Schräg und sinnlich: Kizomba erobert Stuttgart und die Region Foto: Pressefoto Baumann

Wer’s auf der Tanzfläche gern auch mal ein bisschen ruhiger mag, steht jetzt auf Kizomba, die getanzte Liebe auf Afrikanisch. Der Trend aus Angola erobert auch Stuttgart und die Region.

Stuttgart - Der heißblütigen Salsa-Bewegung, die sich seit Jahrzehnten auch in Stuttgart hält, setzt Kizomba pure Zärtlichkeit entgegen. Zu immer mehr Salsa-Partys in der Stadt gehört heute eine Runde des afrikanischen Paartanzes dazu. Herz an Herz in enger Umarmung. Zu Beginn so sanft, langsam und sinnlich, als ob die Welt stillzustehen scheint. Dann rhythmisch in vollkommener Symbiose aus Mann und Frau. So wird Kizomba – auch afrikanischer Tango genannt – getanzt.

Gut, im Anfängerkurs von Afro-Moves in der Stuttgarter Theaterakademie fließen die Bewegungen noch nicht so perfekt. Vor allem beim Intro, das bei Kizomba wie eine Art Stehblues getanzt wird, hapert es. Dabei gilt es, sich auf die Mischung aus traditionellen afrikanischen Rhythmen mit moderner europäischer Musik einzulassen, den Partner zu spüren und sich weltvergessen im Takt zu wiegen – und zwar immer auf den halben Takt. Statt Wärme ums Herz herrscht bei einigen aber Chaos im Kopf. Den richtigen Takt im Hip-Hop-artigen Beat des Kizomba zu finden, ist nicht einfach.

Eine Mischung aus Reggae, Bachata und Tango

In der Mitte zeigt Trainer Tony Gomez mit Co-Trainerin Daniela Issiz, wie gazellenartig die Bewegungen aussehen können. Für den Trainer ein Leichtes, denn der gebürtige Angolaner hat Kizomba quasi im Blut. In seiner ersten Heimat ist der Paartanz in den 80ern und frühen 90ern Jahren als eine Mischung aus Reggae, Bachata und Tango entstanden. „Für mich ist Kizomba Tradition“, sagt Tony Gomez.

In Europa hat sich der afrikanische Paartanz vor allem über die Kizomba-Hochburg Lissabon verbreitet. Denn Angola war früher eine portugiesische Kolonie. Und da Portugiesisch dort Amtssprache ist, wird klar, weshalb die Tanzschritte zum Beispiel Básico oder Saido heißen. Diese Grundschritte haben die acht Paare im Anfängerkurs bereits gut drauf. „Das müsst ihr im Schlaf beherrschen“, sagt Tony Gomez. Der „Básico“ erinnert ein wenig an Disco Fox. Nur dass der Fuß nach dem zweiten Schritt nicht mit einem plumpen „Tep“ angestellt wird, sondern es folgt eine kleine Gewichtsverlagerung auf rechts und links mit einem leichten Hüftschwung (beim Mann umgekehrt).

Beim Saido geht die Partnerin elegant mit einem Kreuzschritt am Mann vorbei und ordnet sich wieder vor ihm ein. Wer dran bleibt, schafft es bis zu den außergewöhnlichen Beinhebern, Schräglagen und Paraden, die Kizomba zu bieten hat. „Paare, denen der Tanz liegt, machen schnell Fortschritte“, sagt Tony Gomez. Heute bietet er über Afro-Moves Kurse in Tübingen, Stuttgart und Esslingen an. „Ich glaube, in einer Zeit, in der alles so schnell geht, sehnen sich die Leute wieder nach etwas Langsameren, um ihre Gefühle zu entdecken“, sagt er.

Genau das gefällt auch Michael Buschmann, der mit seiner Frau Svetlana im Anfängerkurs tanzt: „Kizomba ist nicht weniger anspruchsvoll, aber viel weniger technisch als Salsa, hier kommt es eher auf das Gefühl an.“ Wer kein williges Gegenstück zum Hüftenschwingen hat – meist ein Frauenproblem – kann den Paartanz trotzdem erlernen. „Wir organisieren Tanzpartner“, verspricht Gomez. Das größere Problem der Frauen: Die Partnerin muss sich führen lassen. Und bei Kizomba tut dies der Mann nicht nur mit den Armen, sondern auch mit Oberschenkeln und Füßen. „Die Frauen kapieren aber meist schneller und neigen dann dazu zu führen“, sagt Gomez. Doch nur wenn sich Mann und Frau aufeinander einlassen, die Kontrolle abgeben und loslassen, kann die Magie des Kizomba entstehen.

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