Markus Schüch Foto: Ait Atmane

Mit Rum, Bier und Experimentierfreude hat Markus Schüch die „Rumprobiererei“ in Reichenbach geschaffen: ein Ort, um den Gaumen wach zu kitzeln.

Egal, welches Tasting: Die Aha-Effekte stellen sich immer ein. Markus Schüch mag diese Momente, wenn seine Gäste unerwartete Geschmacksnuancen entdecken. Ein Bier ist halt nicht nur ein Bier, sondern eine Komposition: „Was macht der Hopfen, die Gerste, die Hefe …?“, sagt Schüch. Und dann gibt’s ja noch Spezialbiere wie Sauerbiere oder die im Whisky-Fass nachgereiften, von denen er einige in seinem „Schatzkeller“ gelagert hat, ebenso die mit Fruchtessenzen und Kräutern angereicherten Craft-Biere.

 

Dass diese nicht unters deutsche Reinheitsgebot fallen, ist für den Biersommelier kein Drama. „Ich persönlich finde das Natürlichkeitsgebot wichtiger“, sagt Schüch: ausschließlich natürliche Zutaten, keine künstlichen Aromen, kein Zucker, wie er beispielsweise im belgischen Bier verbreitet ist. Außerdem sind große Konzerne bei ihm tabu: „Ich mach nur Kleinbrauereien – Sachen, die man im Supermarkt nicht bekommt“.

Rum in Reichenbach

Den Rum, das zweite Herzensobjekt in Schüchs Reich, kennen viele Gäste nur als Schuss im Tee oder als Backzutat. Sehr zu Unrecht, wie man beim Probieren schnell feststellt: Der eine bezirzt sanft schmeichelnd, mit leichter Süße, den Gaumen. Der zweite wartet mit einem leicht herben Kräuterbouquet auf, das nachhallt.

Warum gibt es eigentlich weißen und braunen Rum? Und wer hätte gedacht, dass auch in der Europäischen Union Rum nicht nur hergestellt, sondern das dafür benötigte Zuckerrohr angebaut wird, teils schon seit dem 16. Jahrhundert? Auf sonnenverwöhnten Inseln wie den Kanaren, vor allem aber Madeira, ist das der Fall. Makus Schüch kennt alle europäischen Rum-Destillen. Und er erzählt gerne: von den Orten, die er besucht hat, den Rohstoffen und Herstellungsprozessen und andere Geschichten.

Auch ein gutes Bier kann verzücken, wie an Markus Schüchs Gesichtsausdruck zu sehen ist. Foto: aia

Seine beiden Lieblingsgetränke sind jeweils für sich schon ein Erlebnis, aber in der Kombination „kann man noch ein bisschen mehr rauskitzeln“, sagt der Fachmann. Ein herbes Bier mit einem süßlichen Rum sei eine tolle Kombination – für süße Bier mit „kräuterigem“ Rum gelte das natürlich ebenfalls. Die „Rumprobiererei“ hat die Kombination von beidem ebenso im Programm wie reine Bier- und reine Rum-Tastings in verschiedenen Varianten. Kürzlich wagte Schüch zum ersten Mal einen Abend ausschließlich mit alkoholfreiem Bier. Auch bei dem stellten sich die Aha-Effekte ein. „Da war ich selbst überrascht“, verrät der Biersommelier, der sich an diesem Abend ausnahmsweise auch selbst einschenkte.

„Rumprobiererei“ in Reichenbach ist nicht der Hauptjob

Im Hauptberuf ist der Reichenbacher im Plochinger Kulturamt beschäftigt, was ihn wirtschaftlich absichert. Das ermöglicht ihm, die Selbständigkeit frei zu gestalten. Die Gastronomie und den Umgang mit Menschen hat er schon bei verschiedenen Studentenjobs schätzen gelernt, die Wissensvermittlung macht ihm Freude. So kam es, dass er 2021, noch in der Corona-Zeit, die Ausbildung zum Biersommelier machte. Dabei ließ er sich, bis dato „ein Standardbier-Trinker“, von der Geschmacksvielfalt in verschiedenen Bieren faszinieren. Heute sammelt er besondere Biere, auch solche, an denen er früher höchstens mal geschnuppert hätte.

Einkaufen und verkosten kann man das alles in der 30 Quadratmeter großen „Rumprobiererei“ im Zentrum von Reichenbach, nicht weit vom Bahnhof. Sie ist mit Teppichen und Ohrensesseln, mit Fotos und Vitrinen voller Flaschen und Dosen urgemütlich eingerichtet. Die Gäste sitzen an zwei runden Tischen, nah genug beieinander, um sich auszutauschen, was in der Regel auch geschieht. „Da macht’s dann richtig Spaß, in die Tiefe zu gehen“, sagt Schüch. Ein Traum ist bislang noch, „dass ich mir irgendwann mal ein kleines Gehalt zahlen kann“. Und wenn er in die fernere Zukunft schaut: vielleicht irgendwann als Rentner Tastings auf Madeira anzubieten.