Anke Bode-Pickenhahn (re.) und Thorsten Bode (Mitte) leiten seit langer Zeit die von ihrem Vater Hans Bode gegründete Tanzschule in Böblingen: Auch Janina Bode (li.) assistiert dort bereits bei den Kursen von Tante und Vater. Foto: /Stefanie Schlecht

Tipps aus erster Hand sind für Janina Bode aus Böblingen eine Selbstverständlichkeit, schließlich ist die gesamte Familie dem Tanzen verfallen. Mama, Papa, Oma, Opa, Tante – einfach alle. Die 21-Jährige setzt die Tradition nun bereits in der dritten Generation fort

Tanzen ist bei den Bodes Familiensache. Hans Bode hat Anfang der 1960er gemeinsam mit seiner Ehefrau Monika Bode die berühmte Tanzschule in Böblingen eröffnet. Seine zweite Gattin Sabine Bode ist ebenfalls Tanzlehrerin. Gleiches gilt für die Kinder Thorsten Bode und Anke Bode-Pickenhahn, die den Betrieb zu Beginn der 2000er Jahre übernahmen. Thorsten Bodes Ehefrau Katharina Bode wiederum wurde einst gemeinsam mit ihrem Bruder Landesmeister. Und nun schickt sich ihre Tochter Janina Bode in der dritten Generation an, als erfolgreiche Turniertänzerin in diese Fußstapfen zu treten.

 

Umso verwunderlicher mag es auf den ersten Blick klingen, wenn Thorsten Bode sagt: „Im Privaten geht es bei uns selten bis gar nie ums Tanzen.“ Nach der Begründung seiner Schwester Anke Bode-Pickenhahn erscheint das schon plausibler: „Wenn man manchmal zehn Stunden am Tag beruflich mit Tanzen zu tun hat, spricht man nicht auch noch bei Kaffee und Kuchen darüber.“ Eigentlich ist das nur dann der Fall, wenn für Janina Bode wieder einmal ein großes Turnier ansteht. Schließlich kann die 21-Jährige sich dann Tipps aus erster Hand – oder besser gesagt: aus vielen ersten Händen – geben lassen. „Es wäre komisch, wenn ich nicht nachfragen würde“, findet sie.

Mama und Papa sind eigentlich immer bei den Turnieren dabei. Während sie tanzt, jubeln ihr die Eltern zu, und vor dem nächsten Auftritt gibt es dann die fachkundige Manöverkritik für sie und Tanzpartner Janik Schwarz. „Da prasseln dann ganz schön viele Informationen auf einen ein“, lacht Janina Bode, betont aber, dass dies eigentlich nur positiv zu bewerten sei. „Wir sehen die Kleinigkeiten halt sofort“, schmunzelt Thorsten Bode, „und dann kommt es halt doch wieder aus einem raus.“

Körper kommt an seine Grenzen

Dass die immense Expertise hilft, beweist der kürzliche vierte Platz bei der Latein-Landesmeisterschaft und der damit verbundene Aufstieg in die B-Klasse. Wohlgemerkt mit gerade mal einem Jahr Turniererfahrung in den Beinen. Zusätzlich ist es natürlich, wie Janina Bode es ausdrückt, „ein Luxusgut“, wenn der Vater und die Tante gemeinsam eine Tanzschule leiten. „Wir können in den Räumlichkeiten frei trainieren“, erzählt die Grundschullehramtsstudentin.

