Der Ludwigsburger Bahnhof ist ein Kriminalitätsschwerpunkt – vor allem nach Einbruch der Dunkelheit. Foto:  

Der Bahnhof ist seit Jahren ein Kriminalitätsschwerpunkt. Seit einigen Wochen verschärft sich die Situation, Taxifahrer und Ladenbesitzer berichten von zunehmender Aggressivität.

Ludwigsburg - Die Diebe, findet Harald Bleile, werden immer dreister. Dreimal schon haben sie sich von hinten an die geparkten Taxis am Ludwigsburger Bahnhof herangeschlichen – und hinter dem Rücken­ der sich unterhaltenden Fahrer deren­ Geldbeutel aus dem Auto geklaut.

Harald Bleile ist Taxiunternehmer. Viele seiner Taxis stehen regelmäßig am Bahnhof. Ab und zu fährt er nachts selbst. Neben den Diebstählen beobachten Bleile und seine Fahrer auch öfter Gewalt. „Jedes Wochenende­ gibt es alles – von kleinen Rangeleien bis hin zu heftigen Prügeleien“, sagt Bleile. Er habe den Eindruck, es seien dabei „immer öfter Gegenstände im Einsatz“. Ab und zu gehe auch etwas an seinen Taxis zu Bruch.

„Die Stimmung ist aggressiver geworden“

Der Bereich um den Bahnhof ist schon lange ein Ort, an dem viel los und an dem auch Kriminalität ein Problem ist. Seit einem Jahr landen wieder vermehrt Meldungen in den Medien­: Schlägereien, Raub, Bedrohungen mit und ohne Messer. Einmal versprüht ein Unbekannter sogar Pfefferspray vor dem Eingang. Das alles könnte den Eindruck erwecken, der Bahnhof sei ein ganz besonders unsicherer Ort. Aber trifft das auch wirklich zu?

Hört man sich bei Ladenbesitzern und Filialleitern um, ergibt sich kein einheitliches Bild des Bahnhofareals. Mancher will nichts zur Situation sagen, andere machen ähnlichen Beobachtungen wie Harald Bleile. Susanna Speker, die Filialleiterin der Bahnhof-Apotheke, erzählt von älteren Kunden, die sich auf dem Weg zur Apotheke immer unwohler fühlen – auch wenn noch nie etwas passiert ist. Speker arbeitet seit 25 Jahren hier und glaubt, dass sich der Bahnhof zum Schlechten entwickelt hat. „Die Stimmung ist aggressiver geworden“, sagt sie. Im Nachtdienst beobachtet sie oft Minderjährige, die bis morgens früh am Bahnhof unterwegs sind.

Jede Menge Gelegenheiten für Straftaten

Termin beim Leiter des Ludwigsburger Polizeireviers, Harald Prasky. Sein Gegenpart Heinz Mayer von der Stadt ist ebenfalls da, er ist dort Chef des Kommunalen Ordnungsdienstes. Polizei wie Ordnungsdienst sind regelmäßig am Bahnhof auf Streife. Ist es dort besonders gefährlich?

„Ein gewisses Grundrauschen gibt es immer“, erklärt Prasky. Das könne man auch nicht abstellen. Außerdem habe Ludwigsburg einen großen Bahnhof mit Regionalzügen, Einkaufsmöglichkeiten und vielen Imbissen. Für Prasky und Mayer bedeutet das: jede Menge Gelegenheiten für Straftaten, jede Menge Arbeit für sie.

Passanten werden eher selten zum Opfer

Meistens, das zeigt ein Blick auf die Zahlen, geht es aber gar nicht so sehr um Gewalt­, sondern um Drogen, Diebstahl und Pöbeleien zwischen Betrunkenen. Passanten werden eher selten zum Opfer. Laut Heinz Mayer von der Stadt ist der Ordnungsdienst vor allem mit Bettlern und alkoholisierten­ Minderjährigen beschäftigt. Dass es am Bahnhof für Passanten also deutlich gefährlicher sein soll als anderswo, verneint Prasky.

Natürlich, sagt er, gebe es hier gemessen an der Fläche mehr Straftaten: „Das ist aber nicht verwunderlich und auch nicht besorgniserregend.“ Trotzdem berichtet Prasky, dass die Polizei seit Anfang März mit mehr Beamten vor Ort ist als zuvor. Damit einher gehen vermehrt Kontrollen der Menschen, die sich dort regelmäßig aufhalten . „Einer gewissen Klientel“, wie Prasky es ausdrückt. Gleichzeitig legt der Leiter des Polizeireviers Wert darauf, dass die Präsenz vorbeugend gedacht ist – weil die Polizei zunehmend Hinweise aus der Bevölkerung­ auf einzelne Straftaten bekommt. „Das wollen wir uns genauer anschauen“, sagt Prasky. Komplett vertreiben wollen die Beamten die Dauerbesucher des Bahnhofs jedenfalls nicht. Denn dort haben sie sie zumindest im Auge.

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