Leoni Raab lasert ein Tattoo von Tugba Basers Arm weg. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Sei es, dass die Liebe weniger lange hielt als die Farbe des eintätowierten Namens des Ex-Partners auf der Haut oder dass schlicht Platz geschaffen werden soll für ein neues Tattoo – was für die Ewigkeit gedacht ist, muss dank Lasertechnologie nicht mehr ewig währen. Die Entfernung birgt jedoch Gesundheitsrisiken.

Stuttgart - Die Finger drücken den weichen Ball, kneten ihn, quetschen ihn. Nur sie verraten, wie angespannt Tugba Baser ist. Ansonsten liegt die 29-Jährige recht entspannt auf dem Behandlungsstuhl, der ein wenig an den einer Zahnarztpraxis erinnert. Nur die große Sonnenbrille will nicht so recht ins Bild passen. Auch Leoni Raab trägt eine solche Brille. Sie beugt sich über den Arm von Baser, setzt ein Lasergerät auf – und drückt ab. Ein Lichtimpuls blitzt auf. In der Haut zertrümmert er die Farbpigmente eines Tattoos in unzählige Kleinstteile. Die Finger kneten und quetschen.

„Am Arm ist der Schmerz ganz gut aushaltbar“, sagt Baser. Nachdem sie eine Ausbildung zur Erzieherin angefangen hat, möchte sie sich drei Tätowierungen entfernen lassen: eine große am Arm, eine kleinere auf der Brust und eine im Nacken. Der Grund? „Ich möchte von den Eltern als Respektsperson angesehen werden“, sagt Baser, „man merkt die Vorurteile an den Blicken“. Die Motive auf Arm und Brust findet sie nach wie vor okay – nur die Köperstellen nicht. Mit dem Tattoo im Nacken hat es noch eine andere Bewandtnis: „Das ist der Name meines Ex-Freunds“, sagt Baser. „Zum Glück habe ich ihn auf Chinesisch stechen lassen.“ Und im Nacken, da wären die Schmerzen viel unangenehmer.

„Teilweise haben meine Kunden einen richtigen Leidensweg hinter sich“

Leoni Raab, die im November vergangenen Jahres ein Studio des Franchise-Unternehmens Endlich Ohne zur Tattooentfernung in der Reinsburgstraße 59 im Stuttgarter Westen eröffnet hat, lächelt: „Bei den chinesischen Zeichen kann man nur hoffen, dass die Bedeutung auch stimmt“, sagt sie. Sie habe schon öfter Kunden gehabt, die sich Tattoos entfernen ließen, da auf der Haut nicht stand, was dort stehen sollte. „Auch Schreibfehler sind recht häufig“, sagt Raab. Da Tattoos für die Ewigkeit sind und somit manchmal länger währen als die Liebe, ist auch der Namen des Ex-Partners oft ein Fall für den Laser. Auch Daten, die Erinnerungen aufwühlten, würden oft entfernt. „Teilweise haben meine Kunden einen richtigen Leidensweg hinter sich, haben sich oder ihr Tattoo lange Zeit versteckt – und sich in ihrer Haut nicht mehr wohlgefühlt“, sagt Raab. Ein Grund, warum sie ihren Beruf so mag: „Es ist ein sehr dankbarer Job, weil ich den Menschen helfen kann“, sagt die 24-Jährige.

Doch nicht immer ist der Grund dafür, dass jemand eine Tätowierung loswerden will, so dramatisch. Teilweise „wollen die Kunden nur Platz schaffen für etwas Neues“. Auch seien Tattoos Moden unterworfen: So lasert Raab häufig Stacheldrahtzäune weg oder Fingertattoos – und seltener auch ein sogenanntes Arschgeweih. Zudem seien Tattoos heute Körperschmuck – „und wer will schon immer die gleiche Kette tragen?“, fragt Raab. Auch Permanent-Make-up entfernt sie, zudem hellt sie Tattoos für ein Cover-up auf, also ein zweites Tattoo, das das erste abdeckt.

