Talksendung zum Feinstaub Verkehrsexperte: Es geht nicht nur um das Neckartor

Von Kai Müller 

Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) Foto: AFP
Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) Foto: AFP

OB Fritz Kuhn und Neckartor-Kläger Manfred Niess sind bei der SWR-Sendung zum Thema Feinstaub und Lärm dabei gewesen. Ein Lungenarzt wurde deutlich und ein passionierter Radler regte zum Nachdenken an.

Stuttgart - Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) hat beim SWR-Bürgertalk „mal ehrlich... ersticken wir am Verkehr?“ am späten Mittwochabend für eine Verkehrsvermeidung, den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und für den Kauf von vollelektrischen Autos geworben. „Umgehungstraße und Tunnel kann man alles machen, aber wir brauchen weniger Verkehr auf unseren Straßen“, sagte das Stadtoberhaupt in der von Florian Weber moderierten Fernsehsendung.

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Wer weniger Lastwagen auf den Straßen haben wolle, der müsse Sachen aus regionaler Erzeugung kaufen. Ebenfalls zu Wort kamen Zuschauergäste, darunter auch Neckartor-Anwohner Manfred Niess, der auf Stuttgarts „traurige Rekorde“ unter anderem als „Feinstaubhauptstadt“ hinwies, OB Fritz Kuhn entgegnete, dass sich die Werte verbessert hätten und erklärte: „Wir sind eine Stadt, die vom Auto lebt.“ Es bringe nichts, wenn die „Luft sauber“ sei, aber die Arbeitslosigkeit auf 20 Prozent steige. Er forderte aber auch, die Automobilindustrie dazu auf, schneller auf vollelektrische Fahrzeuge umzusteigen.

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Lungenarzt übt Kritik

Niess freilich fragte sich, warum das Thema erst jetzt als Problem erkannt werde: „Wir haben bereits 2008 gefordert, Gas-Hybrid-Müllfahrzeuge anzuschaffen.“ Sarkastisch merkte er an: „Der Euro 6-Diesel heißt wohl so, weil er die Grenzwerte um das Sechsfache übersteigt.“ Kuhn riet zu einem differenzierten Blick und sah vor allem die Euro-4/5-Diesel als Problem.

Als Moderator Weber erklärte, dass die Auswirkungen von Feinstaub und Co, unter Medizinern umstritten sein, handelte er sich eine scharfe Replik eines Lungenfacharztes aus Leverkusen ein: „Es gibt mehr Todesfälle durch Feinstaub als durch den Straßenverkehr.“ Da gebe es bei den Medizinern keine zwei Meinungen. Man können daher nicht warten. Ein Gast der Sendung aus Stuttgart berichtete, dass seine Frau Tag und Nacht unter Reizhusten leide. Unterstützung gab es vom Trierer Verkehrsexperten Professor Heiner Monheim, der davon sprach, dass Lärm, Feinstaub und Abgase das Leben um sieben Jahre verkürze: „Da geht es nicht nur um das Neckartor.“ OB Kuhn gab zu verstehen, dass es unbedingt nötig sei, den Gesundheitsschutz zu achten: „Kein OB ist aber für Fahrverbote, da würde das Leben in der Innenstadt zusammenbrechen.“

Am Ende der Sendung riet Verkehrsexperte Monheim dazu, den Blick nicht nur auf die Metropolen zu richten: „Auch der ländliche Raum erstickt im Verkehr.“ Das Schlussworte hatte freilich eine Teilnehmerin, die bekannte: Sie wolle 2018 deutlich mehr Fahrradfahren. Ausgelöst hatte dies ein anderer Zuschauer, der zu Beginn der Sendung gesagt, hatte, dass er sehr häufig die täglichen 57 Kilometer zur Arbeit mit dem Rad zurücklege: „Ich bin ein Teil des Problems, ich kann es selbst lösen“, lautete sein Credo.

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