Nach dem vierstündigen Warnstreik am Flughafen Tegel könnten bald weitere Airports folgen. Foto: AFP

Mit Warnstreiks der Flughafenkontrolleure in Berlin-Tegel und Schönefeld haben Verdi und der Beamtenbund erstmals ihre Machtposition im aktuellen Tarifkonflikt ausgenutzt. Bis zum 22. Januar wollen sie auch an anderen großen Flughäfen den Betrieb stören.

Stuttgart - Mit einem vierstündigen Warnstreik von etwa 500 Flughafenkontrolleuren haben die Gewerkschaften Verdi und Beamtenbund am Montagmorgen den Betrieb der Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld massiv beeinträchtigt. Knapp 60 von etwa 770 Flügen wurden gecancelt, Dutzende Maschinen hoben mit deutlicher Verspätung ab. Ziel der Aktionen sind klare Lohnzuwächse.

Noch in dieser Woche könnte es an den anderen deutschen Flughäfen – etwa Stuttgart – weitere Arbeitsniederlegungen geben. „Bis zum 22. Januar ist mit Einschränkungen des Flugverkehrs zu rechnen“, sagte der Verhandlungsführer des Beamtenbundes, Volker Geyer, unserer Zeitung. Wann welcher Airport dran ist, scheint noch nicht gesichert. Nach Angaben eines Sprechers hat der Stuttgarter Flughafen noch keine konkreten Hinweise auf Streiks. Man hoffe jedoch, im Ernstfall die Passagiere rechtzeitig vorwarnen zu können.

„Ball liegt im Spielfeld der Arbeitgeber“

Ihre Aktionen in Berlin hatten die Gewerkschaften bereits am Samstag bekannt gemacht. Ein Verdi-Sprecher schließt einen baldigen Streik in Stuttgart nicht aus. „Wir hatten versprochen, nicht in den Weihnachtsferien zu streiken und einen Streik vorher anzukündigen, damit Passagiere sich darauf vorbereiten können“, sagte er. „Daran halten wir uns.“

Der nächste Verhandlungstermin steht am 23./24. Januar an. Beamtenbund-Vize Geyer erwartet dabei ein einigungsfähiges Angebot. „Der Ball liegt im Spielfeld der Arbeitgeber“, sagte er. Sie hätten die Friedenspflicht bis Ende Dezember verstreichen lassen und offenbar kein großes Interesse an einem zügigen Abschluss. Der Beamtenbund ist vor allem in Berlin-Tegel und Frankfurt relativ gut organisiert.

Baden-Württemberg hat das höchste Lohnniveau

Geyer bekennt, dass es sich wegen des geplanten Systemwechsels um keine einfache Tarifrunde handelt. Denn die bisher regionalen Entgelttarifverträge sollen – auch auf Wunsch der Arbeitgeber – zu einem bundesweiten Flächentarif umgebaut werden. Verdi fordert künftig für alle Kontrolleure im Passagier- und Frachtbereich einen einheitlichen Bruttostundenlohn von 20 Euro – der Beamtenbund 19,50 Euro. In Baden-Württemberg würde dies einen Lohnzuwachs von 17 Prozent bedeuten, in Ostdeutschland bis zu 44 Prozent.

In Stuttgart wird die Kontrolltätigkeit bisher mit bis zu 17,16 Euro im Grundlohn vergütet. Baden-Württemberg – der Tarifbereich mit dem höchsten Niveau – hat den sogenannten Ecklohn. Von dem aus bietet der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) zum Januar 2019 und 2020 jeweils eine Lohnsteigerung von zwei Prozent in der gesamten Passagier- und Warenkontrolle an. In Ostdeutschland würde dieser Lohnanstieg je nach Bundesland bis zu 6,4 Prozent betragen. Innerhalb von fünf Jahren, so der BDLS, sollen alle Länder auf Südwestniveau sein – dies dauert den Gewerkschaften aber zu lange.

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