Unsere Taktikanalyse zum Spiel des VfB Stuttgart gegen die SpVgg Greuther Fürth Foto: STZN

Hannes Wolf gewinnt sein zweites Spiel als Trainer deutlich – und konzentriert sich dabei vor allem auf den Spielaufbau. Unsere Taktikanalyse.

Stuttgart - Hannes Wolf gewinnt sein zweites Spiel als Trainer deutlich – und konzentriert sich dabei vor allem auf den Spielaufbau. Dies und die vor Energie sprudelnden Debütanten Benjamin Pavard und Carlos Mané zahlte sich am Ende aus. Hier können Sie unseren Liveticker noch einmal nachlesen.

• offensive Gentner-Rolle verbessert das Aufbauspiel

• Ruthenbecks 4-4-2-Pressing ist nur Durchschnitt

• zwiespältige Umstellung Fürths nach der Pause

Aktivität und Qualität im Spielaufbau

Auf den ersten Blick änderte sich an der Grundformation des VfB im Vergleich zu den vergangenen Wochen wenig. Es war dieselbe Mischung aus 4-1-4-1 und 4-2-3-1, die auch schon Olaf Janßen und Jos Luhukay verwendet hatten. Die Flügelspieler agierten dabei recht tief, während ganz vorne mit Berkay Özcan ein eigentlicher Mittelfeldspieler auflief. Der 18-Jährige interpretierte seine Rolle allerdings recht unspektakulär wie ein klassischer Mittelstürmer. Der vielleicht wichtigste Unterschied war jedoch, dass Christian Gentner nicht mehr der defensivere der beiden Achter war, sondern der offensivere. In Ballbesitz spielte er sogar eine Art hängende Spitze hinter Özcan.

Das hatte vor allem auf das Aufbauspiel positive Auswirkungen. Der Kapitän konnte sich als zweithöchster Spieler ganz auf seine Stärken konzentrieren: torgefährliche Läufe und gutes Kombinationsspiel. Den Aufbau überließ er Hosogai, Zimmermann und Maxim. Hosogai verschob oft ein bisschen nach rechts, um Raum für Maxims Einrücken zu schaffen. Zimmermann bewegte sich derweil fleißig durch das Mittelfeldzentrum, um Verbindungen herzustellen. Maxim war vor allem für den Übergang in die Offensive zuständig und spielte beispielsweise gern Verlagerungen auf Großkreutz und Mané.

Mit diesen drei Spielern, die gelegentlich auch noch von Mané und Gentner per Ablage unterstützt wurden, schuf der VfB ein dichtes Netz aus möglichen Passwegen im zentralen Mittelfeld. Gegen diese gute Struktur und die Spielstärke des Gegners konnte Fürths recht gewöhnliches 4-4-2-Pressing nicht viel ausrichten. In ihren schwächsten Phasen ließen sich die beiden Spitzen leicht von der Mittelfeldreihe abschneiden. Passenderweise baute der VfB in genau diesem Zwischenraum die meiste Präsenz auf. Fürth wurde so zurückgedrängt und musste einige Abschlüsse hinnehmen.

Stuttgarter Pressing noch ausbaufähig

Defensiv überzeugte der VfB etwas weniger als offensiv. Im 4-1-4-1 agierten die Außenspieler recht eng, was dazu führte, dass die Fürther einige Male mit einem einfachen Pass auf den Flügel aufrücken konnten. Eine Antwort auf dieses Problem wäre gewesen, dass die Achter herausrücken und Druck machen, aber das passierte vergleichsweise selten. Generell fehlten ab und zu noch Abläufe, um aus der Formation heraus Zugriff zu entwickeln – vereinzelt stand der VfB zwar geordnet da, konnte aber den Ballführenden nicht unter Druck setzen. So gelang es Fürth auch ein paar Mal über kluge Zuspiele der Sechser in die Räume neben Hosogai einzudringen.

Dort zogen sie dann ein ansehnliches Kombinationsspiel auf. Rechtsaußen Berisha ging frühzeitig in die Spitze, während Zulj etwas nach rechts schob und das Zusammenspiel mit dem einrückenden Freis und Stürmer Dursun suchte. Der offensivstarke Narey bot sich als nachstoßende Option für die rechte Seite an, falls die Angriffe nicht durch die Mitte ausgespielt werden konnten. So hatten auch die Gäste gerade in der Phase nach dem 0:2 einige starke Szenen. Insgesamt fehlten ihnen aber auch ein bisschen die Spielanteile (Fürths Ballbesitz lag bei rund 42%), um die Lücken des VfB häufiger auszunutzen. Konter waren wegen der guten Struktur und des Gegenpressings der Stuttgarter kein großes Thema.

Fürther Wechsel auf 4-1-4-1

Zur Pause stellte Fürths Trainer Stefan Ruthenbeck von 4-4-2 auf 4-1-4-1 um. Die Idee dahinter war klar: Die zwei hohen Achter sollten mehr Druck auf das präsente zentrale Mittelfeld des VfB machen, natürlich mit dem Risiko, dass hinter ihnen mehr Raum aufgeht. Die Umstellung wurde allerdings nicht optimal ausgeführt. Der neue linke Achter Nicolai Rapp spielte ein bisschen zu tief, sodass der VfB aus dem Raum vor Rapp diagonal hinter den anderen Achter Zulj eröffnen konnte. Wichtig war dafür, dass Maxim gut auf die Umstellung des Gegners reagierte und sich weniger in den Aufbau einschaltete. Stattdessen versuchte er, mehr Breite zu geben oder selbst den neu entstandenen Freiraum hinter Zulj zu besetzen.

Den Fürthern gelang es jedoch gut, sich um diese Freiräume zusammenzuziehen. Vor allem die Flügelspieler arbeiteten aufmerksam und nun auch effektiver mit. Obwohl die neue Formation nicht so richtig gut funktionierte, gelang es ihnen dadurch auch besser den VfB etwas auf den Flügel zu leiten, sobald der erste Pass in den offenen Raum erfolgt war. Angesichts der breiteren Rolle von Maxim fehlten manchmal auch nachrückende Läufe von Zimmermann und Insua, um Stuttgarts Linksaußen ins Offensivspiel anzubinden. Mit der 3:0-Führung im Rücken ging der VfB hier verständlicherweise nicht das allerletzte Risiko.

Fazit

Es war ein gutes Zweitligaspiel zwischen zwei eigentlich sehr ähnlichen Teams. Beide versuchten guten Fußball zu spielen und dafür vor allem das Zentrum zu nutzen. Der VfB investierte mehr in das Aufbauspiel, während sich Fürth eher auf die Abläufe in der Offensive konzentrierte. Den Unterschied machte am Ende nicht zuletzt die individuelle Qualität und das kaum zu übersehende Selbstvertrauen der Stuttgarter nach der 2:0-Führung. Vor allem das überzeugende Aufbauspiel und das Gegenpressing kann der VfB in die nächsten Spiele mitnehmen.

VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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