Ihre Zeit als Sportdirektorin des Volleyball-Bundesligisten Allianz MTV Stuttgart geht bald zu Ende – trotzdem wollte der Stammverein MTV Stuttgart Kim Renkema für eine Weiterarbeit im gemeinsamen Nachwuchsprojekt gewinnen. Die Antwort fiel eindeutig aus.
Nico Helwerth (39) hat einen sehr interessanten, aber auch höchst anspruchsvollen Job: Derzeit ist der Tennis-Schiedsrichter bei den Australian Open in Melbourne gefordert – sein Job, Profispiele auf höchstem Niveau zu leiten, erfordert den vollen Fokus. Und doch kreisen die Gedanken von Nico Helwerth derzeit nicht nur um Passierschläge auf die Linie, Netzaufschläge oder Satzgewinne. Denn auch zu Hause gibt es knifflige Situationen zu lösen.
Nico Helwerth ist Präsident des MTV Stuttgart. Der zweitgrößte Verein der Stadt (nach dem VfB) stellt eine Frauen-Turnriege, die schon 15 deutsche Mannschaftsmeisterschaften gewonnen hat – vornehmlich mit Athletinnen aus dem Kunstturnforum Stuttgart, das sich derzeit schlimmen Vorwürfen über Demütigungen und Drohungen ausgesetzt sieht. Weshalb sich beim MTV Stuttgart die Frage nach der Zukunft des Leistungssports Turnen stellt, eine Antwort steht noch aus. Und dann gibt es derzeit ja auch beim Volleyball das eine der andere Problem.
Das Bedauern ist groß
Der MTV Stuttgart ist Gesellschafter beim Bundesligisten und Triple-Sieger Allianz MTV Stuttgart, Präsident Nico Helwerth war zusammen mit den beiden anderen Gesellschaftern Rainer Scharr (Scharr KG) und Frank Fischer (Webix Solutions) an den Verhandlungen mit Kim Renkema beteiligt, die scheiterten. Deshalb wird die Sportdirektorin den Bundesliga-Spitzenreiter nach dieser Saison verlassen. „Dieses Ende“, sagt Helwerth, „bedauern wir sehr.“
Schließlich ist der MTV Stuttgart vom Abschied Renkemas gleich doppelt betroffen. Denn der Verein ist nicht nur Gesellschafter des viermaligen Meisters, sondern auch Träger des Nachwuchsprojektes „Sparda BSP Stuttgart“, dessen Ziel es ist, wesentlich mehr Talente als früher für den eigenen Bundesliga-Kader auszubilden. Wie sehr Nico Helwerth den Abschied von Kim Renkema bedauert (ohne dass es ihm gelungen wäre, diesen zu verhindern), zeigt nun, dass es nach Informationen unserer Zeitung bei ihm und seinem Verein offenbar die Überlegung gab, die Niederländerin für eine Weiterarbeit bei dem von ihr vor einem Jahr initiierten Nachwuchsprojekt zu gewinnen. Dieser Wunsch des MTV Stuttgart ist auch Kim Renkema zu Ohren gekommen. Ihre Reaktion? Fällt aus wie erwartet.
Kim Renkema: „Nicht vorstellbar“
„In der aktuellen Konstellation“, sagt die Noch-Sportdirektorin, „ist das für mich ausgeschlossen.“ Verwunderlich ist dieser Satz nicht. Schließlich hatten die Verantwortlichen Kim Renkema lediglich eine Vertragsverlängerung um ein Jahr angeboten. Diese Offerte lehnte sie ab – welchen Grund sollte es nun für sie geben, sich weiter in der Talentförderung zu engagieren? „Ich habe gemeinsam mit dem Verein viel Zeit und Energie in dieses Projekt gesteckt und ich hoffe, dass es erfolgreich weitergeführt wird“, sagt Kim Renkema, „doch dass ich daran auch künftig beteiligt bin, kann ich mir derzeit absolut nicht vorstellen.“
Ob es Nico Helwerth gelingt, sich in den nächsten Tagen allein auf seinen Job als Tennis-Schiedsrichter in Melbourne zu fokussieren? Einfach wird das angesichts der kniffligen Lage in der Heimat sicher nicht.