Zwei Euro pro Woche bar auf die Hand: Dieser Betrag ist für Schulanfänger gut geeignet, um den Umgang mit eigenem Geld zu lernen. Im nächsten Bild finden Sie eine Übersicht für die Höhe von Taschengeld je Alter. Foto: dpa

Die Einschulung ist ein guter Zeitpunkt, um Kindern über das erste Taschengeld langsam die Finanzwelt zu erklären.

Berlin/Stuttgart - Länger aufbleiben, kein „kleines Kindergartenkind mehr sein“ – und das erste Taschengeld: Sara, 6, wäre lieber schon gestern als erst in der nächsten Woche eingeschult worden. Denn Schule, das hat sie bei ihrem großen Bruder beobachtet, macht erwachsen. Und Erwachsene brauchen ihr eigenes Geld, findet Sara. Damit kann sie „endlich Süßigkeiten für alle meine Freundinnen kaufen“.

Auch Andreas Kopp, Psychologe und Familientherapeut aus Bayern hält den Schulbeginn für den richtigen Zeitpunkt, um Kindern ihr erstes Taschengeld zu zahlen. „Ab diesem Alter können sie so langsam den Wert von Geld einschätzen und lernen, eigene Kaufentscheidungen zu treffen“, sagt Kopp. Je früher ein Kind verstehe, dass Geld nur bedingt verfügbar ist, dass man sich nicht alles direkt leisten kann und sich manch großer Wunsch erst durch Sparen erfüllen lässt, umso besser werde es auf das spätere Leben vorbereitet. „Die Höhe des Taschengelds ist dabei zweitrangig. Viel wichtiger ist, dass dem Kind zumindest ein Teil des Geldes völlig frei zur Verfügung steht.“

Will sich eine Sechsjährige wie Sara vom Taschengeld nur Süßigkeiten kaufen, sollten Eltern zwar ruhig darauf hinweisen, dass dies ungesund ist. „Am Ende entscheidet aber das Kind“, findet Kopp. Damit sein eigener Nachwuchs nicht gleich alles Geld direkt ­ausgibt und auch das Sparen lernt, gilt in der Familie Kopp eine zusätzliche Vereinbarung: Für jede 20 Cent, die gespart werden, legt Andreas Kopp noch einmal 20 Cent drauf.

Kinder und Jugendliche haben jede Menge Geld – können aber nicht damit umgehen

Der Ruf nach noch mehr Taschengeld – gern mit den Argumenten „die anderen kriegen aber auch mehr“ oder „ich bin wieder älter geworden“ – verstummt zwar auch dadurch nicht unbedingt. „Es ist aber auch wichtig, sich mit den Kindern und anderen Eltern immer wieder über die angemessene Höhe auszutauschen“, sagt Kopp. Eine Orientierung bieten dabei die Taschengeldtabellen der Jugendämter – und das Einkommen der Eltern. „Auch Grundschulkindern kann man schon erklären, warum es erst im nächsten Jahr einen neuen Fernseher gibt oder was eine Wirtschaftskrise ist.“ Die meisten Kinder würden solche Fragen ohnehin stellen, Eltern müssten sich dann aber auch beantworten.

Denn Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 19 Jahren verfügen zwar über eine Kaufkraft von knapp 20 Milliarden Euro und bekommen laut Kids-Verbraucheranalyse 2012 so viel Taschengeld wie die vergangenen 20 Jahre nicht. Das bedeutet aber nicht, dass sie mit dem Geld auch umgehen können. So sagen nur acht Prozent der 14- bis 24-Jährigen in der Jugendstudie 2012 des deutschen Bankenverbandes, dass sie sich gut mit Geld auskennen. Jeder fünfte der ­Befragten hat schon einmal Schulden gemacht – wegen der Handyrechnung, eines neuen Laptops oder für teure Klamotten.

„Die Schuldenkarriere beginnt häufig schon in der Kindheit“, sagt Karin Birzer. Die Bankkauffrau im Ruhestand ist ehrenamtliche Unterrichtshelferin in der Berta ­Hummel-Schule in Bad Saulgau. Im Rahmen von „MoKi – Money and Kids“, einem Lernspiel, das in Baden-Württemberg an allen Grundschulen angeboten wird, geht sie mit Kindern in den Supermarkt und vergleicht die Preise. Dabei wundert sie sich immer wieder, wie wenig diese über Geld wissen. Sie fände es sinnvoll, „wenn die Kinder erfahren, wie viel Papa und Mama eigentlich stemmen müssen – nicht nur Miete, sondern auch Kreditraten fürs Auto, Kfz-Steuern oder Telefongebühren.“ Einnahmen und Ausgaben müssten gegenübergestellt werden. Doch das Thema Geld ist in vielen Familien ein Tabu.

