Göppingens Tim Kneule am Boden: Die Rhein-Neckar Löwen mit ihrem überragenden Spielmacher Andy Schmid waren haushoch überlegen. Foto: Baumann

Nach Platz fünf und sechs in den vergangenen Spielzeiten befindet sich Frisch Auf Göppingen in der Bundesliga auf Talfahrt. Die Unzufriedenheit bei den Fans wächst, unangenehme Frage häufen sich.

Göppingen - Die EWS-Arena: Erstmals in dieser Saison mit 5600 Zuschauern ausverkauft. Die Stimmung beim Anpfiff zur Meister-Prüfung gegen die Rhein-Neckar Löwen: glänzend. Und dann präsentiert sich der Handball-Bundesligist Frisch Auf Göppingen im baden-württembergischen Derby 45 Minuten lang desaströs. 13:24 hatte es eine Viertelstunde vor Schluss gestanden, dann gingen die Löwen vom Gas und Frisch Auf durfte Ergebniskosmetik betreiben. Das 24:28(9:19)-Endresultat spiegelt die Kräfteverhältnisse in diesem einseitigen Duell nur unzureichend wider. „So wie wir uns in der ersten Halbzeit präsentiert haben, war das schon extrem peinlich“, sagte Spielmacher Tim Kneule. Ausflüchte wären ohnehin sinnlos gewesen. Die Chancenverwertung war katastrophal, das Rückzugsverhalten eine Zumutung. Konzentration und Einstellung stimmten nicht.

Feuer, Aggressivität, Zweikampfstärke fehlt Frisch Auf

Es ist das gute Recht eines Geschäftsführers, zumindest nach außen, die positiven Aspekte herauszustreichen. Also sagte Gerd Hofele tapfer: „Ich bin froh, dass die Mannschaft nach der Pause kämpferisch so stark dagegengehalten hat.“ Das nötige Feuer, die unabdingbare Aggressivität und Zweikampfstärke zeigt Frisch Auf in dieser so enttäuschend verlaufenden Saison viel zu selten. Deshalb befindet sich der Verein auf einem gefährlichen Weg. Die Unzufriedenheit bei den Fans wächst mit jeder Niederlage. Die Talfahrt nach den Plätzen fünf und sechs in den vergangenen beiden Spielzeiten kommt zur Unzeit. In der kommenden Saison droht wegen der neuen Anwurfzeiten donnerstags um 19 Uhr und sonntags um 12.30 Uhr ohnehin ein Verlust an Stammkunden (derzeit 3300 Dauerkarten). Das treibt die Verantwortlichen um. „Wir müssen in der Liga Leistung bringen“, fordert Hofele, „unsere Fans wollen uns im Tagesgeschäft siegen sehen.“ Und eben nicht nur auf der europäischen Bühne, wo Frisch Auf mit sechs Siegen in sechs Gruppenspielen ins Final Four gestürmt ist und in heimischer Halle am 20./21. Mai die Titelverteidigung anstrebt. „Im EHF-Pokal tritt die Mannschaft mit einem anderen Selbstbewusstsein auf“, stellt Co-Trainer Christian Schöne fest. Zudem wirkt das Team im internationalen Geschäft fokussierter. Wobei die Qualität der Gegner in der Bundesliga oft auch höher einzuschätzen ist, als in dem mit der Europa League im Fußball vergleichbaren Wettbewerb.

Hofele: „Wir können nicht auf Knopfdruck im Final Four zur Höchstform auflaufen“

Das rechtfertigt in Anbetracht des höchsten Etats der Vereinsgeschichte (5,5 Millionen Euro) nicht die miesen Bundesligaleistungen. Legen sich die Spieler nur noch im Europacup ins Zeug, da sie in der Liga nichts mehr reißen können? Sind die älteren Spieler wie Zarko Sesum (30), Adrian Pfahl (34) oder Lars Kaufmann (35) über ihrem Zenit? Oder müsste Trainer Magnus Andersson (Vertrag bis 2018) mit seiner extrem auf Eigenverantwortung ausgelegten Führungsphilosophie neue Reize setzen und noch detailliertere Anweisungen geben? Die unangenehmen Fragen häufen sich. Die Unsicherheit nach den jüngsten Pleiten beim Bergischen HC und gegen die Löwen steigt. Vor dem Saisonhöhepunkt Final Four geht es noch zum HC Erlangen (23. April), daheim gegen den THW Kiel (26. April) und die MT Melsungen (10. Mai) sowie zur HSG Wetzlar (13. Mai). „Es ist ungemein wichtig, jetzt in der Bundesliga zu punkten und Erfolgserlebnisse zu feiern. Wir können nicht auf Knopfdruck im Final Four zur Höchstform auflaufen“, sagte Hofele. Das muss er jetzt nur noch seinen Spielern klarmachen.

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