Das Verhör bei der Stuttgarter Polizei läuft in Wirklichkeit anders als im „Tatort“ ab. Foto: SWR

Tatort-Kommissar Thorsten Lannert spricht in „Der Mann, der lügt“ vom sogenannten „Stuttgarter Verhörraum“. Er sei besonders sicher. Die Polizei erklärt, was es damit auf sich hat.

Stuttgart - Der Stuttgarter „Tatort“ „Der Mann, der lügt“ wirft im Netz viele Fragen auf. Denn nicht nur die Erzählperspektive aus Sicht des Tatverdächtigen ist neu, sondern auch der sogenannte „Stuttgarter Verhörraum“, in dem es für den Mordverdächtigen Jakob Gregorowicz eng wird.

Als den Kommissaren Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) eine erdrückende Beweislast gegen den Großverdiener Jakob Gregorowicz vorliegt, wird der mutmaßliche Mörder eines Anlageberaters mit aufs Stuttgarter Präsidium genommen. Lannert führt ihn in einen hellen, vertäfelten Raum mit Holzdielen. Doch der Kommissar klärt auf: „Das ist ein sogenannter Stuttgarter Verhörraum“, heißt es. „Tisch und Stuhl sind fixiert, weil hier mal jemand richtig Randale gemacht hat. Seitdem ist das Vorschrift.“ Dann weist Lannert auf die zig Kameras im Raum hin und erklärt, dass die Vernehmung aufgezeichnet wird: „Die Aufnahmen werden direkt von Kollegen der Kriminalpolizei oder der Staatsanwaltschaft ausgewertet. Ist das in Ordnung?“ Kleinlaut stimmt Gregorowicz zu.

„Stuttgarter Verhörraum“ ist frei erfunden

„Einen solchen Raum gibt es nicht“, sagt die Stuttgarter Polizei auf Anfrage unserer Zeitung. Der „Stuttgarter Verhörraum“ sei frei vom SWR erfunden worden. „Wird ein mutmaßlicher Straftäter verhört, dann findet die Befragung in einem der Büros auf dem Präsidium statt“, sagt ein Sprecher der Polizei. Dabei sind weder Stühle noch Tische fixiert. Eine Videoaufzeichnung werde nur in einzelnen Fällen gemacht. „Natürlich achten unsere Beamten darauf, dass keine Gegenstände in der Nähe der mutmaßlichen Täter liegen, die als Waffe genutzt werden könnten“, erklärt er. Auch Unterlagen oder Beweismaterial würden außerhalb der Reichweite des Verdächtigen gestapelt.

Weitere Vorschriften gebe es nicht. „In einzelnen Fällen zeichnen wir ein Verhör mit Kameras auf. Das muss allerdings vorher mit der Staatsanwaltschaft und selbstverständlich mit dem Befragten vereinbart werden“, sagt der Sprecher weiter.

Das Verhör im SWR dauert bis spät in die Nacht und gleicht einem Kreuzverhör. Immerhin bekommt Gregorowicz zwischendurch eine Tasse Kaffee. Ob es die im echten Verhör auf dem Stuttgarter Präsidium auch gibt, lässt sich nur vermuten.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: