Mit feiner Ballbehandlung: Yusuf Demir, der von Rapid Wien zum FC Barcelona gewechselt ist, will auch im Testspiel gegen den VfB Stuttgart überzeugen. Foto: imago //oan Valls

Yusuf Demir hat schon im Sindelfinger Glaspalast geglänzt. Jetzt kommt er mit dem FC Barcelona nach Donaueschingen – und ist auch beim VfB Stuttgart kein Unbekannter.

Stuttgart - Er verfügt über ein feines linkes Füßchen. Weshalb bei Yusuf Demir vieles leicht aussieht, was im Fußball so schwer umzusetzen ist. „Selten sieht man einen Spieler, der den Ball so eng führt und ihn so gut verteilt“, sagt Toni Polster (57). Die österreichische Stürmerlegende ist ja selbst nicht für seine begnadete Ballbehandlung bekannt, sondern für seine vielen Tore und seinen Wiener Schmäh. Jenseits der Alpen sind sich aber alle Experten darüber einig, dass in Demir ein Fußball-Mozart heranreift.

 

Schon früh zeigte sich, dass Demir nicht nur seinem Jahrgang (2003) spielerisch deutlich überlegen ist. Jetzt sind sie selbst beim FC Barcelona, dem Club der feinen Füße, beeindruckt, wie rasch sich der erst 18-Jährige an das höhere Niveau in der katalanischen Weltauswahl angepasst hat und wie stark er auftritt. So stark, dass sich der Chefcoach Ronald Koeman nach nur wenigen Trainingseinheiten in der vereinseigenen Sportstadt und den ersten beiden Testspielen darauf festgelegt haben soll, den offensiven Mittelfeldspieler mit ins Trainingslager nach Donaueschingen zu nehmen.

Das sagt Trainer Ronald Koeman über das Talent

„Yusuf Demir hat wie andere junge Spieler in unseren Reihen eine große Zukunft. Wir werden mit ihm arbeiten und ihm helfen, ein besserer Spieler zu werden“, sagt Koeman, der von Mittwoch an mit seinem Team während der Vorbereitungsphase im Nobelhotel Öschberghof residiert und beim SV Aasen trainiert. Mit Stars wie Gerard Piqué und Memphis Depay, aber auch mit Talenten wie Yusuf Demir und Alejandro Balde.

Eine neue Barça-Elf will Koeman bauen, die an die alten Erfolge des fünfmaligen Champions-League-Siegers anknüpft. Weshalb bereits in der vergangenen Saison die hochbegabten Pedri (18), Ilaix Moriba (18) und bis zu seiner Verletzung Ansu Fati (18) viele Spielanteile erhielten. Demir mit seiner hohen Spielintelligenz könnte nun der nächste in dieser jungen Garde sein, obwohl der Plan bislang vorsah, dass er für die zweite Mannschaft in der dritten Liga antritt.

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Doch laut spanischen Medienberichten steht die schnelle Beförderung in das A-Team unmittelbar bevor. Demir verkörpert einen modernen Zehner, der vertikal denkt, ballsicher agiert und durch seine Pässe das Spieltempo forcieren kann – wie es typisch für das Barça-Spiel ist. Und geht die Entwicklung so rasant weiter, könnte sich die Verpflichtung als Schnäppchen entpuppen.

Für 500 000 Euro hat der FC Barcelona Demir von Rapid Wien zunächst für eine Saison ausgeliehen. Anschließend existiert eine Kaufoption über zehn Millionen Euro. Diese soll zur Kaufverpflichtung werden, sobald der Österreicher mit türkischen Wurzeln zehn Ligaeinsätze bestritten hat. Eine andere Möglichkeit hatten die finanziell klammen Katalanen nicht.

Auch Mesut Özil und Marcus Rashford trumpften auf

Doch erst einmal steht am Samstag (18 Uhr/Servus TV Deutschland) für den spanischen Renommierverein der nächste Test beim VfB Stuttgart an, wo Demir kein Unbekannte ist. Zweimal wurde der Techniker im Sindelfinger Glaspalast beim Juniorcup zum besten Spieler gewählt. Das hat vor ihm in 30 Auflagen kein anderer geschafft. Und schon immer ist das von Mercedes-Benz organisierte U-19-Hallenturnier ein gutes Pflaster für künftige Nationalspieler gewesen.

Mesut Özil hat beim Budenzauber vor den Toren Stuttgarts ebenso geglänzt wie Marcus Rashford. Jetzt scheint ein neuer Stern am Fußballhimmel aufzugehen. „Zu Rapid bin ich als kleines Kind mit großen Träumen gekommen und gehe jetzt als unglaublich dankbarer Junge“, hat Demir bei seinem Abschied bekannt. Acht Jahre hat der Fan von Lionel Messi das Rapid-Trikot getragen und wollte unbedingt zum Club seines Idols wechseln – obwohl auch andere Topvereine um ihn buhlten und die Wiener gerne eine höhere Ablöse erzielt hätten.

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Manchester City, Inter Mailand, der FC Bayern, Borussia Dortmund und Red Bull Salzburg zeigten offenbar Interesse an dem Ausnahmetalent, das mit 16 Jahren sein Profidebüt gab. Vor allem die Salzburger mit der Perspektive RB Leipzig lockten und bilden mit dem BVB ein internationales Sprungbrett für Nachwuchskräfte. Doch für Demir hieß es: Barça oder nix. Mit Messi hat er zwar noch keinen Doppelpass gespielt, da sich der Superstar nach dem Gewinn der Copa América mit Argentinien im Urlaub befindet, aber das Ganze scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.

Seit September des vergangenen Jahres beobachteten die Scouts aus Katalonien den Mittelfeldspieler in der österreichischen Bundesliga regelmäßig. Der Kontakt war auch schnell hergestellt und riss nicht mehr ab. Nach einer Saison mit 25 Ligaeinsätzen (meistens eingewechselt), in denen Demir sechs Treffer erzielte und drei Tore vorbereitete, signalisierten die Katalanen: Wir wollen dich unbedingt bei uns haben! Doch allein wegen seiner Statistik hat ihn der FC Barcelona nicht geholt. Die Erben des Fußballästheten Johan Cruyff sehen in Demir einen Spieler, der mit seinem feinen linken Fuß den Unterschied ausmachen kann.

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