Ab zehn Jahren ist auch ein eigenes Konto sinnvoll

„Über Geld spricht man nicht“, hat auch Kirstin Wulf früher in ihrer Familie gelernt. Und obwohl sie selbst Finanzexpertin ist, konnte sie nicht alle Geld-Fragen ihres jüngsten Sohnes beantworten. Der geschäftstüchtigen Junge wollte Gesteinsbrocken von Mars und Venus gewinnbringend verkaufen. Weitere Fragen folgten: Warum verkaufen Menschen überhaupt etwas? Wie viel Geld habt ihr? Was kostet die Wohnung?

Ihre Erklärungsnöte brachten die Mutter zweier Söhne auf eine Geschäftsidee. Im Rahmen ihrer Firma „Bricklebrit“ lehrt sie inzwischen Eltern mit Vorträgen, Seminaren und Gesprächskreisen das Einmaleins der Finanzerziehung (www.bricklebrit.net).

Wichtig ist ihr dabei vor allem, dass Geld für Kinder nicht zu abstrakt bleibt und der Umgang damit in den Alltag einfließt. Eltern könnten den Nachwuchs etwa für Extra-Aufgaben im Haushalt bezahlen – so merkt er, wie viel Energie für das Geld nötig ist. Für normale Hausdienste, wie den Müll runterbringen, sollte aber kein Geld fließen. Wird das Taschengeld doch einmal knapp, könnten Eltern den Kindern ausnahmsweise auch mal etwas leihen – sollten dafür dann aber auch Zinsen nehmen. So lernen die Kinder frühzeitig, wie teuer es ist, auf Pump zu leben.

Dass sich umgekehrt mit Geld auch Geld verdienen lässt, können bereits 10- bis 12-Jährige auf einem eigenen Kontoauszug ­verfolgen, findet Liza Banzhaf, Finanzexpertin bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Bevor Eltern ein Girokonto fürs ­Taschengeld eröffnen, sollten sie aber ­unbedingt die Bedingungen prüfen: Keine Möglichkeit zur Kreditaufnahme, keine ­Bedingungen wie ein bestimmter Geldeingang, kein Mitabschluss weiterer Produkte – und keine Kontoführungsgebühr. Auch die Banken sollen sich schließlich nicht am ­Taschengeld der Kinder bereichern.

Wie viel, wann und wofür?

Regelmäßig: Viel mehr als eine Woche können Grundschulkinder nicht überblicken, ihnen gibt man besser häufiger eine kleinere Menge Taschengeld. Ältere Kinder lernen mit monatlichen Zahlungen, sich ihr Geld einzuteilen – und über ein eigenes Konto auch, was Zinsen sind. Egal wie häufig es Taschengeld gibt: Wichtig ist ein fester Termin, damit das Kind lernt, mit dem Geld zu planen.

Emotionslos: Eltern sollten das Taschengeld weder zur Strafe streichen noch als emotionalen Ersatz erhöhen – etwa weil das Kind wegen der Arbeit besonders viel allein war.

Bedingungslos: Kinder dürfen ihr Taschengeld so ausgeben, wie sie möchten. Eltern sollten aber sagen und erklären, wenn ihnen ein Kauf nicht passt. Auch ist das Geld nicht nur fürs Sparschwein gedacht, sondern auch zum Ausgeben – für eigene Wünsche der Kinder, nicht etwa für Schulsachen.

Sparsam: Wollen sich Kinder größere Wünsche erfüllen, können Eltern ihnen mit einem Sparplan helfen.

Literatur: „Unser Geld – Wieso? Weshalb? Warum?“, Ravensburger, 12,99 Euro, ab 4 Jahren; Die Tagesschau erklärt die Wirtschaft, rororo, 9,95 Euro, ab 13 Jahren).

Internet: www.finanzforscher.de (für Kinder und Jugendliche); www.praeventionsnetzwerk-finanzkompetenz.de, www.schulbank.de (für Lehrer).

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