Sie sehen nicht so aus, als wollten sie seinetwegen in die Kirche eintreten: Sahin (Almila Bagriacik) und Borowski (Axel Milberg) mit Pastor Flemming (Martin Lindow, re.). Foto: NDR/Sandra Hoever

Borowski und Sahin aus Kiel hatten es mit einer Familiengeschichte zu tun. War die von Niki Stein inszenierte Folge „Borowski und das Haus am Meer“ einen Sonntagabend wert? Unser Schnell-Check.

Stuttgart - Was taugt „Borowski und das Haus am Meer“? Der neue „Tatort“ aus Kiel in unserem Schnellcheck.

Die Handlung in zwei Sätzen Ein älterer Mann, schon etwas dement, wird ermordet im Küstenwäldchen aufgefunden, was sein Sohn Johann (Martin Lindow), der Ortspfarrer, seltsam gefasst aufnimmt. Die Ermittlung von Borowski (Axel Milberg) und Sahin (Almila Bagriacik) führt zurück zur Reformpädagogik der 60er Jahre und dann bis ins Dritte Reich.

Zahl der Leichen 1

Stammbaum Der Urgroßvater ein Nazi, der Sohn im Gegenzug ein experimentierfreudiger Regelstürzer, dessen Sohn wiederum ein kühl zugeknöpfter Pfarrer, und der achtjährige jüngste Spross dieser Familie Erbe und Opfer von Konflikten, die er noch nicht versteht.

Selbstüberschätzung Borowski und das Drehbuch sind der Meinung, dass sich noch die komplexeste Gemengelage im Rahmen einer Mordermittlung aufdröseln lässt. Noch wenn Borowski scheinbar ratlos fragt, schwingt schon eine Beurteilung vom hohen Ross des gesunden Menschenverstands herab mit. Der Mann kann einem auf die Nerven gehen.

Nebenrolle Gern, gleich, wird gemacht: Sahin wird immer mehr zur Assistentin statt zum Widerpart Borowskis. Bald wird sie ihm Kaffee kochen.

Übergepäck Die Familienkrisen beim düsteren Dramatiker Henrik Ibsen, die Zerknirschungsorgien aus den Filmen Ingmar Bergmans, die vielschichtigen Bildwelten der Kindermärchen – all das wollte der Autor und Regisseur Niki Stein hier zusammenführen.

Kostendämpfung Als Borowski erfährt, wo sich zwei höchst Mordverdächtige zusammen mit einem entführten Kind aufhalten, fährt er da erst mal alleine hin. Dass man Gottvertrauen und Stellenabbau bei der Polizei nicht ganz so weit treiben sollte, lernt er dann doch noch, als ihn jemand erwürgen will.

Unser Fazit Das alles lag so daneben wie das nette Hundchen, das lächelnd vor der Kamera umhertrabte und mit Knurrern von der Tonspur zur Gefahr hochgejazzt werden sollte.

Spannung Note 4

Logik Note 5

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