Rund um das Milaneo soll es weiterhin keine Tauben geben. Foto: Andreas Rosar

Das Einkaufscenter Milaneo hält mit einer neuen Methode die Vögel von dem Gebäudekomplex fern. Der BUND übt daran Kritik.

Stuttgart - Wenn Tauben auf Dachvorsprüngen oder Fenstersimsen landen, erwarten sie einen festen Boden unter ihren Füßen. Gibt es darauf jedoch Stellen, die unter ihrem Gewicht nachgeben, empfinden sie dies als unangenehm und meiden künftig solche Landeplätze.

Diese Eigenschaft macht sich ein Produkt zunutze, das seit etwa zwei Jahren vom Einkaufszentrum Milaneo verwendet wird, um von dort die Tauben abzuhalten. Auf den typischen Landeplätzen von Tauben wird dies in Form von Strängen aufgetragen, die optisch mit denen beim Verdichten von Fugen vergleichbar sind. Ganz offensichtlich geschieht dies mit Erfolg: „Wir können nur Positives darüber berichten. Wir haben seitdem kein Tierleben zu beklagen“, so Steffen Köppe, technischer Leiter des Milaneo. Damit dieser Erfolg gewährleistet ist, müssen diese Stränge aber mit Quarzsand bedeckt sein, der die Klebewirkung des Materials bindet. Oder sie müssen mit Folie bedeckt werden, die der Hersteller mitliefert. Köppe: „Wir kontrollieren regelmäßig. Den Sand muss man immer wieder erneuern, das geschieht während unserer Kontrollgänge. das ist auch vom Hersteller so vorgesehen.“

Das Leben von kleineren Tieren ist nicht beeinträchtigt

Die Tauben bleiben dem Milaneo fern,und im Gegensatz zu Netzen, Drähten oder spitzen Nadeln fällt diese Maßnahme – auch Taubenvergrämung genannt – optisch nicht auf. Deshalb wird dies inzwischen am kompletten Gebäude, also auch bei den Wohnungen angewandt. Köppe: „Diese Anwendung entspricht dem Tierschutzgesetz, das belegt auch ein rechtliches Gutachten, das der Hersteller in Auftrag gegeben hat. Das Leben von kleineren Tieren, etwa von Schmetterlingen, ist dadurch nicht beeinträchtigt. In dem Mittel befinden sich keinerlei toxische Stoffe, es entstehen weder Gase noch andere chemische Reaktionen. Dagegen ist jedes haushaltsübliche Spülmittel in einer Gefahrstoffklasse aufgelistet. Für uns ist das eine nachhaltige Maßnahme.“

BUND sieht negative Folgen für Wanderfalken

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sieht in der Verwendung dieses Mittels allerdings „gleich mehrere Verstöße gegen geltende Naturschutz- , Artenschutz- und Tierschutzgesetze. Trotz Sandbestreuung würden Tauben und andere Vogelarten mit dem Material in Berührung kommen und würden so zu „einer leichten Beute der streng geschützten Wanderfalken“ – mit negativen Folgen für die Falken. Zur Lösung dieses Problems fordert der BUND vor allem die Aufstellung weiterer Taubenschläge durch die Stadt.

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