Vor dem Zugriff auf der Neckarbrücke am May-Eyth-See: Spezialkräfte der Polizei und Kommissar Thorsten Lannert (Richy Müller) Foto: SWR-Pressestelle/Fotoredaktion

Worauf ein Millionenpublikum noch fast ein halbes Jahr warten muss, konnten 4500 Fans am Freitagabend bereits unter freiem Himmel genießen. Zum Auftakt des diesjährigen SWR-Sommerfests zeigte der Sender auf Schlossplatz bereits die „Tatort“-Folge „Der Preis des Lebens.“

Stuttgart - Offenkundig hat der Südwestrundfunk ein Abonnement auf gutes Wetter, zumindest wenn er sich alljährlich im Frühsommer auf dem Schlossplatz präsentiert. Bereits am Nachmittag pilgern die Besucher zum Areal unter der Jubiläumssäule, lassen sich von SWR-4-Moderator Michael Branik bekochen oder schlüpfen rechtzeitig vor dem großen Showdown ihres VfB Stuttgart in die Rolle eines Sportmoderators.

Am Abend dann der erste Höhepunkt. auch diesmal ist ein „Tatort“ vor der offiziellen Ausstrahlung zu sehen: „Preis des Lebens“, so der Titel, läuft voraussichtlich erst im Oktober 2015 in der ARD. Einmal mehr ist der Stuttgarter Krimi hochverdichtet. Der Fall: Jörg Albrecht sitzt 15 Jahre in Haft, weil er ein 13-jähriges Mädchen missbraucht und getötet hat. Kurz nach seiner Entlassung wird seine Leiche gefunden.

Als die beiden Kommissare Thorsten Lannert (Richy Müller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) nachforschen, finden sie nicht nur einen Mittäter, sondern bringen sich selbst an den Rande des Abgrunds: Das Duo muss sich damit auseinandersetzen, dass die Eltern eines getöteten Mädchens aus Schmerz und Rache womöglich selbst zu Mördern wurden. Brisant werden die Ermittlungen für Bootz, als seine Familie in Gefahr gerät.

Im März 2008 wurde der erste „Tatort“ mit diesem Duo ausgestrahlt; mittlerweile ist der 18. abgedreht. Kurz vor der Darbietung am Freitagabend erläutert Richy Müller im Interview: „Diese Arbeit war durchaus längerfristig angelegt". Es brauche eben seine Zeit, die Figuren zu entwickeln. Doch die Drehbücher seien hervorragend.

Anders als bei dem vor einem Jahr auf dem Schlossplatz zu sehenden „Tatort“, der mal im Gefängnis und mal im Bordell spielte, sind es diesmal „ganz normale Schauplätze“, das meiste spielt sich in Wohnungen und auf Stuttgarts Straßen ab. Ein Höhepunkt ist ein Einsatz auf der Neckarbrücke am Max-Eyth-See – wie überhaupt nach Müllers Einschätzung diesmal deutlich mehr Örtlichkeiten in der Landeshauptstadt zu sehen sind als in manch anderen Folgen.

Dass fast 5000 Zuschauer gebannt auf einer Leinwand einen „Tatort“ verfolgen, ist für die Akteure eine immer noch spannende Erfahrung. „Sonst ist das sehr abstrakt, man kriegt anschließend vom Sender halt eine SMS mit der Nachricht: neun Millionen Zuschauer“, erläutert Klare. „Aber hier bekommt man direkt die Reaktionen der Zuschauer mit, das ist ähnlich wie im Theater.“

Klare ist 36. Müller geht locker als Mittvierziger durch. Dabei wird er – am 26. September – 60 Jahre alt. „Eine heftige Zahl“, sagt er dazu nur. Der gebürtige Mannheimer, der lange Jahre in Berlin lebte, hat am Chiemsee seine Heimat gefunden, wo er auch seine Lebensgefährtin kennenlernte. Deren Familie hat eine Bäckerei samt Café – und Müller selbst geht gelegentlich am Wochenende zur Hand und kümmert sich etwa ums Geschirr. Und natürlich ist er auch dort mit seinem Porsche unterwegs – ein Markenzeichen im Privaten wie im „Tatort“. „Den Porsche habe ich inzwischen im ,Tatort’ als Dienstfahrzeug, das ist meine Marke, der hat einen Status wie Schimanskis Jacke.“

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