Der ARD-Nachrichtenmann Ingo Zamperoni spricht in Leonberg über Amerika, Italien und seinen Beruf. Und erklärt, warum er sich in allem besonders gut auskennt.
Wenn die Familie Zamperoni essen geht, kann es schon mal sein, dass sich andere Gäste wundern. Beim Tischgespräch wechselt die Sprache in Windeseile – von Englisch ins Deutsche, dann mal wieder kurz Italienisch. Für den bekannten wie beliebten Moderator der ARD-„Tagesthemen“ ist diese Vielseitigkeit bereichernd: Seine Mutter ist Deutsche, sein Vater Italiener, seine Frau US-Amerikanerin.
Was bedeutet das für ihn? „Ich habe von allem das Beste“, meint Ingo Zamperoni in der Leonberger Stadthalle mit Augenzwinkern. Er ist Gast beim Talkformat „Schoog im Dialog“ mit der Journalistin Bernadette Schoog. Dass der Nachrichtenmann tatsächlich beliebt wie bekannt ist, zeigt die Resonanz am Donnerstagabend: Der große Saal der Stadthalle ist voll.
Natürlich geht es im Gespräch um Amerika. Hier hat der Journalist studiert, hier hat er seine Frau kennengelernt, hier leben die Schwiegereltern. Und natürlich geht es um Donald Trump, der in den Staaten nicht nur die Gesellschaft, sondern ganze Familien spaltet. Zamperonis Frau ist bekennende Demokratin, ihr Vater ein Republikaner. Aber kein Trump-Fan, wie Zamperoni betont. Doch den Menschen in den USA brennen ähnliche Probleme unter den Nägeln wie den Deutschen: „Die Migration hat Joe Biden viel zu spät ernst genommen“, berichtet der „Tagesthemen“-Mann. „Die Inflation ist hoch, die Preise gerade bei den Lebensmitteln steigen. Das bringt selbst Familien aus der Mittelschicht in ernste Schwierigkeiten.“
Ingo Zamperoni warnt seine deutschen Landsleute davor, über die Trump-Wähler den moralischen Stab zu brechen: „Das sind keine babyfressenden Monster“. Vielmehr sehe das Wahlverhalten vor der eigenen Haustür nicht viel anders aus: „Vor der Europawahl war die AfD selbst Marine Le Pen zu radikal. Trotzdem hat sie fast 16 Prozent bekommen“. Viele Menschen, egal ob in den Staaten oder in Europa, gehe es vor allem darum, dass die Probleme klar angesprochen werden. Skandale wie bei Trump und rechtsextreme Tendenzen wie bei der AfD würde etliche kaum oder gar nicht interessieren.
In Italien, seinem anderen Heimatland, wären die konservativen und nationalistischen Regierungen unter Silvio Berlusconi und Giorgia Meloni vergleichsweise die stabilsten, antwortet Zamperoni auf den Hinweis der Moderatorin, dass es dort in 80 Jahren 70 Regierungen gegeben hatte. Die aktuelle italienische Regierungschefin sei sogar besser geeignet, einen Brückenschlag zwischen Europa und der künftigen US-Regierung hinzubekommen als Bundeskanzler Scholz. „Das meine ich ganz wertneutral.“
Was war mit Harald Schmidt?
Neutral: Das passende Stichwort für die eigene Berufsphilosophie. Zamperoni plädiert für das duale System der öffentlich-rechtlichen Sender und der privaten Medienhäuser: „Damit sind wir ganz gut aufgestellt“. Dem immer wieder geäußerten Vorwurf, die öffentlich-rechtlichen Redaktionen seien zu links, setzt er eine eigene These entgegen: „Wir folgen nicht Ideologien oder Überzeugungstätern, wie verfolgen Debatten. Dabei ist es gut, den Schaum vor dem Mund wegzulassen.“ Letztlich müsse ein guter Journalist sein Handwerk verstehen.
All das sind komplexe Themen. Doch der Gast aus Hamburg spricht, ganz im Stile eines Anchorman, ganz locker drüber, ohne auch nur einen Moment an Substanz zu verlieren. Und er macht Lust auf den nächsten Gast von Bernadette Schoog: Denn Harald Schmidt hat Zamperoni einmal als junger Mann daheim in Wiesbaden erlebt. Mal schauen, ob sich der Altmeister der Satire am 29. April in Leonberg dran erinnert.