Das Orquesta Típíca El Afronte, das sich dem Tango verschrieben hat, spielt im Theaterhaus gemeinsam mit den Jazzmusikern Émile Parisien und Vincent Peirani. Foto: Lobo Fotografia

Am 31. Mai laden das Orquesta Típíca El Afronte sowie Émile Parisien und Vincent Peirani zur „Tango Night“ ins Theaterhaus.

Wie beliebt der Tango auf der ganzen Welt ist, zeigen seine diversen Interpretationen: Da wäre der Tango Argentino, den man in Argentinien und Uruguay aufs Parkett legt. Da wären aber auch der Queer Tango, der Tango Nuevo oder der finnische Tango – der ist passend zur skandinavischen Melancholie eher in Moll gehalten. Auch die Musikrichtung Tango kennt verschiedene Ausprägungen: Am bekanntesten sind wohl der Tango im 4/8-Takt, die Milonga im 2/4-Takt und der Vals im 3/4-Takt. Bevor hier aber der aussichtslose Versuch gewagt wird, auf steifem Papier etwas so feurig-dynamisches wie den Tango zu erklären, sei besser auf einen viel anschaulicheren Termin verwiesen: auf den 31. Mai im Theaterhaus. Dann laden das Orquesta Típíca El Afronte sowie Émile Parisien und Vincent Peirani zur „Tango Night“. Das verspricht eine musikalische Begegnung, die man so in Europa nur selten erleben wird. Hier treffen Jazz und Tango aufeinander: das zehnköpfige Tango-Orchester El Afronte aus Buenos Aires, der Saxofonist Émile Parisien und der Akkordeonist Vincent Peirani.

Auch der Tango kennt so etwas wie Jam-Sessions

Wenn man hört, dass die 2004 gegründete Tango-Truppe El Afronte über 200 Konzerte pro Jahr spielt, mag man zunächst meinen, so besonders könne deren Auftritt ja nicht sein. Die spielen ja ständig! Doch El Afronte sind in dieser Musikrichtung eines der gefragtesten Ensembles überhaupt. Dass sie nach Europa kommen und dann auch noch nach Stuttgart, ist eine Sensation. Seit über zehn Jahren bescheren sie ihrem Heimatland Argentinien eine durchgängig stattfindende Milonga: Solche Milongas sind vergleichbar mit den Jamsessions des Jazz, ein welt- und stiloffener Rahmen für Begegnungen von Musikern, Tänzern, Lyrikern und weiteren Künstlern. Aufgrund der Vielfältigkeit dieser Konstellationen haben sich aus der Tango-Tradition gerade in den Neunzigern Epizentren des musikalischen Austausches gebildet, die beispielsweise zur Entwicklung der lateinamerikanischen Metal- und Punkrockszene geführt haben. Die mannigfaltigen Formen des Tangos beherrschen El Afronte wie keine zweite Band. Sie sind nicht nur Meister des traditionellen Tangos, sie haben stets auch neue Trends im Blick. Ihre Eigenkompositionen wahren dabei immer die Tradition, ohne altbacken zu wirken.

Die populärsten Jazzmusiker Frankreichs

Mit Parisien und Peirani treffen El Afronte im Theaterhaus auf die derzeit vielleicht populärsten Jazzmusiker Frankreichs – zum ersten Mal übrigens. Von Swing über traditionell französischen bis hin zu modernem Jazz holen Parisien und Peirani alles aus den Genre-Schubladen und werfen es neu zusammen. Doch nicht nur gemeinsam sind die beiden Brüder im Geiste eine Wucht, auch bei Soloprojekten überzeugen sie. Saxofonist Parisien veröffentlichte zu Beginn des Jahres das Quartettalbum „Double Screening“. Vincent Peirani bewies im vergangenen Jahr mit der Platte „Living Being II – Night Walker“, dass das Akkordeon auch als Rock ’n’ Roll-Instrument zu gebrauchen ist: Mit seinem Quintett präsentiert er darauf Led-Zeppelin-Cover und einen Sound, der so noch nie zu hören war. Dass er zudem Welt­musik, Klassik, Chanson und Pop mühelos meistert, bewies er bereits zuhauf. Und nun also Tango. Jene Musik, die mit Kraft und Emotion weltweit begeistert, trifft auf den Jazz, der längst völkerverständigend wirkt. Gewissermaßen wird also der Jazz wie Spiritus ins lodernde Tango-Feuer gespritzt. Großartig, solch ein heißes Ereignis im Stuttgarter Theaterhaus direkt vor der Tür zu haben.

„Tango Night“: 31. Mai, 20 Uhr, Theaterhaus, Tickets 07 11 / 4 02 07 20.

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