Taktiblogger Jonas Bischofberger analysiert die aktuelle VfB-Partie. Foto: Shutterstock/STZN

Taktikblogger Jonas Bischofberger analysiert die VfB-Partie im Erzgebirge und deckt auf, warum Trainer Hannes Wolf nicht mit seiner Mannschaft zufrieden war.

Aue - Mannschaften mit gutem Aufbauspiel sind in der Zweiten Liga eher Randerscheinungen. Eine von ihnen ist der FC Erzgebirge Aue unter Pavel Dotchev. Mit aktivem und vielseitigen Kollektivfußball machen die Veilchen dem VfB deutlich mehr zu schaffen, als es das Endergebnis auszudrücken vermag.

•Aue überzeugt mit Pepic und kollektivem Spielaufbau

•Stuttgarts Pressing greift nicht

•Asano und Mané bestrafen mangelnde Absicherung

•Wolf muss zweimal korrigieren

Aues Spielaufbau zeichnete sich dadurch aus, dass die Spieler ständig ihre Position anpassten, um sich anspielbar zu machen. Der linke Sechser Mirnes Pepic war dabei Dreh- und Angelpunkt im Mittelfeldzentrum und sorgte mit seiner Spielintelligenz für gute Verbindung zwischen Abwehr und Mittelfeld. Die Außenverteidiger machten ebenso engagiert mit und rückten auch mal ins Zentrum ein, während die vier Offensivspieler sich mit zahlreichen zurückfallenden Läufen einbrachten.

Der VfB-Plan ging nicht auf

Der Plan des VfB sah zwar vor, den gegnerischen Aufbau früh zu unterbinden, aber das gelang gegen das starke Auer Zusammenspiel schlichtweg nicht. Da Terodde sich etwas statisch positionierte, mussten die Achter immer wieder weit herausrücken, um Druck auf die Sechser und Innenverteidiger zu machen. Die Stuttgarter schoben dann aber nicht geschlossen genug nach und Aue konnte sich völlig problemlos über Ablagekombinationen nach vorne tasten.

Aue dominant, aber ohne letzte Konsequenz

Das Resultat war, dass Aue das Spiel über weite Strecken dominant gestaltete. Da die Gastgeber über ein exzellentes Gegenpressing verfügten, eroberten sie außerdem viele Bälle direkt nach Ballverlust zurück und ließen dem VfB so keine Konter-Gelegenheiten. Über diese grundlegende Spielkontrolle hinaus schafften sie es aber nur mittelmäßig Durchschlagskraft zu erzeugen. Das lag nicht zuletzt daran, dass sie ihr bewegliches Mittelfeldspiel nicht in die Offensivräume weitertragen konnten.

Wenn sich Aue dem gegnerischen Strafraum näherte, suchte die Mannschaft zu früh die Flanke oder den finalen Pass, anstatt die Räume geduldig auszuspielen. Auch fehlte ihnen ein wenig die individuelle Dribbelstärke und Kreativität von den Flügeln aus. Daher ließen sie immer wieder vielversprechende Möglichkeiten verstreichen, das schwache Pressing des VfB mit zielstrebigen Angriffen zu bestrafen. Ein Chancenplus holten sie aber dennoch raus: Zur Pause lagen sie gar mit neun zu drei Schüssen vorne.

Stuttgart humorlos und effektiv

Das praktisch einzige Mittel des VfB war absolut simpel, aber effektiv: Die gegnerischen Außenverteidiger überlaufen. Weil Rizzuto und Hertner sehr viel nach vorne verteidigten und ins Mittelfeld einrückten, konnte gerade Asano vereinzelt in Rizzutos Rücken davonlaufen. Anschließend musste ein Innenverteidiger auf den Flügel raus und Aue geriet im Sechzehner in Unterzahl. Bei allen drei Gegentoren aus dem Spiel heraus konnte man dieses Muster beobachten. Aue hätte die Außenverteidiger besser absichern müssen.

Gefallen hatte Hannes Wolf die Vorstellung seiner Mannschaft offenbar trotzdem nicht, denn er stellte zur zweiten Hälfte auf ein 5-2-3-Pressing um, das den Gegner nach innen leiten sollte. Dieses wurde von Pepic aber ziemlich auseinandergenommen und funktionierte überhaupt nicht. Zehn Minuten später korrigierte Wolf nochmal und ließ seine Flügelstürmer eine Linie tiefer spielen. In diesem sehr defensiven 5-4-1 fand der VfB endlich zu etwas mehr Stabilität.

Fazit: Den Gegner unterschätzt?

Mit dem Pressing konnte Hannes Wolf über weite Strecken nicht zufrieden sein. Das Angriffspressing scheiterte am guten Aufbauspiel des Gegners, später verzockte er sich ein wenig mit der Umstellung auf 5-2-3. Es wirkte fast so, als hätte man den kollektivstarken Tabellensiebzehnten ein wenig unterschätzt. Dieser hatte letztlich aber zu viele Probleme in der Endverteidigung und musste sich so der individuellen Überlegenheit des VfB geschlagen geben.

VfB Stuttgart - 2. Bundesliga

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