Kontrahenten, die noch „rational miteinander reden“: IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger (links) und sein Pendant bei Südwestmetall, Harald Marquardt. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Der IG-Metall-Vorstand will in wenigen Tagen entscheiden, ob ein letzter Lösungsversuch in Baden-Württemberg sinnvoll ist. Andernfalls drohen Streiks oder gar ein Arbeitskampf.

Im Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie will die IG Metall rasch Klarheit schaffen. Bis Montagabend werde der Gewerkschaftsvorstand eine Entscheidung treffen, ob am 17. November ein finaler Lösungsversuch in Baden-Württemberg unternommen werden soll. Dazu müssten die Arbeitgeber nun „ernst zu nehmende Signale“ senden, dass sie zu einer „nachhaltigen prozentualen Erhöhung der Entgelte“ bereit seien, sagte der Bezirksleiter Roman Zitzelsberger am Dienstagabend nach der vierten Verhandlungsrunde in Böblingen.

 

Momentan sei man da noch „bei null“. Insofern werde er in den nächsten Tagen mehrere Male mit seinem Pendant bei Südwestmetall, Harald Marquardt, telefonieren müssen. Die fünfte Verhandlungsrunde könne dann aber immer noch scheitern. Ob in der Folge Tagesstreiks oder das Scheitern und eine Urabstimmung beschlossen würden, werde dann entschieden. Spekuliert wird allerdings schon über bundesweite 24-Stunden-Streiks und zugleich über einen Arbeitskampf in ein oder zwei ausgewählten Tarifbezirken – wovon die Unternehmen in Baden-Württemberg ziemlich sicher betroffen wären. „Alles ist vorbereitet – und alles meint alles“, sagte der Verhandlungsführer.

Der Acht-Prozent-Forderung der IG Metall halten die Arbeitgeber weiterhin ihren Vorschlag entgegen, eine steuer- und abgabenfreie Inflationsausgleichsprämie in Höhe von 3000 Euro zu zahlen. Eine prozentuale Lohnerhöhung soll es nur geben, wenn sich die Gewerkschaft auf eine lange Laufzeit bis weit in das Jahr 2024 einlässt. Zudem halten die Arbeitgeber an ihrer Forderung nach einer dauerhaften, automatischen Differenzierung fest – wonach schwächelnde Unternehmen ohne weitere Verhandlungen vom Tarifergebnis abweichen könnten.

19 000 Warnstreikende allein bei Mercedes in Sindelfingen

96 000 Beschäftigte haben bisher allein im Südwesten an Warnstreiks teilgenommen. „Die Stimmung ist ausgezeichnet“, betonte Zitzelsberger. Am Dienstag hatten unter anderem etwa 19 000 Beschäftigte im Mercedes-Benz Werk Sindelfingen über alle Schichten hinweg die Arbeit früher beendet.

Ungeachtet pflichtschuldigster Kritik an den Protesten zeigt sich Südwestmetall-Verhandlungsführer Harald Marquardt grundsätzlich bereit, am Donnerstag kommender Woche in Ludwigsburg zum Abschluss zu kommen – „auch wenn wir noch meilenweit voneinander entfernt sind“. Schön wäre mal ein Gegenvorschlag der IG Metall, doch die benehme sich „wie ein kleines Kind, das in der Ecke sitzt und dem man das Spielzeug weggenommen hat – außer Verweigerungshaltung und Tränen kommt nichts“.

Zugleich sprach Marquardt aber auch davon, dass die Tarifparteien im Land noch rational miteinander reden würden und sich der Tragweite des potenziellen Pilotergebnisses bewusst seien, „denn wir haben dann Verantwortung für knapp vier Millionen Beschäftigte in der deutschen Metall- und Elektroindustrie“. Im Südwesten sei man von der Transformation deutlich mehr betroffen als andere Tarifbezirke. „Hier geht der Puls aktuell etwas höher, und es gibt das Verständnis, etwas Langfristiges für den Erhalt der Arbeitsplätze zu tun“, begründete der Familienunternehmer die klare Auswahl des Südwestens als Pilotbezirk. „Deswegen schadet es auch nicht, gerade hier ein Signal für Deutschland zu setzen“, so Marquardt.