Und hoch das Bein: der VfB-Verteidiger Benjamin Pavard (links) ist vor dem Eintracht-Angreifer Ante Rebic am Ball. Foto: Getty

In der Hinrunde wurde der VfB Stuttgart von der Frankfurter „Büffelherde“ überrannt. An diesem Sonntag steht die Begegnung wieder an – und die Frage lautet: Wie will der abstiegsbedrohte Fußball-Bundesligist den Eintracht-Sturm stoppen?

Stuttgart - Markus Weinzierl hat das Bild noch gut vor Augen. Wie Ante Rebic mit dem Ball am Fuß antrat. Wie Holger Badstuber hinterherhechelte. Wie der Verteidiger ins Straucheln geriet und hilflos auf den Rasen plumpste. Im nächsten Moment schoss Luka Jovic aufs Tor, und Sébastien Haller staubte zum 1:0 ab.

Zack, zack und zack – der hessische Dreizack hatte wieder einmal zugestochen. Es war der Anfang vom Ende bei der 0:3-Niederlage des VfB Stuttgart gegen Eintracht Frankfurt im Herbst. Ein Spiel, das gezeigt hatte, dass der Eintracht-Sturm mit seinem Tempo und seiner Wucht wie eine Naturgewalt über die VfB-Reihen hereingebrochen war. Und ein Spiel, das nicht nur dem damals neuen Trainer offenbarte, dass die Stuttgarter zu dieser Saisonphase dem Offensivwirbel einer Spitzenelf nichts an Widerstandskraft entgegenzusetzen hatten.

Die Eintracht hat einen Lauf

Knapp vier Monate später steht die Begegnung zwischen den beiden Traditionsclubs an diesem Sonntag (18 Uhr) wieder an, und der VfB fühlt sich gestärkt. „Wir haben zuletzt aufsteigende Tendenz gezeigt und zum Beispiel in Dortmund gut verteidigt“, sagt Weinzierl, „wir werden in Frankfurt aber auch eigenen Ballbesitz benötigen, um noch mal einen Schritt nach vorne zu machen.“ Die Frage wird zunächst aber lauten, wie der abstiegsbedrohte Bundesligist eine Mannschaft stoppen kann, die einen Lauf hat. Noch keine Partie hat das Team von Trainer Adi Hütter in der Rückrunde verloren, zuletzt viermal nacheinander, teilweise sogar spektakulär gewonnen und dazwischen in der Europa League begeistert.

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„Wir wollen der Eintracht-Offensive mit großer Kompaktheit und großer Lauffreude begegnen. Wir dürfen den Stürmern keine Räume bieten und müssen eigene Ballverluste definitiv vermeiden“, sagt Weinzierl und weiß, dass vor allem seine neue Abwehrkette einer Zerreißprobe unterzogen wird. Ozan Kabak, Benjamin Pavard und Marc Oliver Kempf – das sind die drei jungen Kräfte, die im Zentrum des Sturms stehen werden. Denn die Frankfurter suchen gern den schnellsten Weg zum gegnerischen Tor, ab durch die Mitte.

Mit vier, fünf Spielern tauchen sie dann nur Sekunden nach der Balleroberung im gegnerischen Strafraum auf. Ein geballtes Überfallkommando, das von Jovic (15 Tore/5 Vorlagen), Haller (14/9) und Rebic (8/3) angeführt wird. Mit ihrer Dynamik, Spielfreude und Treffsicherheit. Das Trio hat damit wesentlichen Anteil daran, dass die Eintracht mit 51 Treffern nach dem FC Bayern München (68) und Borussia Dortmund (64) die offensivstärkste Mannschaft der Liga bildet.

Doch auch die Flügelspieler Filip Kostic (3/9) und Danny da Costa (2/4) gehören zu den Spielern, die treffen können oder Tore vorbereiten. Obwohl es sich bei den beiden nominell um Außenverteidiger handelt. Hütter schiebt Kostic über links und da Costa über rechts jedoch so weit nach vorne, dass sie faktisch der Abteilung Attacke zugeordnet werden. Somit verfügen die Frankfurter (Mijat Gacinovic gibt es ja auch noch) über eine ganze Bande an gefährlichen Akteuren, was das Verteidigen gegen sie so schwierig macht.

Die Schlüsselfigur spielt weit hinten

Als Schlüsselfigur, um den Offensivwirbel erst gar nicht entstehen zu lassen, dient jedoch ein Mann, der sich weit hinten verbirgt: Makoto Hasebe. Der 35-jährige Japaner ist der Abwehrchef, gleichzeitig mit seiner Spieleröffnung aber auch der erste Initiator der Angriffe. Eine Art Quarterback im Fußball. Scharfe, flache Diagonalpässe nach vorne sind Hasebes Spezialität. Den ballsicheren Routinier gilt es zu kontrollieren, will man die Zulieferdienste für die Angreifer schon im Ansatz kappen. Was für einen Einsatz des laufstarken VfB-Stürmers Nicolas Gonzalez als Verteidiger an vorderster Linie spricht – anstatt auf die zuletzt verschütteten Torjägerqualitäten eines Mario Gomez zu hoffen. Der Argentinier vermag es, den Gegner früh anzulaufen und unter Druck zu setzen. Gonzalez kann Hasebe bei Rückpässen außerdem besser zustellen, wenn die Frankfurter gezwungen sind, ein Positionsspiel aufzuziehen.

Eine Taktik, die Weinzierl bereits gegen die Münchner und Dortmunder wählte. Ohne dass es Punkte gebracht hat, aber die Stuttgarter gewannen zumindest an Sicherheit. In einer Formation, die sich beim Verteidigen zu einer Fünferkette aufreiht und zudem über zwei defensive Mittelfeldspieler verfügt, die das Zentrum schützen. Wobei der Chefcoach in seinem einfach angelegten Spiel ohnehin von allen Spielern höchste Disziplin auf dem Platz verlangt, wenn sich der Gegner im Spielaufbau – Gelson Fernandes und Sebastian Rode übernehmen diese Aufgabe ebenfalls – befindet.

Nur so erreicht der VfB einen engen Defensivverbund und kommt in Situationen, die sich Weinzierl für den Angriff wünscht und zuletzt verstärkt trainieren ließ: Umschaltmomente nach vorne. „Da haben wir in den vergangenen Wochen gute Ansätze gezeigt“, sagt der Trainer. Aber: Ein schwäbisches Zack-zack-zack gibt es noch nicht. Aus den vermehrten Balleroberungen sind bisher wenige Tore entstanden.

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