Körper als Kathedrale: Der französische Tattoo-Künstler Mikaël de Poissy lässt sich von mittelaterlicher Glasmalerei inspirieren (Ausschnitt). Weitere Motive finden Sie in unserer Bildergalerie. Foto: Verlag/Mikaël de Poissy

Auf die Haut gegerbte Passionsgeschichten: Tattoo-Studios hätte man nicht unbedingt für Orte religiöser Erfahrung gehalten. Welch ein Irrtum, wie ein Blick in Paul-Henri Campbells Fotoband „Tattoo und Religion“ zeigt.

Stuttgart - Man könnte in der um sich greifenden großen Passion für Tattoos nichts mehr als eine vorübergehende Ausprägung des Körper-Kults sehen, mit problematischen langfristigen Folgen. Nichts aber währt so lange, wie die Ewigkeit. Der Lyriker Paul-Henri Campbell entziffert die bunten Zeichen der in der Regel eher diesseitsorientierten Kunst in einem Kontext, der unter die Haut geht. In dem Band „Tattoo und Religion“ erzählt er von den mit subkutaner Tinte geschriebenen spirituellen Erfahrungen, die sich dem Leib eingeprägt haben: persönliche Begegnungen mit dem Übersinnlichen, Stigmata der Erinnerung an existenzielle Situationen.

Ritueller Leidensweg

Statt nackten Frauen sieht man Madonnen, statt Arschgeweih Engelsflügel, statt Sadomaso den Schmerzensmann. In Gesprächen mit Tätowierern, Volkskundlern, Gezeichneten verfolgt Paul-Henri Cambell die Via dolorosa dieser schmerzhaften Praxis zurück auf Traditionslinien, die sich beständiger erweisen als das hartnäckigste Tattoo. Klicken Sie sich hier durch unsere Fotostrecke.

Paul-Henri Campbell: Tattoo&Religion. Wunderhorn-Verlag. 192 Seiten, 29,80 Euro.

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