Axel Prahl tut was gegen den den Klimawandel. Foto: Audible/Jens Oellermann

Der „Tatort“-Kommissar Axel Prahl ist Musiker, Naturbursche, Fleischesser, hadert schon jetzt mit der neuen Regierung – und spielt in einem neuen Hörspiel einen Moderator, der sich in eine Pflanze verliebt.

Stuttgart - Man kennt ihr als Kommissar aus dem Erfolgs-„Tatort“ aus Münster, aber Axel Prahl ist auch als Musiker rege und hat gerade bei einem neuen Science-Fiction-Hörspiel mitgewirkt, das sich passend zur am Wochenende beginnenden Weltklimakonferenz mit dem Thema Umwelt befasst. Das Motto des 61-jährigen Schauspielers: Abwechslung.

 

Herr Prahl, man hat den Eindruck, dass Sie einer der am besten beschäftigten Schauspieler sind. Kann das sein?

Mag sein, aber ich suche mir auch häufig selber Tätigkeiten. Ich habe beispielsweise meine Musik, komponiere, schreibe Texte und schaffe mir somit auch immer wieder selber Arbeit. Aber danke der Nachfrage, ja, ich bin gut beschäftigt.

Sie haben jetzt mitgewirkt bei dem Science-Fiction-Hörspiel „Wenn wir morgen sagen“. Wonach suchen Sie Ihre Rollen aus? Nach dem Honorar?

Ganz sicher nicht! Erstens bin ich ein großer Freund der Abwechslung, und zweitens sind bei dem Hörspiel tolle Stücke entstanden, mit sehr spannenden Charakteren. Und das auch noch zu einem Thema, das mir sehr am Herzen liegt: Welche Erde hinterlassen wir unseren Kindern?! In einer Geschichte verliebt sich ein Rundfunkmoderator in eine Pflanze, die irgendwann anfängt, mit ihm zu sprechen. Ich habe mich eher gebauchpinselt gefühlt, dass Audible mich hierfür haben wollte.

Es geht also um die Zukunft unseres Planeten. Verzichten Sie selbst denn bewusst auf bestimmte Dinge, um die Umwelt zu entlasten?

Ich verzichte beispielsweise, so gut es geht, auf Inlandsflüge. Ich versuche schon weit im Vorfeld meine Termine so zu planen, dass ich mit der Bahn fahren kann.

Schauspieler haben berufsbedingt keinen so guten ökologischen Fußabdruck. Macht Ihnen das Sorgen?

Natürlich wird dieses Thema längst auch schon bei den Filmproduktionen berücksichtigt. Ich habe für mich selbst schon mal überlegt, mir ein Elektroauto anzuschaffen. Aber Elektrofahrzeuge haben auch keinen so tollen ökologischen Fußabdruck. Da frage ich mich natürlich, ob es nicht doch sinnvoller ist, das alte Auto weiter zu fahren, bis der Tüv uns scheidet, anstatt jetzt weitere Ressourcen der Erde zu verbrauchen.

Würden Sie der Umwelt zuliebe auf ein gutes Steak verzichten?

Das ist schwierig für mich. Vielleicht auf jedes zweite?

Weil Sie den sinnlichen Genüssen zugetan sind?

Durchaus. Aber Tempolimit 130 hätte ich gut gefunden. Widersinnig, dass die neue Regierung das nicht hinkriegt. Übrigens ist es bei mir inzwischen schon weniger Fleisch geworden.

Was macht es mit dem Ich, wenn man ständig in andere Identitäten schlüpft?

Es ist ja gottlob zeitlich begrenzt. Aber ich habe beispielsweise in dem Film „An Enemy to die for“ 400 Kilometer vom Nordpol entfernt gedreht und durfte meinen Fuß auf eine arktische Fläche setzen, auf die vermutlich noch nie jemand seinen Fuß gesetzt hat. Das sind Erlebnisse, die etwas mit einem machen und wovon man stark berührt wird.

Ihr Hauptkommissar Thiel aus dem „Tatort“ feiert im nächsten Jahr sein Zwanzig-Jahr-Jubiläum. Wie lebt es sich eigentlich mit einer so prominenten Rolle?

Es hat seine Vor- und Nachteile. Aber die meisten Leute sind wirklich sehr, sehr nett. Es ist doch geradezu ein Geschenk, dass man durch sein pures Dasein Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann.

Sind Sie von Berlin weg und raus aufs Land gezogen, um nicht ständig erkannt zu werden?

Nein, ich schätze einfach das Dasein in der Natur sehr. Ich bin ja selbst in einer Kleinstadt direkt am Meer aufgewachsen.

Und buddeln auch gern mal in der Erde?

Genau, buddeln, Laub harken, Bäume beschneiden.

Sie haben mal behauptet, dass Sie nur zum Schauspiel gekommen seien, um Ihre Musik finanzieren zu können. Stimmt das?

Ich komme aus der Musik und wollte eigentlich Musiker werden. Ich habe übrigens gerade eine Vinylsingle auf den Markt gebracht: „Timpete“, nach dem Märchen „Der Fischer und seine Frau“. Den kleinen Spaß wollte ich mir mal gönnen und habe davon eine limitierte Auflage von tausend Stück herstellen lassen. Ist auch ein sehr schickes Cover geworden.

Und was steht als Nächstes an?

Ich möchte mich erst mal der Muße widmen und werde mit meiner Frau ein paar Tage im Elsass verbringen. Das habe ich erst spät entdeckt, aber es ist eine traumhafte Region.

Wo wir wieder beim Thema Essen und bei Schnecken mit Knoblauch wären . . .

Tja, Liebe geht durch den Magen!

Der vielseitige Axel Prahl

Person
 Axel Prahl wusste lang nicht, wohin die Reise gehen könnte. Nach der Realschule brach er seine Ausbildung ab, war Straßenmusiker in Spanien, machte das Fachabitur nach, studierte Musik und Mathematik, dann aber doch Schauspiel. Heute lebt er mit seiner dritten Frau in Brandenburg.

Hörspiel
 „Wenn wir morgen sagen“ ist ein Science-Fiction-Hörspiel, bei dem jede der fünf Episoden von einem Autor geschrieben wurde. Axel Prahl spricht zwei dieser Zukunftsutopien. Die Hörspielreihe, die Utopie und Dystopie, Horror und Comedy vermengt, erscheint am 1. November bei www.audible.de.