Der bewaldete Höhenzug zieht sich vom Kernen im Westen bis zum Wäscherschloss im Osten. Wir stellen sechs Ausflugsziele auf dem Schurwald vor.
Die Katharinenlinde ist das traditionelle Ausflugsziel für viele Esslinger und Esslingerinnen. Am Rande des Schurwaldes auf der Rüderner Heide gelegen, lockt der besondere Ort über der Stadt mit einer grandiosen Aussicht über das Neckartal bis hinüber zu den Fildern. Je nach Wetterlage und Beleuchtung begrüßen den Gast unterschiedliche Stimmungen am Esslinger Höhenweg. Beliebt sind die ausgedehnten Wiesen, wo sich Familien und Gruppen zum Picknick treffen und bei entsprechendem Wind die Drachen steigen lassen.
Die Namensgeberin, die heilige Katharina von Alexandrien, Stifterin des Spitals Esslingen, soll dort oben begraben liegen, aber wohl nur der Legende nach. Die Stadt Esslingen hat hier eines ihrer größten Naturschutzprojekte umgesetzt: Holzstapel, Bäume und Nisthilfen bieten Eidechsen, Insekten, Vögeln und Fledermäusen ein Zuhause.
Noch mehr Überblick bietet der 17 Meter hohe Katharinenlindenturm aus Stahlbeton, den der Schwäbische Albverein 1957 errichtet hat. Früher befand sich dort als Vorgänger ein niedrigerer Turm aus Holz und eine bewirtschaftete Schutzhütte. Heute empfiehlt sich dort die Gaststätte Katharinenlinde.
Fellbach: Die höchste Kuppe ist der Kernen
Auf dem Kernen, der mit 513 Metern höchsten Kuppe des vorderen Schurwalds, steht seit dem Jahr 1896 ein Aussichtsturm. Der 27 Meter hohe Turm wurde von der Ortsgruppe Stuttgart des Schwäbischen Albvereins errichtet, die ihn nach wie vor betreut. 1930 wurde eine Schutzhütte angebaut, die nach dem Albvereinsfunktionär Anton Entress benannt wurde. Der viereckige, aus Sandstein erbaute Turm hat eine offene Plattform mit historisierenden Zinnen. Besucher können den Turm über eine Wendeltreppe mit 158 Stufen erklimmen. Oben ist ein kleiner Rundturm aufgesetzt. Von dort aus hat man eine faszinierende Rundsicht, die bei klarer Luft bis zu dem mehr als 70 Kilometer entfernten Plettenberg am Rand der Alb und zum Nordschwarzwald im Westen, im Norden und Osten zum Odenwald, über den Schurwald und bis zum Schwäbisch-Fränkischen Wald reicht. Hinweistafeln erleichtern die Orientierung. Der Kiosk ist donnerstags bis sonntags geöffnet, zudem gibt es einen Rastplatz und eine Grillstelle. Der Kernen ist auf gut ausgeschilderten Wegen zu Fuß von Haltestellen des Nahverkehrs oder Parkplätzen in Uhlbach, Untertürkheim, Stetten oder Rommelshausen zu erreichen.
Wäschenbeuren: Das Wäscherschloss
Ganz im Osten des Schurwaldes, wo die drei Kaiserberge und die Ostalb grüßen, steht das trutzige Wäscherschloss auf der Gemarkung von Wäschenbeuren (Kreis Göppingen). Die über einem Sechseck errichtete Anlage mit den mächtigen, fast zehn Meter hohen Mauern aus Buckelquadern schützt den dahinter liegenden Fachwerkbau. Das Ensemble gilt als Paradebeispiel einer Stauferburg.
Ungeachtet der idyllischen Lage kündet das schroffe Äußere bis heute auch von der militärischen Bedeutung des Baus, der auf das 13. Jahrhundert zurückgeht und im 15. Jahrhundert durch ein Wohngebäude ergänzt wurde. Im Schatten des Hohenstaufen gelegen, diente die Burg als vorgelagerte Befestigung dazu, die Hauptburg zu sichern und zu schützen. Heute kann das Wäscherschloss von Mai bis Oktober an den Wochenenden besichtigt werden.
Einst galt das Schloss als Wiege der Staufer. Dies sei Legende, heißt es bei den Staatlichen Schlössern und Gärten. Berühmte Staufer wie Kaiser Friedrich I., genannt Barbarossa, oder sein Enkel Kaiser Friedrich II. haben sich dort nicht aufgehalten. Auch Mitglieder der staufischen Familie haben dort nicht gewohnt, diente das Schloss doch als Wohnsitz staufischer Dienstmannen.
