IG-Metall-Landeschef Roman Zitzelsberger bietet den Arbeitgebern Tarifverhandlungen ohne die üblichen Drohkulissen an und erwartet von diesen das Gleiche. Foto: dpa

Nach vielen fetten Jahren setzt die IG Metall jetzt auf Jobs statt auf hohe Forderungen. Für diesen Kurswechsel gibt es gewichtige Gründe, meint StN-Autor Klaus Köster.

Stuttgart - Es ist noch kein halbes Jahr her, da teilte IG-Metall-Chef Jörg Hofmann kräftig in Richtung der Arbeitgeber aus: Auf die Leimspur einer Lohnzurückhaltung werde man sich nicht locken lassen, sagte er. Angesichts der absehbaren Entwicklung – weniger Produktions-Jobs wegen der E-Autos, Beschäftigungsrisiken durch digitale Geschäftsmodelle – wirkte das wie das Pfeifen im Walde.

Doch rechtzeitig vor der Tarifrunde lenkt die Gewerkschaftsführung die Erwartungen in eine andere Richtung – auf die Frage, wie sich die Jobs sichern lassen, ohne die jede Lohnforderung ins Leere läuft. Nach zehn fetten Jahren ist diese Abkehr vom hergebrachten Ritual bemerkenswert.

Ein Geben und Nehmen

Das Angebot an die Arbeitgeber, im Gegenzug für den Verzicht auf eine von vornherein benannte, hohe Lohnforderung über die Jobsicherung zu verhandeln, mag im Detail einige Untiefen aufweisen. So sind Entscheidungen zur Verlagerung von Stellen, auf die die Arbeitgeber nach dem Willen der IG Metall verzichten sollen, gar nicht durch die Arbeitgeberverbände zu treffen. Gleichwohl sendet die Gewerkschaft das Signal aus, dass die herkömmliche Tarifpolitik ins Leere zu laufen droht. An deren Fortsetzung kann auch die Arbeitgeberseite kein Interesse haben. Sie tut deshalb gut daran, die ausgestreckte Hand der Gewerkschaft zu ergreifen. Tarifpolitik ist ein Geben und Nehmen.

klaus.koester@stuttgarter-nachrichten.de

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