ haben, wollen den Ist-Zustand nicht akzeptieren. Sie verweisen auf einschlägige Veröffentlichungen, wonach Tauben als Überträger von Krankheiten gelten. „Dieser Dreck kann nicht gesund sein“, sagt Dahmen, die noch immer auf eine Reaktion aus Esslingen wartet. Nach dem Schritt an die Öffentlichkeit denke man nun an eine Unterschriftenaktion in der Nachbarschaft.

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