Angelina Post ist erst neun, kann aber mit ihrer Geige so gut umgehen, dass mehrere Rotary Clubs sie mit 1000 Euro unterstützen. Was treibt sie an – und was ihre Eltern?
Angelina Post weiß, was sie will. Zumindest, was die Musik betrifft, denn für die Geige, für das Instrument, das sie mit ihren neun Jahren schon auffallend gut beherrscht, hat sie sich im Alter von fünf Jahren entschieden.
Kennengelernt hat sie die „Königin der Streichinstrumente“, als welche die Geige gilt, bei der musikalischen Frühförderung in der Renninger Musikschule. Hier haben ihre Eltern Angelina angemeldet, damit sie mit anderen Kindern gemeinsam spielerisch den Zugang zu Musik, Instrumenten, Tanz und Rhythmik findet. Und während ihre Mitschüler am alljährlichen Tag der offenen Tür in der Musikschule die verschiedensten Instrumente ausprobiert haben, hat sich Angelina sofort und ganz entschlossen der Geige zugewandt.
Der Vater dachte eher an ein Blechblasinstrument
„Ich habe damals vorsichtig versucht, sie in Richtung Blechblasinstrumente zu lenken, weil ich früher selbst im Musikverein Trompete gespielt habe“, erzählt Vater Dirk Post und lacht, „aber Angelina hat sich nicht beirren lassen und auf der Geige bestanden.“ Schon ein halbes Jahr später wurde sie in die Begabtenklasse aufgenommen.
„Die Geige hat mich von Anfang an fasziniert“, erklärt Angelina, „der Geigenton gefällt mir sehr. Er ist nicht zu hoch, nicht zu tief und nicht zu laut.“ Die Neunjährige hat eine außergewöhnliche musikalische Auffassungsgabe und auch die nötigen manuellen Fertigkeiten, um das anspruchsvolle Instrument erlernen zu können. Das beweisen auch die Preise, die sie 2021 und 2022 beim renommierten Wettbewerb „Jugend musiziert“ gewonnen hat.
Stipendium mehrerer Rotary Clubs bekommen
Ende November 2022 hat sie eines der 1000-Euro-Stipendien, die die Rotary Clubs Leonberg-Weil der Stadt, Böblingen-Schönbuch und Sindelfingen sowie die Rotary-Nachwuchs¬Organisation Rotaract Sindelfingen-Böblingen aus den Erlösen ihres jährlichen Jazz-Benefit-Konzerts finanzieren, gewonnen. Dafür hat sie ein für ihr Alter anspruchsvolles Stück gewählt, den „Polnischen Tanz“ des amerikanischen Komponisten und Geigers Edmund Severn: „Das Stück verlangt dem Geiger technisch sehr viel ab, es lebt durch schwierige Elemente und schnelle Abfolgen“, weiß der Leiter der Renninger Musikschule, Christoph Rin Dolge.
Auch Rin Dolge freut sich sehr über Angelinas Erfolge: „Angelina hat eine ausgeprägte kognitive Auffassungsgabe, sie versteht die technischen und musikalischen Herausforderungen und Hintergründe sehr schnell.“ Und fügt hinzu: „Schüler wie Angelina sind immer eine besondere Freude, aber auch eine besondere Herausforderung. Denn sie brauchen auch eine besondere Förderung.“
Vorteil des Musizierens im Orchester
Dazu gehört nicht nur der individuelle Einzelunterricht, sondern auch das Zusammenspiel mit vielen anderen im Ensemble: „Es ist ja ein großer Vorteil der Musikschule, dass die Schüler Musik hier im Orchester ganzheitlich erleben können“, ist Christoph Rin Dolge überzeugt, „und das macht den jungen Musikern einfach große Freude. Und nebenbei lernen sie auch andere Facetten des Musizierens kennen.“
Für Angelina ist die Sache einfacher: „Das Geigespielen macht mir einfach Spaß“, bringt sie ihre Begeisterung auf den Punkt. Doch sie ist auch eine fleißige Musikschülerin, die täglich übt und sich vieles von den Großen abschaut. „Ich höre mir gerne die Stücke, die ich übe, an, wie sie von Profis gespielt werden“, erzählt Angelina, und ihr Vater ergänzt: „Das ist ein wichtiger Teil ihres Lebens.“ Das hört sich nach viel Arbeit und wenig Freizeit für die Grundschülerin an, doch ganz so ist es nicht. Denn Zeit für ihre Freunde und für Abwechslung bleibt immer noch. Sie tobt gerne mit ihrem kleinen Bruder Yannick, geht Schwimmen und liest viel.
Gardetanz hat sie aufgegeben
Das Tanzen in der Garde hat sie letztes Jahr aufgeben, doch Angelina hat einen neuen Lieblingssport gefunden: Tischtennis. Auch hier zeigt sie viel Talent, auch hier wird sie gefördert. Ob sie irgendwann eines ihrer Hobbys zum Beruf machen möchte, darüber hat sie noch nicht nachgedacht: „Was ich später machen möchte, das weiß ich noch nicht“, Angelina genießt ihr Leben so, wie es ist, und der Blick in die Zukunft spielt für sie mit ihren neun Jahren noch keine Rolle.
Ihre Eltern unterstützen sie rundum bei ihren Aktivitäten. Während der Woche übernimmt Mutter Amelie die Fahrdienste und die Begleitung zu allen Terminen am Wochenende Vater Dirk. Und natürlich sind sie auch ein bisschen stolz auf ihre begabte Tochter, doch sie achten darauf, dass Angelina nicht überfordert wird. „Solange Angelina gerne Geige und jetzt auch Tischtennis spielt und zu den Wettbewerben geht, ist für uns alles im Lot“, erklärt Dirk Post. „Und sie weiß, wenn sie aufhören oder kürzertreten möchte, dann ist das für uns auch völlig in Ordnung.“ Doch jetzt heißt es noch mal Daumen drücken für Angelina, die im Februar zum dritten Mal bei „Jugend musiziert“ teilnimmt.