Der Tarnblitzer findet mitten auf der Waiblinger Straße in Winnenden Platz. Foto: Gottfried Stoppel

Im Rems-Murr-Kreis wird zurzeit ein neuartiges, teilstationäres Geschwindigkeitsmessgerät getestet – laut Hersteller „die Zukunft der Verkehrsüberwachung“.

Rems-Murr-Kreis - Auf einige Entfernung sieht er aus wie ein massiver, etwas futuristisch anmutender Fahrradanhänger mit Nummernschild und Rücklicht, doch wer zu schnell an ihm vorbeifährt, wird spätestens mit ein paar Tagen Verzug per Bußgeld aufgeklärt, um was es sich dabei handelt: Der „Enforcement Trailer“ ist das modernste, was die Wiesbadener Firma Vitronic Bildverarbeitungssysteme zurzeit in Sachen mobiler Verkehrsüberwachung zu bieten hat. Das Unternehmen spricht gar von der „Zukunft der Verkehrsüberwachung“. Diese ist im Rems-Murr-Kreis schon jetzt Realität.

Aktuell steht das Gerät in Winnenden

Jeweils rund eine Woche lang ist das Gerät an verschiedenen Orten in Waiblingen und Weinstadt aufgebaut worden. Aktuell steht es in der Waiblinger Straße in Winnenden. Das bestätigt Johannes Schriegel, der Geschäftsführer der Firma Vidi-Con Verkehrstechnik. Der Dienstleister für Verkehrsüberwachung mit Sitz im Waiblinger Eisental hat den Tarn-Blitzer mit der „bewährten Poliscan-Technik“ im Rahmen einer Werbeoffensive der Heilbronner Vitronic-Tochter Era wiederum seinen kommunalen Kunden im Remstal angeboten. Ende dieser Woche muss er es erst einmal wieder zurückgeben.

Das Gerät sei bei Vitronic auf Nachfrage aus Frankreich entwickelt worden. Das habe sich nicht nur in dem seiner Ansicht nach gelungenen Design niedergeschlagen, sagt Schriegel. Der Vorteil liege vor allem darin, dass das mobile Gerät auch nachts, ohne Personal an verschiedenen Stellen eingesetzt werden könne.

Das sei auch einer der Hauptgründe gewesen, warum man den Trailer eine Woche lang getestet habe, sagt Holger Niederberger, der Sprecher der Stadt Weinstadt. Die Kommune, die keinen einzigen stationären Blitzer installiert hat, habe das mobile Gerät insgesamt 44 Stunden lang im Einsatz gehabt, dabei seien 454 Geschwindigkeitsüberschreitungen registriert worden – dem Stadtsprecher nach nicht viel mehr als bei herkömmlichen Überwachungsaktionen. Weil der Anhängerblitzer aber rund um die Uhr flexibel eingesetzt werden könne, überlege man durchaus, ob er nicht eine gute Alternative sein könne – „das Ergebnis ist allerdings noch offen“, so Niederberger.

Ähnlich sieht die Bilanz in Waiblingen aus. Dort war die „semistationäre“ Anlage Ende Januar fünf Tage aktiv, in der Beinsteiner sowie der Mayenner Straße. Insgesamt sind laut dem Ordnungsamtsleiter Werner Nußbaum 5876 Messungen durchgeführt worden. 228 Fahrzeuge seien zu schnell unterwegs gewesen, der „Spitzenreiter“ habe 56 Stundenkilometer auf dem Tacho gehabt, wo 30 erlaubt sind. Die Ergebnisse hätten „keine gravierenden Abweichungen zu anderen Messverfahren“ gezeigt, so der Fachbereichsleiter. Allerdings ermögliche der Trailer bei flexibler Standortwahl eine über mehrere Tage angelegte Rund-um-die-Uhr-Messung. Ein permanenter Einsatz des Geräts, das beim Kauf mit 150 000 Euro zu Buche schlagen würde, sei zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht vorgesehen, so Nussbaum. Seine Vorteile würden aber „bei den weiteren Planungen berücksichtigt“.

Mobil, aber diebstahlgeschützt und bruchsicher

Johannes Schriegel von Vidi-Con glaubt, dass sich der Enforcement Trailer als Mittel der Wahl bei den Kommunen durchsetzen könnte. Die Nachfrage jedenfalls sei „immens“, die Vorteile für den mobilen Einsatz lägen auf der Hand.

Wer als Verkehrssünder indes denkt, die Mobilität seinerseits nutzen und zur Vertuschung einer zu schnellen Fahrt das Gerät einfach mitnehmen und etwa nach Buxtehude abtransportieren zu können, sei gewarnt. Erstens ist der komplett eingekapselte, bruch- und schusssichere Anhänger immerhin gut 1300 Kilogramm schwer und zweitens wird jede Erschütterung per Alarm an ein Smartphone gemeldet – über das man sich die Ursache dann bequem auf einer Überwachungskamera ansehen kann.

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