Kunstwerke in Lichtenwald
Ein ausgeschilderter Rundweg führt zu historisch bedeutenden Plätzen und Gebäuden, zu Kunstwerken und aussichtsreichen Stellen im Lichtenwalder Gemeindegebiet. Eine davon findet sich auf dem Höhenweg oberhalb des Ortsteils Hegenlohe. Dort auf dem Geländerücken bietet sich ein etwa 60 Kilometer weit reichender Blick entlang Eduard Mörikes Blauer Mauer vom Hohenstaufen bis zum Hohenzollern.
Diese besondere Stelle ziert seit 2014 die Skulptur „Augenblick“ der Lichtenwalder Künstler Angie und René Heinze. Das mehr als drei Meter hohe Kunstwerk ist oben durch eine ovale, mit silbernen und goldenen Plättchen ausgelegte Öffnung durchbrochen, die den Blick auf Teck und Neuffen richtet. Das Werk symbolisiere die kostbaren Augenblicke, die die Lebenszeit birgt, aber auch „Durchblick und Ausblick, hinein in die faszinierende Fernsicht auf Alb und Himmel“, schreibt Angie Heinze.
Der Lichtenwalder Kulturrundweg ist etwa zehn Kilometer lang und bequem zu begehen. Der Höhenweg startet in Lichtenwald am Bürgerzentrum oder am Naturfreundehaus. Dort kann eingekehrt werden, und für Kinder ist ein großer Naturspielplatz eingerichtet.
Winterbach: Ein Obelisk für den König
Die Aussicht ist bemerkenswert, und Historie gibt es obendrein: Seit knapp 180 Jahren stehen auf der Schurwaldhochfläche Goldboden bei Baltmannsweiler-Hohengehren eine geschichtsträchtige Eiche und ein Obelisk. Der Schorndorfer Förster für das Revier Engelberg ließ den Baum im Jahr 1841 pflanzen. Anlass war das 25-Jahr-Regierungsjubiläum von König Wilhelm I.; die „Wilhelmseiche“ steht noch heute und ist ein Naturdenkmal. Ein Jahr später ließ der Förster aus demselben Grund das Goldbodendenkmal errichten, das die Zeiten ebenfalls überdauert hat. Zu dem baumumstandenen Obelisken gelangt man, wenn man an Hohengehren vorbei in Richtung Winterbach geht und, kurz bevor es den Hang nach Engelberg hinuntergeht, nach links abbiegt. Auf dem betonierten Weg nach Manolzweiler, einem Teilort von Winterbach, haben Radler und Spaziergänger eine weite Aussicht gen Norden in den Rems-Murr-Kreis. Sitzbänke laden zum Verweilen ein. Wer mit dem Auto kommt, kann auf einem nahe gelegenen Wanderparkplatz parken. Wer von Esslingen aus mit dem Bus kommt (Linie 106), steigt am besten in Hohengehren aus und geht den restlichen Weg zu Fuß.
Weinstadt: Der Baacher Tümpel
Wer sich von Baltmannsweiler vorbei an der Gemeindehalle durch den Wald hinab Richtung Weinstadt-Schnait (Rems-Murr-Kreis) in den Ortsteil Baach bewegt, stößt kurz vor dem Ortseingang auf die Fallenhauquelle. Auf der Sitzbank neben der Quelle können Passanten die Seele baumeln lassen, dem Plätschern des Wassers lauschen und den Blick in die Natur genießen. Wenige Meter weiter ist der Baacher Tümpel, ein Feuchtbiotop mit einer kleinen Amphibien- und Vogelbeobachtungsstation. Frösche, Kröten, Molche und Libellen können dort mit ein wenig Glück gesichtet werden. Der asphaltierte Weg entlang des Schlierbachs wird nach wenigen Hundert Metern zu einem Feldweg, der in den Wald führt. Immer wieder gibt es Gelegenheiten, eine Pause einzulegen und die Umgebung auf sich wirken zu lassen. Die Hänge vor dem Wald dienen als Weiden für unterschiedliche Nutztiere. Im Wald geht ein Weg steil nach oben Richtung Osten zurück über Hohengehren nach Baltmannsweiler. Das ist allerdings eine anspruchsvolle Tour. Es gibt auch die Möglichkeit, im Wald zurück nach Baach zu gelangen. Gasthäuser laden zur Einkehr ein. Wer mit dem Auto anreist, kann den Wagen beim Wanderparkplatz Baach abstellen.