Tattooentfernung kann gesundheitsgefährdend sein

Raab ist auch tätowiert – wie laut dem Bundesamt für Risikobewertung (BfR) rund neun Prozent der Bevölkerung in Deutschland, Tendenz steigend. „Tattoos stellen gesellschaftlich und beruflich kein solches Problem mehr dar“, sagt Raab. Selbst die Polizei hat ihr Tattoo-Verbot aufgehoben. Deshalb hat eine Kundin von Raab nun eine Chance auf eine Ausbildung bei der Polizei. Sie ist genommen worden, allerdings unter einer Auflage: Ein Tattoo muss sich die Frau entfernen lassen: zwei Buchstaben im Nacken, die anscheinend die Anfangsbuchstaben ihrer Eltern sind, aber in der Nazi-Terminologie eine ganz andere Bedeutung haben: SA, also Sturmabteilung.

Auch Raab selbst hat sich schon eine Tätowierung entfernen lassen, vom Oberschenkel. Was für eine, das will sie nicht verraten. Jedenfalls ließ Raab sich das Tattoo in Hannover von Endlich Ohne weglasern. Und fand dabei ihren Traumjob. „Ich habe mich zur Lasertherapeutin ausbilden lassen“, sagt sie. Danach folgte eine interne Schulung in der Zentrale in Hannover.

Nun ist sie Herrin über ihren eigenen Laser, mit dem sie die Farbpartikel erhitzt und sozusagen aufsprengt, so dass die Farbpigmente auf das Immunsystem wie Fremdkörper wirken und vom Körper über das Lymphsystem abtransportiert und über Niere und Darm ausgeschieden werden. Eine Studie vom BfR belegt, dass dies gesundheitsgefährdend sein können. „Ja, in der blauen Tätowierfarbe ist Blausäure drin – und die ist krebserregend“, sagt Raab. Allerdings sieht sie nicht das Problem darin, dass „wir sie entfernen, sondern dass sie überhaupt in den Körper eingebracht wurde“. Auch alle anderen Farben können Schwermetalle enthalten – und das Aufbrechen der Partikel kann Allergien auslösen. Deshalb schicke sie, so Raab, Kunden, bei denen es Bedenken gibt, vorab zum Hautarzt.

Kosten und Behandlungsdauer variieren

Die Behandlungsdauer wie auch die Kosten variieren. Nicht nur die Größe des Tattoos spielt eine Rolle, sondern auch, ob es sich um Outlines, also Umrisse, oder um schattierte Flächen handelt, welche Farben benutzt wurden und ob es professionell gestochen wurde. Mit sechs bis zwölf Terminen muss man meist rechnen, mindestens 80 Euro muss man pro Behandlung zahlen.

Die Kinder übrigens, die Tugba Baser betreut, lieben ihre Tattoos: „Sie malen die Linien immer mit Stiften aus.“ Zum Glück hat sie noch Tätowierungen auf dem Rücken.

Tattooentfernung

Risiken Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) warnt, dass die Entfernung des Tattoos mit einem Laser zu toxischen Spaltprodukten führen, bei Pigmentblau sind das etwa Benzonitril, Benzol sowie Blausäure. Deshalb – und weil die Laser-Behandlung „einen Eingriff in den Körper“ darstellt – sollte sie „zumindest unter fachärztlicher Aufsicht von medizinischem Personal mit der nötigen Sachkunde ausgeführt werden“, sagt Jürgen Tier-Kundke, Pressesprecher vom BfR. Trotzdem könne das BfR auch dann keine Garantien geben – zumal es noch keine Langzeitstudien gibt. Verbraucher sollten in jedem Fall über die möglichen Risiken der Tattoo-Entfernung umfassend aufgeklärt werden. Andere Arten der Tattoo-Entfernung, wie das Einspritzen von Milchsäure unter die Haut oder das Abschleifen, sind allerdings noch weniger empfehlenswert, da sie zu Infektionen und Narbenbildung führen können.

Alternativen Es gibt neben Endlich Ohne noch einige weitere Studios sowie Kliniken in Stuttgart, die Tattoo-Entfernung anbieten. Hier eine kleine Auswahl: Laser-Therapie Zentrum an der Hautklinik im Klinikum Stuttgart, Prießnitzweg 24; Hautzentrum am Kurpark, König-Karl-Straße 28; Sophienklinik, Sophienstraße 41; Klinik auf der Karlshöhe, Humboldtstraße 16; S-thetic Derma, Königstraße 4; KN-New Skin, Seidenstraße 51; Skin Lounge, Königstraße 60.

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