Meret Becker und Mark Waschke in „Dein Name sei Harbinger“ Foto: BB

Wir haben gesehen: „Dein Name sei Harbinger“. Der neue Berliner „Tatort“ zeigt sich nicht auf der Höhe der Zeit, so klischeehaft, wie darin Reproduktionsmedizin und alternative Familienmodelle durchgenudelt werden.

Berlin - Der neue „Tatort“ aus Berlin schneidet zwei Wahn-Welten gegeneinander. In „Dein Name sei Harbinger“ wird weiter am Gender-Narrativ gestrickt, und Mark Waschkes Ermittler Karow beweist sich abermals als wahre Zynismus-Schleuder. Hier unsere Kritik:

Die Handlung in zwei Sätzen: Zwei lesbische Pionierinnen der Reproduktionsmedizin missbrauchen die Möglichkeiten ihres Fachs. Ihr Sohn, „Westberlins Retortenbaby Nummer eins“, wird zum Serienkiller, dabei dient ihm ein Psycho aus der Berliner Unterwelt als Handlanger.

Zahl der Leichen: Eine frische, aber ziemlich verkohlte, drei alte aus dem Archiv. Und noch mal zwei am Schluss.

Zweifelhafte Botschaft: Die In-Vitro-Medizin erscheint in keinem guten Licht, so selbstherrlich wie sich die beiden Mütter des Mörders zu Befruchtungsgöttinnen aufschwingen, bar jeden Unrechtsbewusstseins. Warum wird dieser Medizinzweig so billig verunglimpft? Genauso fahrlässig und undifferenziert werden alternative Familienmodelle abgewatscht. Nicht auf der Höhe der Zeit.

Das Motiv: Der Retorten-Lesben-Sohn will nicht Unmengen an im Labor gezeugten Halb-Schwestern und –Brüdern neben sich haben, sondern das einzige Mama-Söhnchen sein. Wie kindisch ist das denn?

Den Irren ... spielt Christoph Bach irre gut. So unscheinbar, so durchschnittlich, so undurchschaubar, dass er fast sympathisch ist. Sogar das hübsche Blumen-Mädchen fällt auf seine Allerweltstarnung rein.

Der Zyniker: Karow (Mark Waschke) ist mal wieder herzallerliebst und setzt Zynikersprüche im Dutzend ab. Hier wäre weniger mehr. Mit den Worten von Rubin (Meret Becker): „Nicht immer so ein Arsch sein.“

Unser Fazit: Unterirdisch.

Spannung: Note 4

Logik: Note 5

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