Claus Weselsky ist ein gewiefter Stratege. Foto: dpa/Annette Riedl

Die GDL fordert in der anstehenden Tarifrunde nicht nur mehr Geld. Ihr Chef Claus Weselsky sagt der Deutschen Bahn mit einem neuen Arbeitskräfteverleih den Kampf an. Der Erfolg ist ungewiss, meint Matthias Schiermeyer.

Der gewiefte Stratege Claus Weselsky hat mal wieder recht behalten: Schon vor einem Monat hat der GDL-Chef vorhergesagt, er sei sich sicher, dass es keinen Tarifabschluss zwischen Deutscher Bahn und EVG geben werde, bevor seine Gewerkschaft ihre Forderungen aufgestellt hat. Stimmt. Die EVG ist mit allerlei Verrenkungen einer Lösung ihres Tarifkonflikts bisher ausgewichen – wohl auch, um vorher die Wünsche der Konkurrenz zu prüfen und dieser nicht die Möglichkeit zu geben, einen EVG-Abschluss ohne Weiteres zu übertrumpfen. Was wieder belegt: Der Bahnkunde ist auch Leidtragender eines Machtkampfs zweier sich erbittert bekämpfender Organisationen.

 

Allerdings zeigt sich auch: Das Vorgehen der EVG ist eher unberechtigt, denn die GDL will in ihrer Tarifrunde einen eigenen Weg gehen. Während die EVG auf eine Inflationsbekämpfung vor allem in den unteren Entgeltgruppen pocht und weitere Zugeständnisse des Arbeitgebers erwartet, belässt es Weselsky nicht dabei. Mit der Forderung nach mindestens 555 Euro mehr Entgelt bleibt er unter den 650 Euro des Mitbewerbers. Mitnichten übt er Zurückhaltung, denn speziell die verlangte Absenkung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnverlust hat es in sich.

Lässt sich das Tarifeinheitsgesetz aushebeln?

Noch mehr Streit mit dem Arbeitgeber dürfte das Vorhaben auslösen, eine Verleihfirma für Lokführer auf die Beine zu stellen. Weselsky erwartet zu Recht massivsten Widerstand der Bahn gegen diesen Plan, mit dem er das Tarifeinheitsgesetz aushebeln und die GDL aus der Rolle der Minderheitsgewerkschaft herausbringen will. Völlig offen ist auch, ob genügend Mitglieder mitziehen. Gelingt der Coup mit der Genossenschaft, wäre er genial ersonnen – misslingt er, wäre es wohl der Untergang der GDL.