Janina Bode und ihr Partner Janik Schwarz sind erst kürzlich in die B-Klasse aufgestiegen. Foto: privat

Gerade wenn etwas auf dem Spiel steht, nimmt sie diese Möglichkeit gern und häufig in Anspruch. Vier bis fünf Einheiten pro Woche sind dann keine Seltenheit. „Wobei der Körper dann schon irgendwann an die Grenzen kommt“, nickt Janina Bode. Thorsten Bode ergänzt: „Turniertanz ist ein Hochleistungssport.“ Das werde häufig unterschätzt. „Auf sechs Zentimeter hohen Absätzen zweieinhalb Stunden lang zu stehen und die schönsten Drehungen zu vollführen, ist ziemlich anstrengend.“

Janina Bode hat das keineswegs nur in die Wiege gelegt bekommen. Quasi schon als Baby krabbelte sie spielend durch die Kurse in der familieneigenen Tanzschule und saugte die Atmosphäre auf. Als sie größer wurde, waren Jazz Dance und Hip Hop voll ihr Ding, obwohl ihre Eltern sie gerne beim Ballett gesehen hätten. „Tutu und Schläppchen waren mir aber zu mädchenhaft“, grinst die Böblingerin.

Mit ihrer Schulklasse absolvierte sie einen Tanzkurs beim Papa, doch für Turniertanz hatte sie keine großen Ambitionen. Als vor zwei Jahren allerdings ihr jetziger Tanzpartner Jannik Schwarz, selbst Tanzschüler bei den Bodes, auf sie zukam und fragte, ob sie mit ihm einen Vorbereitungskurs für Turnieranfänger bestreiten möchte, nahm sie die Aufforderung zum Tanz gern an. Obwohl sie die Grundschritte kannte, lernte sie diese nun neu, mit dem Fokus auf Details und sauberer Ausführung. Inzwischen sind die beiden Stammgäste auf dem Podium. Talent gepaart mit harter Arbeit zahlt sich eben aus.

Auch Thorsten Bode machte nach eigenen Worten „eine kleine Karriere“ im Lateintanz. Eingestiegen war er jedoch als Mini-Steppke mit Ballett. „In jungen Jahren ist das gar nicht so unüblich“, schildert der 57-Jährige. „Erst ab einem gewissen Alter wird es uncool.“ Er fand es aber schon immer schön, auf der Bühne zu stehen und sein Können zu präsentieren. Seine Anfänge gingen nahtlos in den Schülergrundkurs über, die künftige Tanzpartnerin lernte er später bei einer Konfifreizeit kennen. Der Sprung in einen Tanzsportclub war vorgezeichnet. Als Latein-Profis schafften die zwei es beispielsweise auf Platz fünf beim großen Preis von Europa, „danach wurde es aus beruflichen Gründen zeitlich schwer“.

Thorsten Bode machte eine – wie er es selbst ausdrückt – „kleine Karriere im Lateintanz“. Foto: privat

In der Hängeschaukel in der Tanzschule

Bei seiner Schwester Anke Bode-Pickenhahn ist der Einstieg ebenfalls „echt lang her“, und er verlief ähnlich wie bei den anderen Familienmitgliedern. „Schon als Baby hing ich in der Hängeschaukel in der Tanzschule unserer Eltern, mit dreieinhalb begann dann der Ballettunterricht bei meiner Mutter Monika“, erinnert sich die heute 51-Jährige. Mit elf endeten die ersten Versuch im Schülerturniertanz jäh, als sie ihr Tanzpartner bei einem Turnier versetzte. „Seinen Namen habe ich mir nicht gemerkt“, grinst sie. „Aber allgemein wollten die Jungs damals nicht so richtig. Es herrschte Männermangel.“ Sieben Jahre später ging es auch für sie richtig los. Bis in die A-Klasse schaffte sie es in der Hauptgruppe Standard. Höher wäre nur die S-Klasse gewesen. Auch den Landesmeistertitel fuhr sie einmal ein.

Anke Bode-Pickenhahn sicherte sich in ihrer Zeit als Tänzerin einmal den Landesmeistertitel. Foto: privat

Mittlerweile gibt sie ihr Wissen als Tanzlehrerin in der familieneigenen Schule weiter, die sie mit Bruder Thorsten Bode leitet. Und natürlich assistiert dort auch bereits Janina Bode während der Kurse. Tanzen ist bei den Bodes eben Familiensache – nur nicht zu Hause bei Kaffee und Kuchen.