Blogger Jonas Bischofberger analysiert die Partien des VfB Stuttgart. Foto: Shutterstock/STZN

Taktikblogger Jonas Bischofberger analysiert die VfB-Partie gegen 1860 München und erklärt, warum Stuttgart am Ende über das Remis glücklich sein kann.

Stuttgart - Vitor Pereiras defensives Fünferkettensystem erweist sich als passendes Mittel gegen Wolfs Stuttgarter. Der VfB spielt das gesamte Spiel über fast nur um den Münchener Defensivblock herum und schafft es nicht, Präsenz innerhalb der gegnerischen Formation zu entwickeln.

–Sechzig mit Stabilität und Pressingschüben

–Stuttgart fehlt Präsenz im Zehnerraum

–Flanken und Direktpässe ineffektiv gegen Münchens Fünferkette

–Pereira parkt nach 65 Minuten den Bus

Münchens Fünferkette passiv aber wirkungsvoll

1860 trat gegen den Ball grundsätzlich in einer recht defensiven 5-4-1-Grundordnung auf. In der ersten Halbzeit streuten sie allerdings auch Phasen mit höherem Pressing ein, dann rückten die Flügelspieler eine Linie nach vorn und stellten ein 5-2-3 her. In solchen Phasen rückten außerdem die Sechser, allem voran Lacazette, äußerst dynamisch auf die Stuttgarter Sechser heraus. Zusammen mit den teils recht eng stehenden Flügelspielern konnten sie damit enormen Druck auf Stuttgarts Mittelfeldzentrum entfachen. In den ersten fünf Minuten überrumpelte Sechzig den VfB mit diesem Mittel und sorgte anschließend mit gefälligen Flügelüberladungen für Gefahr.

Das konnte aber kein dauerhafter Erfolgsplan für die Gastgeber sein. Da Mittelfeld und Sturm eng zusammenstanden und nur zu fünft waren, konnte sich der VfB, wenn er die Ruhe behielt, mit nur einem Pass nach außen oder nach vorn befreien. Anschließend war es so, dass Münchens Fünferkette nicht an die Kollegen heranrückte und somit Räume im Mittelfeld preisgab. Normalerweise ist das eher schlecht, gegen den VfB funktionierte es aber ganz gut, da die Stuttgarter ohnehin lieber das Mittelfeld überbrücken, anstatt dort Fußball zu spielen. Das frühe Fallenlassen der Fünferkette ließ die Läufe von Gentner und Asano größtenteils verpuffen.

Wenig Verbindungen beim VfB

Wenn sich die Münchener zurückzogen, war also das Ballbesitzspiel des VfB gefordert. Stuttgart begann, wie schon gegen Dresden, in einer 4-2-3-1-Grundordnung, wobei Insua sich in Ballbesitz halblinks im Mittelfeld einsortierte und den Flügel Julian Green überließ. Die Sechser Ofori und Grgic spielten sehr tief und unterstützten weder die Flügelangriffe, noch sorgten sie für Präsenz innerhalb der Münchener Formation. Das tat zwar der Konterabsicherung gut, schwächte aber die Offensivstruktur.

Einige vielversprechende Szenen entstanden aus der Rolle von Insua, der neben oder hinter Lacazette auf Raumsuche war und einige Male nach Verlagerungen den Ball bekam und gegen die Fünferkette andribbeln konnte. In diesen Szenen fehlte ihm allerdings die Unterstützung der Sechser und von Gentner, der als Zehner sehr rechtslastig unterwegs war. Anstatt Tempo aufzunehmen blieb Insua dann nur noch der Pass auf den breit stehenden Green und 1860 konnte wieder nachschieben. Über rechts war die Situation ähnlich, da Gentner hier entweder sehr weit auswich oder in den Strafraum reinging, aber nie in Zwischenpositionen auftauchte, um Verbindungen zu schaffen.

Flanken funktionieren nicht

So standen praktisch alle Stuttgarter außerhalb des Münchener Defensivblocks. Der Ball lief dementsprechend langsam, weil man vom Flügel immer wieder zurückspielen musste, anstatt in die Formation hinein. Schnelle Verlagerungen waren genauso eine Seltenheit, wie Aktionen zwischen den Linien, um gegnerische Abwehrspieler zum Herausrücken zu zwingen. Stattdessen musste Stuttgart viele Flanken schlagen, was aber nicht richtig funktionierte, weil die Löwen mit ihrer Fünferkette sowohl Zugriff auf den Flankengeber als auch genügend Strafraumpräsenz hatten. Direkte Bälle hinter die Abwehr waren ebenfalls kein effektives Mittel, weil der VfB es kaum schaffte, Schnittstellen in der passiven Fünferkette zu öffnen.

An diesem Grundproblem änderte sich auch in der zweiten Halbzeit nicht viel, wenngleich die Einwechslung von Daniel Ginczek für einen Tick mehr Präsenz im Zehnerraum sorgte. Einige Minuten nach diesem Wechsel brachte Vitor Pereira Neuhaus für Liendl und Bülow für Olic, also einen Sechser für den Mittelstürmer. Danach spielte München ein 5-3-2 mit breiten Spitzen, das sogar zu einer Art 5-5-0 wurde, wenn Amilton und Aigner sich fallen ließen. Mit drei statt zwei zentralen Mittelfeldspielern drängte 1860 den VfB nun aktiver aus dem Zentrum heraus und neutralisierte so die Ginczek-Einwechslung. Entlastung gab es für die Hausherren mittlerweile zwar kaum noch, das war aber eigentlich zu verschmerzen, da dem VfB die Ideen fehlten, um daraus Kapital zu schlagen. Der Ausgleichstreffer war letztlich eher ein Kuriosum als die logische Folge eines dominanten Auftritts.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: