Tagesmütter betreuen oft mehere Kinder – jedes benötigt viel Zuwendung. Foto: dpa

Der Kreis verdoppelt die Förderung, damit die Tagesmütter ihre Betreuung verbessern können. Kritische Stimmen vermuten jedoch, dass dies im Grunde genommen nicht reiche.

Böblingen - Pflegeeltern nehmen immer häufiger auch ein Kind mit einer Behinderung auf, das jünger als drei Jahre ist. Das ist im Landkreis inzwischen in 16 Fällen so. Insgesamt werden 923 Kinder von Tagesmüttern und -vätern betreut. „Die betroffenen Kinder sollen künftig in den Familien doppelt so viel zählen“, erklärt Alfred Schmid, der Kreissozialdezernent hinsichtlich der Vergütung für den Betreuungsaufwand. Für den Kreis handele es sich dabei um eine eher bescheidene Summe, für die Kinder und die Tageseltern sei die zusätzliche Förderung aber wichtig – darüber war man sich in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses des Kreistags einig. Künftig zahlt der Kreis 10 500 Euro mehr.

Mehr zu betreuende Kinder, mehr Tagesmütter

Kritische Stimmen vermuten jedoch, dass dies im Grunde genommen nicht reiche, schließlich sei der Aufwand bei der Erziehung eines gehandicapten Kindes sicher mehr als doppelt so hoch. Der Landrat Roland Bernhard versprach, in einem Jahr Bilanz zu ziehen, um zu sehen, ob die Familien mit der Verdopplung der Zeit und der finanziellen Unterstützung hinkommen.

Im Haushaltsplan sind als Ausgaben für die Kindertagespflege im Jahr 2017 rund 3,15 Millionen Euro veranschlagt worden. Als Förderbeitrag des Landes werden 2,3 Millionen Euro erwartet. Der Landkreis würde damit Kosten von 850 000 Euro selbst tragen. Der Beitrag wurde in den vergangenen Jahren stetig höher, weil die Zahl der betreuten Kinder immer weiter gestiegen ist. Das trifft auch für Tagesmütter und -väter zu. Vor sieben Jahren waren insgesamt 293 im Einsatz, in diesem Jahr sind es 314.

Oft ist eine mehrmonatige Schulung nötig

Seit 2008 gibt es im Landkreis das Projekt Takki – die kommunale Tagespflege für kleine Kinder unter drei Jahren. Die Vermittlung erfolgt über die Tagespflegeelternvereine im Kreis in Absprache mit dem Amt für Jugend und Bildung. Oft haben die Kinder wegen eines schwierigen familiären Hintergrundes einen besonderen Förderbedarf. Die Pflegekinder bleiben solange bei ihren Ersatzeltern, bis sich die Situation in der eigenen Familie stabilisiert hat.

Die Tageselternvereine kümmern sich zudem um die Ausbildung der Tagesmütter und -väter, die der Kreis finanziert. Eine Pflegeperson, die ein Kinder unter drei Jahren aufnehmen möchte, muss eine mehrmonatige Schulung durchlaufen. Für Pflegeeltern mit einer einschlägigen Ausbildung etwa als Sozialpädagogen dauert die Qualifizierung nicht so lange.

Um die Erlaubnis zur Kindertagespflege zu erhalten, müssen neben der Qualifikation auch die die persönliche Eignung und kindgerechte Räume nachgewiesen werden. In Kommunen im Kreis werden von den Tageselternvereinen Sprechstunden angeboten (meistens in den Rathäusern). Die Termine sind unter der Telefonnummer 0 70 31/21 37 10 zu erfahren.

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