Die „Tatort“-Sommerpause ist vorbei. Und nicht nur Til Schweiger als Kommissar Nick Tschiller wird für Gesprächsstoff und Geschmacksdebatten sorgen. Foto: dpa

Manche halten das ja für den schlechtesten Zug des Sommers: In der Hauptferienzeit gibt es sonntags keine neuen Folgen von „Tatort“ und „Polizeiruf“. Aber nun geht’s wieder los – und wir geben einen kleinen Überblick über das Kommende.

Stuttgart - Es geht wieder los: Die neue Saison von „Tatort“ und „Polizeiruf“ beginnt. Wir geben einen kleinen Überblick über das Kommende. Taugt der Auftaktfall etwas? Wer tritt ab? Und was wird die Gemüter reizen? Den Auftakt macht am 27. August das Wiener Team in „Virus“ – danach geht es bei der Krimireihe zunächst holpernd weiter. Am 3. September findet nämlich das TV-Duell von Angela Merkel und Martin Schulz statt. Und am 24. September ist Wahlsonntag – das heißt: Erstausstrahlungspause.

b>Die Ungewöhnlichen – Im Stau und in Echtzeit

Wer aus Stuttgart flüchten will, sollte nicht klaustrophobisch veranlagt sein. Die Stadt ist dicht, wie dicke Stricke legen sich die Autoschlangen um den Kessel. 88 von 90 Minuten ermitteln Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) im neuen Stuttgart-Fall „Stau“ mittendrin im zähen und hochexplosiven Blech- und Gefühlsgemenge – schon am 10. September ist es so weit. Noch keinen Sendetermin gibt es dagegen für den einzigartigen Luzerner Fall „Alte Männer sterben nicht“, der sich um das Benefizkonzert eines jüdischen Orchesters dreht – und zwar in einem einzigen Kameraschwenk, ohne Schnitt. Das Drehbuch für die neunzig Minuten Echtzeit stammt von Regisseur Dani Levy und den Autoren Stefan Brunner und Lorenz Langenegger.

Die Spalter – Ballaballa und Bumbum

Ganz typisch „Tatort“ Weimar ist allein schon wieder der verdrehte Titel: „Der wüste Gobi“. Darin haben es Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) mit dem mutmaßlichen dreifachen Frauenmörder Gotthilf Bigamiluschvatokovtschvili, genannt Gobi, zu tun. Es soll Menschen geben, die mit dieser – zum Teil albernen – Art Humor rein überhaupt nichts anzufangen wissen. Wann der Fall laufen wird, steht noch nicht fest. Ein anderer Spalter der Geschmäcker heißt Til Schweiger – auch in der Rolle als Nick Tschiller. 2018 steht zunächst die Ausstrahlung des ziemlich gefloppten Kino-„Tatorts“ mit dem Titel „Off Duty“ an. Damit ist es aber noch lange nicht genug. Angeblich sind mindestens drei weitere „Tatort“-Folgen mit Schweiger ausgemachte Sache.

Der Anheizer - Was liefert Gesprächsstoff?

Dominik Grafs Aufarbeitung des Deutschen Herbstes in der Stuttgarter „Tatort“-Folge mit dem Titel „Der rote Schatten“ (15. Oktober) wird genauso diskutiert werden – aus völlig anderen Gründen freilich – wie der nächste Münchner „Tatort“-Fall, der bald kommt: „Hardcore“ soll eine Art Pornokrimi sein. Einen genauen Sendetermin gibt es noch nicht für den Lindholm- „Tatort“ mit Maria Furtwängler, der an den ungeklärten Mordfall Bögerl angelehnt sein wird. Im zweiten Halbjahr 2018 ist dann Ulrich Tukur als Murot in einem „Tatort“-Fall zu sehen, der eine Coverversion des Kinoklassikers „Und täglich grüßt das Murmeltier“ sein möchte. Und: Lautlos wird von Meuffels (Matthias Brandt) kaum abtreten, zwei „Polizeiruf“-Fälle adelt er 2018 noch.

Die Aussteiger – Langsam, aber sicher

21 Jahre lang ist Andreas Hoppe „Tatort“-Kriminalhauptkommissar Mario Kopper gewesen, jetzt ist Schluss: Kopper wird voraussichtlich Anfang 2018 mit einem nach ihm benannten Fall verabschiedet. Alle anderen angekündigten Abschiede ziehen sich noch über Jahre hin: Devid Striesow alias Stellbrink wird den SR-„Tatort“ verlassen – in dieser Saison ist der Fall „Mord Ex Machina“ für Neujahr 2018 angekündigt. Einen letzten Fall soll es dann 2019 geben. Im Februar wurde verraten, dass 2019 Schluss ist mit dem Bremen-„Tatort“ mit Sabine Postel und Oliver Mommsen. Der nächste Einsatz soll am 22. Oktober zu sehen sein – und später noch drei weitere Fälle. Noch zwei „Polizeiruf“-Folgen absolviert Matthias Brandt als von Meuffels (siehe „Die Anheizer“ links).

Die Lieblinge – Was kommt aus Münster

Hohe Kunst erobert die Stadt, der flamboyante Boerne (Jan Josef Liefers) ist deshalb schon ganz aufgeregt. Der phlegmatische Thiel (Axel Prahl) ist angesichts der Skulpturtage in Münster eher das Gegenteil davon. Aber es hilft nichts. Der träge Thiel wird sich kaum mit einem Bierchen aus der Art-Affäre ziehen können – erst recht nicht, als sich schon vor Eröffnung der internationalen Schau herausstellt, dass das neue Werk des Aktionskünstlers „G.O.D.“ (Aleksandar Jovanovic) eine Leiche ist: Bei der meisterhaft drapierten Clownsfigur vor dem Rathaus handelt es sich gar nicht um Kunst, sondern um einen toten Stadtrat. Die Folge mit dem Arbeitstitel „Gott ist auch nur ein Mensch“ soll noch in diesem Winter ausgestrahlt werden.

Die Neuen – Tief aus dem Schwarzwald

Nach gutem Werbematerial für den Schwarzwald klingt der allererste Fall für das neue SWR-Ermittlerteam nicht wirklich: Im verträumt „Goldbach“ genannten Film wurde ein elfjähriges Mädchen erschossen, der Nachbarjunge ist verschwunden. Franziska Tobler (Eva Löbau) und Friedemann Berg (Hans-Jochen Wagner) ermitteln. Das klingt schon düster genug – und dann kommt auch noch ein Rüstungskonzern aus der Region ins Spiel. Nach dem Ausstieg von Sibel Kekilli wird Klaus Borowski (Axel Milberg) zunächst einen Krimi lang allein ermitteln, im übernächsten Fall nimmt dann Almila Bagriacik ihren Dienst als die Neue an Borowskis Seite auf. Bagriacik wurde im Jahr 1990 geboren und ist eine Deutschland lebende türkische Schauspielerin.

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