Liz Ritschard (Delia Mayer, M.) und Reto Flückiger (Stefan Gubser, r.) mit der neuen kriminaltechnischen Leiterin Corinna Haas (Fabienne Hadorn, li.) Foto: ARD

Start in eine kriminell spannende Saison – der „Tatort“ kehrt aus der Sommerpause zurück und setzt auf Schweiger, Tukur und starke Themen. Den Auftakt machten die Ermittler in Luzern.

Stuttgart - Das Warten hat ein Ende: Nach einer gefühlten Ewigkeit von acht Sonntagen ohne Erstausstrahlung kehrt der „Tatort“ an diesem Sonntag aus der Sommerpause zurück. Zum Start in eine kriminell spannende Saison gibt es eine blutige Folge aus der Schweiz mit dem Luzerner Team um Reto Flückiger (Stefan Gubser).

Ein Mann, der den Glauben an den Rechtsstaat verloren hat, verdingt sich als Heckenschütze. Mitten in Luzern erschießt er erst zwei albanische Autohändler und kurz darauf einen Unternehmensberater. Zwar erzählt Florian Froschmayer diese Selbstjustiz-Story unaufgeregt, wortkarg und psychologisierend. Doch die Kamera von Patrick-David Kaethners entwickelt dabei ein makaberes Eigenleben, scheint sich weniger für die Lebenden als für die drastische Inszenierung toter, entstellter Körper zu interessieren.

Nach dem Schweizer Auftakt läuft sich die TV-Krimisaison mit neuen „Tatort“-Folgen aus Frankfurt (13. 9.), München (20. 9.) sowie einem zweiteiligen „Polizeiruf 110“ (27. 9. und 4.10.) zum Jubiläum der Wiedervereinigung allmählich warm. Ihre stärksten Trümpfe – darunter die Krimis mit Til Schweiger, Ulrich Tukur oder Jan Josef Liefers und Axel Prahl – ­behalten die ­Programmplaner allerdings für die kalte Jahreszeit im Ärmel.

Schweiger mit Doppelfolge

Superstar Til Schweiger ist als Nick Tschiller am 22. und 29. November im Einsatz, pünktlich zum Geburtstag der Krimireihe: Der „Tatort“ startete vor 45 Jahren, am 29. November 1970. Der neue Hamburger „Tatort“ ist eine Doppelfolge, die an zwei Sonntagen gezeigt wird, Schlagerstar Helene Fischer spielt darin eine Gastrolle. Schweigers „Tatort“-Kinofilm, der gerade gedreht wird, baut inhaltlich auf diesem Zweiteiler auf. Kinostart von „Tschiller A.D.“ ist am 25. Februar 2016.

Gespannt sein darf man auch auf Ulrich Tukurs nächsten Fall als Wiesbadener Ermittler Felix Murot. Nach dem Kunstwerk „Im Schmerz geboren“ wird auch „Wer bin ich?“ (läuft wohl Ende des Jahres) ein ganz besonderer Krimi: Tukur spielt sich ­selbst und gerät als Schauspieler unter Mordverdacht, am „Tatort“-Set wird ermittelt. Beim Ludwigshafener Filmfest wurde der selbstreflexive Krimi bereits dafür ausgezeichnet, dass er mit viel Witz und Grips die Frage nach der Bedeutung der Krimireihe stellt.

Eine Krimireihe, die in der vorigen Saison zwei Rekorde knackte – es gab die meisten Leichen (bei Tukur) und die höchste Quote seit vielen Jahren: Rund 13,2 Millionen schalteten den Münster-Fall „Mord ist die beste Medizin“ ein. In der nächsten Folge „Schwanensee“, wohl im November zu sehen, ermittelt Liefers alias Professor Boerne mal wieder undercover, diesmal in einem Heim für psychisch Kranke.

Immer wieder Stoff für Debatten

Der Hype um den Krimiklassiker nimmt einfach kein Ende. 2015 bringt es der „Tatort“ insgesamt zwar auf etwa 40 Erstausstrahlungen, doch diese Fülle bewirkt nicht etwa eine Ermüdung des Publikums, eher im Gegenteil. Mit einer geschickten Themenauswahl liefern die „Tatort“-Macher immer wieder neuen Debattenstoff. Zuletzt ging es ja unter anderem um das Bauprojekt Stuttgart 21 oder das Flughafendebakel in Berlin. In der neuen Saison dreht sich Deutschlands Krimiklassiker unter anderem um Drogen (beim Team aus Dortmund), Kindesmissbrauch (Stuttgart), Obdachlose (Konstanz) oder eine Schleuserbande (beim LKA-Team aus Norddeutschland mit Wotan Wilke Möhring). Maria Furtwängler wird als Kommissarin Charlotte Lindholm in der Folge „Heimatfront“ gegen Ende des Jahres auf einem Luftwaffenstützpunkt ermitteln.

Das Personalkarussell dreht sich nicht so rasant weiter wie zuletzt. Wotan Wilke Möhring wird aber eine neue Kollegin bekommen – Petra Schmidt-Schaller ermittelt im Herbst zum letzten Mal, später löst die Wienerin Franziska Weisz ihren ersten Fall im hohen Norden. Für den neuen Sachsen-„Tatort“ aus Dresden mit Karin Hanczewski, Alwara Höfels und Jella Haase als rein weiblichem Ermittlertrio gibt es noch keinen festen Sendetermin. Irgendwann 2016 darf dann Kinostar Heike Makatsch als Freiburger „Tatort“-Ermittlerin ran, der Film ist als einmaliges Event angekündigt. Aber das war beim Weimar-„Tatort“ mit Christian Ulmen und Nora Tschirner ja ähnlich, und die beiden Filmstars dürfen wegen des großen Erfolgs nun regelmäßig ran.

In dieser Saison wird es mit dem schrägen Duo ein Wiedersehen geben, ebenso wie mit den neuen Teams aus Franken (Dagmar Manzel, Fabian Hinrichs) und Berlin (Meret Becker, Mark Waschke). Auch bei den restlichen Teams stehen die Zeichen auf Weitermachen. Die Fans des Konstanzer „Tatorts“ müssen allerdings Abschied nehmen: Eva Mattes und Sebastian Bezzel dürfen nur noch zweimal ran. Derzeit streiten sich diverse Städte in Baden-Württemberg um die Ehre, die Nachfolge anzutreten.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: