Nach stürmischem Auftakt droht in der Metalltarifrunde erst einmal Stagnation einzukehren: Denn sowohl die Arbeitgeber als auch die IG Metall verlangen nach dem zweiten Treffen, dass zuerst über ihre jeweiligen Ziele verhandelt wird.
Fellbach - Mit einem Coup war Südwestmetall-Chef Wilfried Porth in seine erste Tarifrunde in neuer Funktion gestartet. Mitte Dezember legten die Arbeitgeber der IG Metall einen umfassenden Katalog von Ideen vor, mit dem die Arbeitskosten in der Metall- und Elektroindustrie gesenkt werden sollen. Anders als gewohnt ist es Südwestmetall auf diese Weise gelungen, dem Geschehen frühzeitig seinen Stempel aufzudrücken.
Den Abschied von „lieb gewonnenen Regelungen, die wir über viele Jahre angesammelt haben“, verlangt der Daimler-Manager für den Flächentarif. Eines seiner Lieblingsbeispiele: „Wir zahlen eine Spätschichtzulage, wenn andere in die Mittagspause gehen.“ Man habe sich gemeinsam Dinge geleistet, „die nicht mehr in die zukünftige Wettbewerbssituationen unserer Industrie passen“. Dass die Arbeitgeber ihr Anfangstempo nicht durchhalten können, zeigte sich am Montag in der zweiten Runde, die ohnehin nur für zwei Stunden angesetzt worden war. Vielmehr droht erst einmal Stagnation, denn Porth will zunächst nur über seinen Vorstoß reden. „Wir haben mit unserem Forderungskatalog klargemacht, was wir für die Zukunft brauchen – und solange wir auf diese Themen keine Antworten bekommen, macht es keinen Sinn, über die Geldforderung der IG Metall zu sprechen“, betont er in Fellbach.
Wer hat das Heft des Handelns in der Hand?
Zugleich ist die Gewerkschaft nicht gewillt, sich die gesamte Agenda diktieren zu lassen. „Das Streichen von Zulagen und das Infragestellen von tarifvertraglichen Standards als Antwort auf die Herausforderungen der Transformation zu geben scheint uns an der Problemsituation vorbei“, kontert IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger. Neben den vier Prozent mehr Geld – die, wo in der Krise notwendig, auch zur Sicherung der Jobs eingesetzt werden sollen – fordert die IG Metall einen tariflichen Rahmen für betriebliche Zukunftstarifverträge, die zum Beispiel Investitionen sowie Fortbildungsmaßnahmen festschreiben und betriebsbedingte Kündigungen ausschließen. Diese Vorstellungen vonseiten der Arbeitgeber nicht zu kommentieren, sondern zuerst einen Rahmen für Kostenentlastungen vorzugeben sei „eine Politik, die nicht ins Jahr 2021 passt“, kritisiert der Gewerkschafter.
„Antworten von gestern für die Fragen von morgen“
„Unser Eindruck ist, dass Südwestmetall mit Antworten von gestern versucht, die Fragen von morgen zu beantworten.“ Teilweise scheine sich die wirtschaftliche Lage schon zu entspannen. „Corona werden wir irgendwann überwunden haben“, sagt Zitzelsberger. „Was bleiben wird, ist die Transformation.“ Deshalb müsse sich die Tarifrunde auf die zentrale Frage richten, welchen Beitrag beide Seiten zu deren Bewältigung leisten können. Porth beharrt jedoch darauf: Der Strukturwandel „kann nur mit einer anderen Kostensituation gelingen – deshalb brauchen wir jetzt Entlastung statt weiterer Belastungen.“ Konkretes Ziel war es am Montag Zitzelsberger zufolge auch, über das Vorgehen in den nächsten Wochen zu sprechen. Dazu sei keine Verständigung möglich gewesen. „Da werden wir uns zunächst mal bilateral austauschen.“ Auch werde jede Seite für sich nun die Lage sondieren, wie ein Lösungsweg aussehen kann. Weitere Verhandlungstermine wollen die Tarifvertragspartner „zeitnah miteinander abstimmen“.
Einig gegen schärfere Lockdown-Einschränkungen
Immerhin gibt es auch an einer Stelle Einigkeit, wenn auch abseits des Tarifkonflikts: Weitere Lockdown-Einschränkungen hielten beide Seiten für „bedenklich“, mahnt Porth die Regierenden in Bund und Land. „Wir haben in unseren Betrieben alles umgesetzt, was notwendig ist, und gehen zum Teil weit darüber hinaus.“ Da sei man gut aufgestellt und hofft, „dass uns die Politik diesen Freiraum lässt, weil es volkswirtschaftlich gesehen der bessere Weg ist“.