Ellen Berlinger (Heike Makatsch) befragt einen Zeugen in einem Fall, der ihr persönlich sichtlich nahe geht. Foto: SWR

Hier kriecht dem Zuschauer das gesammelte Leid tief unter die Haut: Im „Tatort: Zeit der Frösche“ mit Heike Makatsch als Hauptkimmissarin Berlinger muss sich der Zuschauer auf sehr viele Emotionen einlassen. Das ist gut.

Mainz - Er hört den Zahlen zu, spielt super Schach, und wenn er übers Verlieben redet, haut der 13-jährige Mathe-Nerd nur eiskalte Fachbegriffe wie Oxytocin raus und zertrümmert dabei einem frisch geangelten Fisch den Schädel. Jonas (Luis Kurecki) ist eben ein ganz besonderer Junge. Davon ist seine Mama überzeugt. Hauptkommissarin Ellen Berlinger (Heike Makatsch) auch. Jonas ist nicht nur ihr Freund, sondern auch der Sohn ihrer Cousine, die ihr beim Neustart in Mainz zur Seite steht. Berlinger jedenfalls, die sich selbst als verkorkste Person beschreibt, kann ihrem kleinen Verwandten alles nachfühlen.

Dafür bleibt allerdings stets zu wenig Zeit. Denn hier in Mainz geht es gleich zackig zur Sache. Am Anfang von Makatschs zweitem „Tatort“-Fall, „Zeit der Frösche“, wird die Leiche eines jungen Mädchens gefunden – Merkmale: reich, kokett, in ihrer Schmuckschatulle versteckt sie Kondome –, und das erste Geständnis fällt prompt innerhalb der ersten zehn Minuten.

Berlinger ist ganz die moderne Mutter

Rückblenden machen allerdings schnell klar, dass es doch komplizierter wird. Ein Indiz dafür: Der Leichenfund und die Lösegeldforderung überschneiden sich. Nicht einfacher wird das Ganze dadurch, dass Berlinger – ganz die moderne Mutter – das mit ihrer zweijährigen Tochter nebenher nicht ganz so gut auf die Reihe kriegt und im Fall bald auch noch Befangenheit eine Rolle spielen wird. Hat Jonas etwas mit dem Fall zu tun?

Zum Glück hat die Kommissarin im Kita-Erzieher ihrer Tochter privat schnell eine hochbezahlte Fachkraft an ihrer Seite. Und im Beruf ist ihr Kollege Martin Rascher (Sebastian Blomberg) unschlagbar. Der sensible Mann huscht mit hochgezogenen Schultern Nosferatu-gleich durch die düsteren Bilder – und ist dabei immer ganz anrührend empathisch.

Der Regisseur Markus Imboden legt in „Zeit der Frösche“ Berufliches und Privates seiner Figuren quer übereinander – ohne dass es auch nur einen Moment lang angestrengt wirkt. Im Gegenteil. Auch auf den kleinen Inseln des Lichts, die einsam in den Sumpf-Dumpfton des Films getupft sind, ist keine Pose zu erkennen. Umso tiefer kriecht dem Zuschauer das gesammelte Leid der Löwen-, Raben-, Leichen- und Mördermütter unter die Haut.

Im Ersten, Ostermontag, 2. April, 20.15 Uhr

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