Der Angeklagte muss sich vor dem Landgericht Stuttgart verantworten. Foto: dpa

Ein junger Mann soll seine Ex-Freundin mit intimen Handyaufnahmen erpresst haben. Er habe die Sexvideos aber zum eigenen Schutz verwendet, sagte der Angeklagte vor dem Stuttgarter Landgericht.

Stuttgart/Fellbach - Sie hätten Sexvideos mit dem Handy gedreht, um ihr Liebesleben wieder in Schwung zu bringen, sagte der Angeklagte. Dass er die Aufnahmen später als Druckmittel gegen seine ehemalige Freundin eingesetzt hätte, um Sex zu erpressen, sei aber nie der Fall gewesen. Doch genau das wird ihm in der Anklage vorgeworfen (wir haben berichtet).

Beim Prozess, der vor der 16. Strafkammer des Stuttgarter Landgerichts am Montag fortgesetzt wurde, erzählte Kerim Z. (alle Namen geändert), wie er im Mai 2013 seine Ex-Freundin kennen gelernt hatte. „Es war in einem Club in Karlsruhe, wo ich als Discjockey aufgelegt habe“, sagte der Angeklagte. Schnell seien er und Amelie B. ein Paar geworden. Weil er aber in Deutschland beruflich nicht richtig Fuß fassen konnte, habe er sich wenige Monate später dazu entschieden, es als DJ in seinem Heimatland Tunesien zu versuchen.

Kokain statt Geld bekommen

Der Versuch scheiterte. Der Angeklagte, so erzählt er, bekam zur gleichen Zeit von einem Discothekenbetreiber das Angebot, in einem Club in Karlsruhe aufzulegen. Doch der Job verlief anderes als erwartet. „Statt Geld habe ich Kokain bekommen“, sagte Kerim Z. Irgendwann sei er zur Polizei gegangen und habe den Betreiber angezeigt. „Dann musste ich schnell weg aus Karlsruhe, weil er zu einem gefährlichen Familienclan gehört.“

Er sei nach Frankreich zu seinem Onkel geflüchtet, erzählte der Angeklagte. Im September 2014 sei er dann zu Amelie B. nach Fellbach gezogen. Von diesem Zeitpunkt an habe es immer wieder Streit zwischen den Beiden gegeben. „Sie wollte plötzlich nicht mehr, dass ich bei ihr übernachte, weil ihre Vermieterin Stress machte“, sagte Kerim Z. Er sei deswegen sogar einige Wochen lang obdachlos gewesen.

Mit dem Handy den Sex gefilmt

Auch das Liebesleben sei nicht mehr so prickelnd wie zuvor gewesen, erzählte der Angeklagte. Da seien er und Amelie B. auf die Idee gekommen, sich beim Sex zu filmen. „Wir haben mein Handy immer abwechselnd in der Hand gehabt“, sagte der 35-Jährige. Insgesamt acht Videos seien so entstanden.

Die Beziehung habe sich immer weiter verschlechtert, sagte der Angeklagte. „Im Streit drohte sie mir mehrmals, dass sie dem Familienclan meinen Aufenthaltsort verrät.“ Das habe er verhindern wollen, in- dem er ihr gedroht habe, die intimen Aufnahmen ihrer Familie zu schicken.

Den Vorwurf, er habe im Juni vergangenen Jahres seine Ex-Freundin mit Gewalt zum Oralverkehr und Geschlechtsverkehr gezwungen, stritt der Angeklagte ab. „Das habe ich nie gemacht, wir hatten immer Sex auf Augenhöhe.“ Jetzt soll Amelie B. im Zeugenstand aussagen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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