Wer klingelt da an der Wohnungstür? Für Senioren ist höchste Vorsicht geboten. Foto: dpa/Bodo Marks

Sie spielen verschiedene Rollen, um in die Wohnung ihrer Opfer zu kommen: Trickdiebe lassen sich einiges einfallen – und der jüngste Stuttgarter Fall ist eine ungewöhnliche Masche.

Stuttgart - Hat der Betrüger nur die Gunst der Stunde genutzt? Oder hat er tatsächlich eine neue Masche gefunden, um über den Lieferservice Essen auf Rädern in die Wohnung von betagten Opfern zu gelangen? Ein Trickdiebstahl, der sich in einer Seniorenwohnanlage in Weilimdorf abgespielt hat, mahnt jedenfalls ältere Mitbürger zur Vorsicht bei Fremden an der Haustür.

 

Wie auch schon bei Stromablesern, Wasserwerkern oder Telekom-Mitarbeitern gilt: Die Herrschaften müssen nicht immer echt sein. Ein besonders ungewöhnlicher Betrug hat sich am vergangenen Freitag gegen 12 Uhr in der Solitudestraße in Weilimdorf abgespielt. Eine 86-Jährige hat dort ihr bestelltes Mittagessen in einer Warmhaltebox an die Wohnungstür geliefert bekommen. „Wegen der Corona-Schutzmaßnahmen wird die Box derzeit aber nicht persönlich übergeben, sondern vor der Tür abgestellt“, sagt Polizeisprecher Sven Burkhardt. Wie lange die Box an der Tür stand, ist unklar – höchstwahrscheinlich aber hat sich das ein Täter, der sich unbefugt in der Wohnanlage aufhielt, zunutze gemacht.

Die Sache mit dem Bestellzettel

Der Trickdieb klingelt an der Tür der 86-Jährigen und gibt sich einfach als der Bote aus. Dann betritt der Täter rasch die Wohnung und startet ein Ablenkungsmanöver, um das Opfer zu beschäftigen und in Ruhe nach Wertsachen zu suchen. Er fragt die 86-Jährige, wo sie denn den Essens-Bestellzettel für die Woche aufbewahrt habe. Die Frau ist so überrumpelt, dass sie ausgiebig nach dem Papier sucht – erst später fällt ihr ein, dass die Bestellung ja gar nicht schriftlich, sondern telefonisch erfolgt. Dem Täter reicht das aus, um 200 Euro aus einer Geldkassette zu erbeuten. Mit der Ansage, später wiederzukommen, verschwindet er. „Eine Täterbeschreibung liegt leider nicht vor“, sagt Polizeisprecher Burkhardt.

Falscher Pfleger – eine von vielen Rollen

Nicht zum ersten Mal ist es nun vorgekommen, dass sich Betrüger an der Haustür als Angehörige von Sozial- oder Pflegediensten ausgeben. Ein Paar hatte im Juni 2020 in Wernau (Kreis Esslingen) eine 76-Jährige aufgesucht, konnte aber von einem Nachbarn vertrieben werden. Im März wurde eine 85-Jährige in Bietigheim-Bissingen (Kreis Ludwigsburg) um Geld, Schmuck und Ausweise gebracht. Ein Jahr davor wurde eine 86-Jährige in Bad Cannstatt von einem angeblichen Pfleger bestohlen. Der jüngste Vorfall zeigt, dass ältere Menschen keine Fremden in die Wohnung lassen sollten – dies gilt umso mehr in Coronazeiten.